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Straßenschilder in Blindenschrift: Stadt sieht zu großen Aufwand

Der Nutzen der Schilder für sehbehinderte Menschen sei zudem zu gering. Besondere Schilder für teilerblindete Menschen stießen im Verkehrsausschuss hingegen auf Zustimmung.

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Können Orientierung bieten: Die Buchstaben auf den Aluschildern treten hervor, sodass sehbehinderte Menschen sie ertasten können.  Foto: dpa

Können Orientierung bieten: Die Buchstaben auf den Aluschildern treten hervor, sodass sehbehinderte Menschen sie ertasten können.  Foto: dpa

Sollte die Stadt umfassend barrierefreie Straßenschilder für Erblindete im Stadtgebiet einführen? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses. Wie der Bauamtsleiter der Stadt, Armin Nöh, erklärte, wäre das Aufstellen von Schildern mit Braille-Schrift mit erheblichem Aufwand verbunden. Im Vorfeld hatte sich die Stadt mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e. V. zu dem Thema ausgetauscht.

Wichtig sei, so Nöh, zwischen voll- und teilerblindeten Menschen zu unterscheiden. Zu den Möglichkeiten, die Straßen für vollerblindete Menschen barrierefreier zu gestalten, gehören Straßenschilder mit Braille-Schrift (Blindenschrift). Die Verwaltung teilt dazu mit, dass die erwähnten Schilder nur in Verbindung eines Bodenleitsystems sinnvoll seien, wie man es zum Beispiel an Bahnsteigen findet. Nur so könne ein sehbehinderter Mensch zu den Straßenschildern geführt werden, um die Braille-Schrift ertasten zu können. "Straßenschilder in Braille-Schrift wären an ausgewählten Standorten gegebenenfalls ein zusätzliches Angebot, wenn an allen anderen sicherheitsrelevanteren Stellen, wie zum Beispiel an Verkehrsknotenpunkten, durch Bodenindikatoren im öffentlichen Raum die Sicherheit und Teilhabechancen für Blinde gewährleistet wären", heißt es vonseiten der Verwaltung.

Nur 10 Prozent der Blinden können Braille-Schrift lesen

Zudem könnten höchstens 10 Prozent der etwa 200.000 erblindeten Menschen in Deutschland die Braille-Schrift lesen, habe der Sehbehindertenverband der Stadt mitgeteilt. Weiter heißt es, Straßenschilder stünden aufgrund des einzuhaltenden Sicherheitsabstands zu den Straßen oft im Grünen, sodass der Zugang für sehbehinderte Menschen erschwert wäre. Tatsächlich nutzten erblindete Menschen heutzutage eher digitale Hilfsmittel, um sich zurechtzufinden, sodass die Stadt keinen Bedarf sieht, Straßenschilder mit Braille-Schrift im Stadtgebiet aufzustellen. Die Ausschussmitglieder folgten den Argumenten der Verwaltung und schlossen sich dieser Meinung an.

Mit Blick auf teilerblindete Menschen (mit weniger als 30 Prozent Sehvermögen), von denen es deutschlandweit etwa 4,5 Millionen gebe, könnten besondere Schilder mit weißer Schrift auf blauem Grund hilfreich sein, "wenn diese Pfosten frei auf der Nebenanlage stehen und der sehbeeinträchtigte Mensch hier bis auf wenige Zentimeter herangehen kann, um die Schrift zu lesen". Allerdings seien auch diese Schilder nur sinnvoll, wenn der Betroffene sich vor Ort auskenne und den Straßennamen zuordnen könne. Wiederum verweist die Verwaltung darauf, dass digitale Hilfsmittel sinnvoller seien.

Letztlich stünde das Aufstellen der beiden Schildertypen aufgrund der mittlerweile vorhandenen Alternativen in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Einzelfallprüfung oder Grundsatzentscheidung?

Jan Oskar Höffmann (SPD) erklärte dagegen, er hielte eine Zusatzbeschilderung für teilerblindete Menschen für sehr sinnvoll, da diese davon sofort profitierten. Zudem seien die Kosten gering. Die SPD-Linke-Gruppe schlug daher vor, grundsätzlich bei jedem neu aufgestellten Straßenschild im Stadtgebiet die Zusatzbeschilderung für teilerblindete Menschen zu integrieren. Michael Jäger (Grüne) unterstützte den Vorschlag der SPD-Linke-Gruppe und zeigte sich erfreut darüber, dass die Sensibilität für beeinträchtigte Menschen in der Ortspolitik gestiegen sei. Jörg Abromeit (FDP) plädierte dafür, jeweils im Einzelfall zu entscheiden, ob die Stadt entsprechende Schilder anbringen soll.

Der Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung, Guido Röding, sagte, jeder kleine Schritt, die Barrierefreiheit in Cloppenburg voranzubringen, sei sehr wertvoll. Er wies auch darauf hin, dass nicht jeder mit digitalen Medien vertraut sei und auch die älteren Menschen mitgenommen werden müssten. Bauamtsleiter Armin Nöh entgegnete, dass es mittlerweile sehr gute "Mobilitätstrainings" für Menschen gebe, die sich mit digitalen Medien nicht gut auskennen.

Der Ausschuss einigte sich letztlich darauf, noch keinen Beschluss zu fassen und das Thema stattdessen weiter zu beraten.

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