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Totes Schwein liegt vor Moschee in Vechta

Die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde sind bestürzt über den islamfeindlichen Vorfall. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

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Domizil der Muslime in Vechta. Die Bait-ul-Qaadir-Moschee befindet sich an der Gutenbergstraße. Foto: AMJ

Domizil der Muslime in Vechta. Die Bait-ul-Qaadir-Moschee befindet sich an der Gutenbergstraße. Foto: AMJ

Die Mitglieder der Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) sind bestürzt. Sie können es kaum fassen, was sich zu Beginn des neuen Jahres vor ihrer Moschee in Vechta abspielt. Bislang unbekannte Täter haben auf dem Parkplatz an der Gutenbergstraße ein totes Ferkel abgelegt. Es ist eine Provokation für Muslime, die bekanntlich aus religiösen Gründen den Verzehr von Schweinefleisch ablehnen.

Nach Angaben der Gemeinde muss sich der Vorfall in der Nacht zum Sonntag zugetragen haben. Beim Abendgebet am Samstag sei noch nichts zu sehen gewesen. Als die Gläubigen dann tags drauf zum Mittagsgebet erschienen seien, habe das verendete Tier auf dem Parkplatz der Bait-ul-Qaadir-Moschee gelegen, berichtete Imam Syed Salman Shah am Montag auf Anfrage.

Vorsitzender Malik Waseem verständigte umgehend die Polizei, die nun den Sachverhalt auf mögliche Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten prüft. "Der Staatsschutz der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta ist bereits involviert und steht mit Verantwortlichen der betroffenen Moschee im Kontakt", erklärte Pressesprecherin Nadine Luttmann am Montag. Zu möglichen Hintergründen und Motiven könne sie derzeit keine Auskünfte geben.

Skandalös: Bislang unbekannte Täter haben in der Nacht zum Sonntag ein totes Ferkel auf dem Parkplatz der Moschee abgelegt. Foto: KhanSkandalös: Bislang unbekannte Täter haben in der Nacht zum Sonntag ein totes Ferkel auf dem Parkplatz der Moschee abgelegt. Foto: Khan

Hilfreich könnte die Videoüberwachung der Moschee sein. Nach Informationen von OM online soll auf den Aufnahmen ein Radfahrer zu sehen sein, der am Samstag gegen 23.10 Uhr an dem abgesperrten Gelände anhielt und das Ferkel über den Zaun warf. Weitere Hinweise auf den Täter könnte eine Ohrmarke des Tieres liefern. Die Polizei wollte sich dazu nicht näher äußern: "Derzeit stehen die Ermittlungen noch ganz am Anfang. Daher können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus ermittlungstaktischen Gründen solche Details nicht kommentieren", erklärte Luttmann auf Nachfrage.

"Es ist sehr traurig, dass in unserer Gesellschaft so etwas passiert", erklärte Imam Syed Salman Shah, der seit fast 5 Jahren in der Region tätig ist und einen solchen Vorfall in Vechta noch nicht erlebt hat. Der Angriff auf die Moschee sei die Weiterführung antimuslimischer Straftaten, die sich bereits in den vergangenen Jahren in Deutschland gehäuft hätten und deren Anzahl in den vergangenen Jahren gestiegen sei.

"Leider sieht man in der Gesellschaft, dass das Bewusstsein für solche Vorfälle nicht so hoch ist wie bei anderen fremdenfeindlichen Attacken", so der Imam weiter. Die Gemeinde werde aufgrund der Tat keine Angst bekommen. Sie werde weiterhin die barmherzige Lehre des Islam verkörpern, kein Groll und Hass in den Herzen der Menschen aufkommen lassen und auch künftig ihr Motto aufleben lassen. Es heißt: "Liebe für alle, Hass für keinen".

"Ich bin entsetzt über diese kleingeistige und abscheuliche Tat."Vechtas Bürgermeister Kristian Kater

Für den Imam ist es wichtig, die wahre Botschaft des Islam zu verbreiten, gefüllt mit Liebe und Frieden. Vor diesem Hintergrund hätte er sich gewünscht, dass der unbekannte Täter in Vechta das Gespräch mit der Gemeinde gesucht hätte. "Wenn jemand Ängste oder Vorbehalte gegenüber Muslimen hat, soll er zu uns kommen. Wir können darüber reden und versuchen, mögliche Probleme zu beseitigen", betont Syed Salman Shah.

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) hat der Gemeinde bereits sein Mitgefühl ausgesprochen: "Ich bin entsetzt über diese kleingeistige und abscheuliche Tat. Hier wird eine Religionsgemeinschaft beleidigt und angegriffen, die in den vergangenen Jahren immer wieder zu einem friedlichen Miteinander in unserer Stadt beigetragen hat. Die Ahmadiyya-Muslime sind Teil unserer Vechtaer Gesellschaft. Politisch oder religiös motivierte Irrläufer gehören hingegen nicht dazu."

Für die Vechtaer seien Religionsfreiheit, Weltoffenheit und Solidarität Selbstverständlichkeiten. Die Bürger würden diese Werte leben und verteidigen und hätten dies unter anderem auf friedlichen Demonstrationen immer wieder deutlich gemacht, so der Bürgermeister weiter. Er sicherte der Gemeinde die volle Unterstützung und Solidarität der Stadt zu und betonte: "Wir Vechtaerinnen und Vechtaer halten alle zusammen."

Ähnlicher Vorfall wie in Leipzig

Die Ahmadiyya-Gemeinde, die weltweit in mehr als 200 Ländern vertreten ist, musste bereits vor einigen Jahren einen ähnlichen Vorfall wie in Vechta hinnehmen. Im Februar 2016 hatten Unbekannte auf dem Baugelände der Moschee in Leipzig ein totes Schwein abgelegt. Bereits 3 Jahre zuvor, nach dem Bekanntwerden der Baupläne für das islamische Gotteshaus, waren blutige Schweineköpfe auf Pfählen aufgespießt und Mülltonnen angezündet worden.

Erfurter demonstrieren während der Grundsteinlegung für eine neue Moschee mit einem Plakat mit der Aufschrift Ich bin gesandt worden, um das Kreuz zu brechen, das Schwein zu vernichten. Foto: dpaSchuttErfurter demonstrieren während der Grundsteinlegung für eine neue Moschee mit einem Plakat mit der Aufschrift "Ich bin gesandt worden, um das Kreuz zu brechen, das Schwein zu vernichten." Foto: dpa/Schutt

In Deutschland kommt es nahezu täglich zu Übergriffen auf Muslime oder Moscheen, darunter Volksverhetzungen, Beschimpfungen, Sachbeschädigungen und Störungen der Religionsausübung. Allein im Jahr 2019 wurden laut Polizeistatistik insgesamt 950 Straftaten mit islamfeindlichem Hintergrund erfasst. Dies entspricht einem Anstieg um 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei kamen etwa 9 von 10 Taten aus dem rechten Spektrum.

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