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Still und leise: Bürgerstiftung organisiert warme Mahlzeit für Obdachlose

Ein Cloppenburger, der anonym bleiben will, hat 5.000 Euro für diesen Zweck gespendet. Das reicht etwa für ein Jahr. Der Vorstand der Bürgerstiftung würde den Einsatz gern verlängern und ausweiten.

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Kontrast zu früheren, öffentlichkeitswirksamen Aktionen: Mindestens bis zum Ende des Jahres soll es dank eines Spenders in der Cloppenburger Obdachlosenunterkunft warme Mahlzeiten für Obdachlose geben. Die Ausgabe läuft im Stillen. Symbolfoto: dpa/Jensen

Kontrast zu früheren, öffentlichkeitswirksamen Aktionen: Mindestens bis zum Ende des Jahres soll es dank eines Spenders in der Cloppenburger Obdachlosenunterkunft warme Mahlzeiten für Obdachlose geben. Die Ausgabe läuft im Stillen. Symbolfoto: dpa/Jensen

Ganz Cloppenburg wirkte unter der "Corona-Glocke" wie erstarrt. Doch im Stillen wuchs die Hilfsbereitschaft.  Mitten im Lockdown hat die Bürgerstiftung dank eines anonymen Spenders begonnen, wohnungslosen Menschen eine warme Mahlzeit zu servieren. Seit Mai beköstigt Küchenchef Bernd Höne mit seinem Team aus Schäfers Bistro jede Woche 2 Mal 10 bis 15 Menschen in der städtischen Obdachlosen-Unterkunft an der Sevelter Straße.

Die Idee und 5.000 Euro spendierte der unbekannte Cloppenburger. "Das Geld reicht etwa bis zum Mai nächsten Jahres", schätzt Tobias Vaske, der Finanz-Experte der Bürgerstiftung Cloppenburg.  Der Vorsitzende Alexander Rolfes ist heilfroh über die gute Anregung, denn: "Der Bedarf ist da. Nur bislang hatte keiner daran gedacht." Solche "blinden Flecken" der sozialen und gesellschaftlichen Not in Cloppenburg aufzuspüren und anzupacken – das ist der Kurs, den sich Rolfes für die Zukunft der Stiftung vorstellt. "Wir brauchen solche Impulse", unterstreicht er, damit niemand in einer Notlage "vergessen" werde.

Hörspiel-Box schafft Nähe für isolierte Senioren 

Jeder kann dabei mithelfen, mit Vorschlägen oder kleinen Summen. "Wir sind kein elitärer Club oder ein Verein für Reiche", betont der Vorsitzende. Das belegt ein 2. Musterbeispiel aus dem Lockdown: Als alte Menschen in den Pflegeheimen unter der strengen  Isolation litten, setzte Elisabeth Terwelp, die "Projektfinderin", ein Kinderspielzeug ein, das eine Verbindung zur den Angehörigen schaffte. Enkel und Kinder besprachen eine sogenannte "Tonie-Box", einen leicht bedienbaren Hörspiel-Würfel, mit ihren Grüßen, sangen Lieder oder lasen ihrer Oma eine Geschichte vor. Mit einem Knopfdruck hörten die  Beschenkten im Heim die Stimme, so oft sie mochten.

"Das war eine tolle und leicht umsetzbare Idee", unterstreicht  Tobias Vaske. Und sie ist bezahlbar: 80 Euro kostet ein Set. Für das Pilotprojekt mit dem Altenheim St. Pius kaufte die Bürgerstiftung zunächst 8 Geräte aus Spendenmitteln. "Da helfen auch kleine Beträge", sagt der Finanzchef. Die größte Aktion des vergangenen Jahres hat inzwischen ein landesweites Echo ausgelöst: die Rikscha-Fahrten für alte und/oder gehbehinderte Menschen. Auf Vorschlag von Ideengeber Gregor Möller-Reents übernahm die Stiftung den Löwenanteil der Kosten für die elektrounterstützten Dreiräder mit Doppelsitzbank.

Niedrige Zinsen: Stiftung ist auf Spenden angewiesen

Die Rikschas lösten einen Spenden-Boom aus: 38.000 Euro flossen der Bürgerstiftung 2020 aus Zuwendungen und Zinsgewinnen zu. Im Vorjahr waren es lediglich 25.000 Euro. Wegen der niedrigen Guthaben-Zinsen auf das Stiftungskapital stammt der Großteil der Einnahmen von Gönnern,  Vereinen und sozial engagierten Firmen.

"Dieses Netzwerk ist wichtig für uns", sagt Rolfes, "weil wir so Interesse für unsere Projekte schaffen und neue Ideengeber finden". Aus dem selben Grund überlegt der Vorstand, 2022 wieder eine öffentliche Großveranstaltung zu organisieren, wenn die Hygieneauflagen das zulassen. Unvergessen ist vor allem das große Bürgercafé im Stadtpark, das die ehemalige Vorsitzende Andrea Rausch maßgeblich mitorganisierte. Inzwischen hat sich die junge Mutter aus familiären Gründen in die "zweite Reihe" zurückgezogen, arbeitet aber wie Irene Wernsing als Beisitzerin im Team weiter mit. Für Rauschs Aufbauarbeit bedankte sich Rolfes ausdrücklich.

Wenn die Spenden weiter fließen, will der Vorstand die Kochaktion für obdachlose Menschen fortsetzen und vielleicht sogar auf Kinder ausdehnen, die nicht immer zu Hause ein warmes Essen erwarten dürfen. Für neue Vorschläge ist Rolfes offen: "Wir reagieren rasch", verspricht er.


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