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Spürbarer Rückgang: Kirchen klagen über weniger Besucher

Missbrauchsskandal, Corona und die Energiekrise führen dazu, dass immer mehr Gläubige den Kirchen fernbleiben. Zudem werden in vielen Gotteshäusern die Heizungen heruntergeregelt.

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Die warme Stube der Gemeinde: Die St.-Andreas-Kirche wird als einziges katholisches Gotteshaus in Cloppenburg durchgehend beheizt.  Foto: Dickerhoff

Die warme Stube der Gemeinde: Die St.-Andreas-Kirche wird als einziges katholisches Gotteshaus in Cloppenburg durchgehend beheizt.  Foto: Dickerhoff

Die Kirchenbesucher in Cloppenburg müssen sich in der kommenden Heizperiode auf kalte Kirchen einstellen. Grund dafür ist die Energiekrise, die auch die Kirchengemeinden in Cloppenburg erreicht hat. Um Energie zu sparen, sollen, mit Ausnahme der St.-Andreas-Kirche, die Heizungen in der Marienkapelle sowie in den Kirchen St. Josef, St. Augustinus und St. Bernhard auf 8 Grad Celsius heruntergeregelt werden. Nur während der Weihnachtsgottesdienste werden alle Kirchen geheizt werden. Stephan Christ vom Pfarreirat erläuterte die vom Kirchenausschuss und Pfarreirat gemeinsam beschlossenen Maßnahmen auf der Pfarrversammlung von St. Andreas (OM-Online berichtete bereits).

Zahl der Kirchenbesucher sinkt

Deutlich spürbar ist der Rückgang der Kirchenbesucher. Dechant Strickmann sprach von drei Brandbeschleunigern und nannte als Ursache die Missbrauchsskandale in der Katholischen Kirchen, die Corona-Krise als auch die Energiekrise. Die Zahl der Kirchenbesucher sank von 6 auf 4,5 Prozent aller katholischen Gläubigen im pastoralen Raum Cloppenburg. Um Gefahren für die Kirchenbesucher von St. Josef wegen abgeplatzter Betonstücke aus der gegossenen Wabenstruktur abzuwenden, wurde das Gotteshaus eingerüstet. Auf der Suche nach Möglichkeiten der Reparatur ist man bislang noch nicht zum Ende gekommen. „Wir sind noch in der Findungsphase und noch lange nicht auf der Ziellinie. Aber eines wissen wir schon jetzt: Es wird sehr teuer“, berichtete Monika Deeken, Mitglied des Bauausschusses der Kirchengemeinde.

Abnutzungsspuren zeigen laut Dr. Ludger Heuer die Räumlichkeiten des Pfarrheims von St. Augustinus. Er sprach angesichts des Eingangsbereichs, des Pfarrsaals und der darin aufgehängten Bilder vom „Mief und Muff der 70er Jahre“. Generell sollten hier Überlegungen angestellt werden, wie die Räumlichkeiten mit ein wenig Kreativität und Farbe heller und freundlicher gestaltet werden können. Auch sollten sich die Verantwortlichen auf Wunsch einer Besucherin Gedanken über die stark in Mitleidenschaft geratene Küche machen.

Auf die Frage, wie die personelle Situation der Priester sei, sprach Dechant Strickmann davon, dass davon auszugehen sei, dass zukünftig nur noch ein bis zwei hauptamtliche Geistliche den pastoralen Raum Cloppenburg abdecken werden. „Es fehlt an Nachwuchs“, betonte Strickmann. Für durchaus machbar halte er Wortgottesfeiern, die von Pastoralreferenten oder Diakonen gehalten werden. „Das ist Kirche – einfach machen“, zitierte er Papst Franziskus.

Erläuterung: Stephan Christ stellt den Maßnahmenkatalog zur Energieeinsparung in den Kirchen vor. Foto: HeidkampErläuterung: Stephan Christ stellt den Maßnahmenkatalog zur Energieeinsparung in den Kirchen vor. Foto: Heidkamp

Große Enttäuschung machte sich bereits zu Beginn der Pfarrversammlung bei den rund 100 Mitgliedern der katholischen Kirchengemeinde Cloppenburg breit: Der angekündigte Vortrag des Chef-Archäologen Dr. Gösta Ditmar-Trauth über die Ausgrabungen an der St.-Andreas-Kirche musste ausfallen. Schuld daran soll ein Fahrradunfall des Referenten gewesen sein.

„Aber ganz ehrlich, wenn ich als Firma Denkmal 3D einen Auftrag für den heutigen Abend annehme und ich kann nicht, dann muss ich einen Ersatz schicken. Das hätte ich angesichts der 200.000 Euro, die die Firma 3D für die archäologischen Grabungen erhalten hat, einfach erwartet“, reagierte Dechant Bernd Strickmann sichtlich verärgert über die Art und Weise. Er hofft, dass der Vortrag zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden kann.

Bei den Grabungen wurden viele Skelette, einzelne Knochen und Alltagsgegenstände ausgegraben. Diese sollen in Oldenburg wissenschaftlich untersucht werden. Nach Abschluss der Untersuchungen ist geplant, die Gebeine auf dem St.-Andreas-Friedhof würdevoll beizusetzen.

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