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Über allen Zipfeln ist Ruh

Kolumne: Was der „Zipfelbund“ ist, wäre bestimmt eine gute Frage für „Wer wird Millionär?“ Letztlich liefert er den Beweis, dass es in Deutschland an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt.

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Ein Zipfel ist geografisch gesehen ein Gebiet, das aus dem Territorium einer eher flächigen geopolitischen Einheit in eine oder zwischen mehrere andere solcher Einheiten hineinragt. Ach du liebe Güte. Hoffentlich lesen Sie jetzt überhaupt noch weiter. Aber ich verspreche: Komplizierter als im ersten Satz wird’s in diesem Text nicht mehr.

Warum ich diese Definition überhaupt nachgeschlagen habe? Nachschlagen. Das ist ja auch so ein Old-fashioned-Brockhaus-Enzyklopädie-in-24-Bänden-in-der-Schrankwand-aus-Eiche-brutal-Wort. Gegoogelt hab ich’s natürlich.

Nun, ich wollte die Definition des „Zipfels“ wissen, weil ich gedenke, mich in diesem Jahr touristisch damit zu beschäftigen. Wussten Sie, dass es in Deutschland einen „Zipfelbund“ gibt? Es wäre vermutlich eine gute Frage bei „Wer wird Millionär“ in einer der etwas hochpreisigeren Kategorien. Und nein, der „Zipfelbund“ hat nichts mit Nähen zu tun. Da bin ich ohnehin seit jeher total schlecht drin.

„Ich werfe mal vier scheinbar zusammenhanglose Städtenamen in die Runde: Görlitz. Oberstdorf. List. Selfkant.“

Sie haben zumindest schon mal den Hinweis, dass es sich beim „Zipfelbund“ um etwas Geografisches handeln muss. Ich werfe mal vier scheinbar zusammenhanglose Städtenamen in die Runde: Görlitz. Oberstdorf. List. Selfkant. Und? Kommen Sie drauf? Malen Sie es mal auf eine Deutschlandkarte (also: nachdem Sie im Brockhaus nachgeschlagen oder gegoogelt haben, wer, was oder wo denn bitte Selfkant ist).

Schauen wir mal. List? Auf Sylt. Gaaaaaaanz ooooooben. Oberstdorf? Im Allgäu. Gaaaaaaanz uuuuuunten. Görlitz? An der Neiße, mit Brücken, die nach Polen führen. Also: Gaaaaaaanz reeeeeechts – pardon, ich meine: im absolut östlichen Osten. Und Selfkant? Sie ahnen es, auch ohne jemals von diesem Städtchen in NRW gehört zu haben: Gaaaaaaanz liiiiiinks – einen Schritt weiter, und es wird oranje. Ja genau. Da bei Holland.

Allen vier Kommunen gemeinsam ist, dass sie, und ich nähere mich im sechsten Absatz dann endlich mal dem Punkt meiner Kolumne, am jeweils äußersten Zipfel Deutschlands in der jeweiligen Himmelsrichtung liegen. Und weil das so schön ist, haben sich List, Oberstdorf, Görlitz und Selfkant (Sie werden heute Nacht davon träumen) zusammengeschlossen. Vier Orte, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Bis auf ihre Mitgliedschaft im „Zipfelbund“ eben.

Hab ich mir nicht ausgedacht, auf die Idee sind andere gekommen – und zwar schon 1999. Um den Zusammenschluss zu bewerben, gab’s sogar mal eine Wurst mit vier Zipfeln. Und einen Sonderstempel der Post. Aber was hat das Ganze jetzt mit Tourismus und mit mir zu tun? Man kann die „Zipfelbund“-Kommunen bereisen, und wer in dem jeweiligen Ort auch übernachtet, bekommt in den Tourismusbüros einen Stempel ins Zipfelbuch. Ich habe mir vorgenommen, die vier Zipfelorte dieses Jahr zu besuchen. Wobei sich Görlitz den Status erschwindelt hat. Die östlichste Kommune Deutschlands ist gar nicht Görlitz, sondern Neißeaue. 1700 Einwohner. Das hätten wahrscheinlich noch weniger Menschen gekannt als Selfkant. Aber vielleicht ist es trotzdem sehenswert. Wenn man schon mal in der Gegend ist.


Zur Person:

  • Meike Oblau ist Reporterin der OM-Medien.

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