Sport für Menschen mit Behinderung? Wie das geht, zeigt "Dinklusiv"
Egal ob Handicap oder nicht: Das Dinklager Projekt bietet Videos an, um Teilnehmer inklusiver Sportgruppen auch im Lockdown nicht alleine zu lassen.
Dr. Philipp Ebert | 23.02.2021
Egal ob Handicap oder nicht: Das Dinklager Projekt bietet Videos an, um Teilnehmer inklusiver Sportgruppen auch im Lockdown nicht alleine zu lassen.
Dr. Philipp Ebert | 23.02.2021

Wenn Philipp Heseding nicht zum Sport gehen kann, kommt der Sport halt zu ihm: Er ist einer derjenigen, die die Videoangebote von "Dinklusiv" gerne annehmen. Seine Schwester Hannah macht einfach mit. Foto: privat
Sind das etwa echte Haare, die da auf dem zotteligen Kopf von Thomas Pauly zu sehen sind? Nein, es ist eine Perücke. Die gehört zur Staffage der wöchentlichen Sportvideos, die das Dinklager Inklusionsprojekt "Dinklusiv" seit Anfang des Jahres auf seiner Homepage veröffentlicht. "#kickzuhause" ist dabei eine von 4 Videoreihen, die wöchentlich fortgeschrieben werden. Der Zweck: Den Kontakt zu halten zu den Teilnehmern der inklusiven Sportgruppen, die Dinklusiv gemeinsam mit dem TV Dinklage aufgebaut hat. Bei "#kickzuhause" erhalten die Teilnehmer wöchentlich eine PDF-Datei. Darin sind Übungen für das heimische Workout erklärt –inklusive verschiedener Schwierigkeitsgrade. Vom Balljonglieren über Wandpassen bis zum Zielschießen sind allerhand fußball- und fitnessbezogene Übungen aufgeführt. Daneben gibt es wöchentlich ein Fußballquiz sowie eine "Familienchallenge", also eine Aufgabe für den ganzen Haushalt. Der Clou: Die Antworten zum Quiz werden stets in der folgenden Woche in dem Video bekannt gegeben, das ebenfalls in der PDF-Datei verlinkt ist. Dieses ist liebevoll gestaltet: Psychologe Thomas Pauly – mit Perücke – und Projektleiter Heinz Fischer sitzen in einem mit TVD-Fahne und -Trikot geschmückten "Studio", ein paar Bälle stehen neben dem Sofa. Die beiden scherzen ein wenig und werden ansonsten einige Worte an die Teilnehmer los. Ein anderes Angebot ist "Tanz Zuhause bei den Moving Steps". Die Moving Steps sind eine inklusive Tanzgruppe des TVD-Kindersportclubs. Übungsleiterin Kerstin Koldehoff hat ebenso einige kurze Videos erstellt, in denen sie Bewegungsübungen und Tanzschritte vorstellt und – mit Musik unterlegt – vortanzt. Weil die Jungs und Mädchen, die hier sonst mittanzen, manche Bewegungen von bestimmten Teilnehmern kennen, heißt es auch mal: "Jetzt den Camilla-Move." In manchen Videos tritt neben Koldehoff auch Heinz Fischer als Rollstuhl-Tänzer auf, damit auch Kinder und Jugendliche, die im Rollstuhl sitzen, die Bewegungen vorgemacht bekommen. Und wie wird das Angebot angenommen? Gut, sagt Koldehoff. Sie hat sogar die Hoffnung, dass mehr Teilnehmer als früher zu den Tanzstunden kommen, wenn diese wieder in Präsenz stattfinden können. Im Rahmen virtueller Sportstunden, die der Landessportbund Niedersachsen zwischen dem 22. und dem 26. März anbietet, wird auch die Gruppe "Moving Steps" eine Übungseinheit live in andere Einrichtungen der Behindertenhilfe streamen. Neben Tanz und Fußball gibt es auch das "Inklusive Kinderturnen" in einer Onlineversion. Die Übungsleiter Anna-Lena Willen, Lena Thien und Björn Kaiser haben bisher 2 Videos erstellt, in denen sie Bewegungs- und Turneinheiten für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren vorstellen. Das 4. Angebot ist mit "Sport Mix – Sport im Sitzen" überschrieben. Hier geht es schwerpunktmäßig vor allem um Leibesübungen für jene, deren Mobilität eingeschränkt ist. Anders, als es der Name vermuten lässt, wird dabei aber nicht ausschließlich gesessen. Auch wer die Hüften bewegen und stehen kann, bekommt hier Bewegungen von Yvonne Germann vorgeschlagen. Die von Hannes Kollmeyer produzierten Videos und die Dateien wurden zunächst etwa seit Anfang des Jahres an die Teilnehmer der jeweiligen Angebote verschickt sowie über eine interne Plattform auch anderen Mitarbeitern des Kardinal-von-Galen-Hauses zur Verfügung gestellt. Zusätzlich werden die Angebote über die Social-Media-Kanäle ausgespielt und neuerdings auch auf der Homepage von Dinklusiv veröffentlicht. Projektleiter Fischer hofft, so nicht nur den Kontakt "zu unseren Leuten" halten zu können – sondern auch über das Stammpublikum hinaus für die Angebote zu werben und Menschen mit Beeinträchtigungen während der Pandemie Angebote für Bewegung zu machen. Ein Jugendlicher, der von den Angeboten enorm profitiert, ist Philipp Heseding aus Dinklage. So berichtet es seine Mutter Ulrike. Der 15-Jährige, der mit dem Down-Syndrom geboren wurde, ist Mitglied der Dinklusiv-Fußballtruppe. Weil er aber besonders durch das Coronavirus gefährdet ist, befinde er sich nach Angaben seiner Mutter mehr oder minder seit fast einem Jahr in häuslicher Isolation. "Er hält sich tapfer", sagt sie über ihren Sohn, aber auch an ihm gehe die Pandemie nicht spurlos vorüber. Philipp vermisse "Freunde, Sport und Abwechslung". Umso mehr freut sich die ganze Familie über die Sportangebote. Die Übungen werden gemeinsam gemacht – und auch über die persönliche Ansprache der Teilnehmer in den Videos freuen sie sich: Philipp hat schon ein Lob seiner Trainer bekommen. Auch für die Familien gibt es etwas zu tun
Mit den Videos soll der Kontakt zu den Leuten gehalten werden
Danke, OM für 10.000 Digital-Abos! Lesen Sie jetzt OM-Plus ein Jahr lang für nur 8,99€ / Monat und sparen Sie so bis zu 40%. Hier geht es zum Angebot.