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So will BW Lohne sein Stadion umbauen und erweitern

Das ambitionierte Vorhaben soll in vier Bauabschnitten erfolgen. Der Turn- und Sportverein rechnet mit Kosten von bis zu zwölf Millionen Euro. Die Politik befasst sich am Dienstag mit dem Thema.

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Die Sportstätte soll wachsen: Blau-Weiß Lohne will sein Stadion umbauen und erweitern. Archivfoto: Timphaus

Die Sportstätte soll wachsen: Blau-Weiß Lohne will sein Stadion umbauen und erweitern. Archivfoto: Timphaus

Nach der nicht ganz reibungslos verlaufenen konstituierenden Sitzung nimmt die Lohner Politik ihre Arbeit auf. Am Dienstag (23. November) steht im Ausschuss für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung gleich ein "Hammerthema" auf der Agenda. Die Mitglieder des Fachgremiums beraten über das Vorhaben des Turn- und Sportvereins Blau-Weiß Lohne (BWL), das Heinz-Dettmer-Stadion an der Steinfelder Straße umzubauen und zu erweitern.

OM-Medien hat im Vorfeld der Sitzung mit Präsident Christian Tölke und Geschäftsführer Torsten Jehle gesprochen. Sie geben einen Überblick über das ambitionierte Projekt, welches mehrere Bauabschnitte umfasst und – sofern die Politik grünes Licht gibt – bis 2025/26 abgeschlossen werden könnte.

Die Ausgangssituation: Drei Abteilungen nutzen momentan das Heinz-Dettmer-Stadion: die Fußballer, die Leichtathleten und die American Footballer. Sie verteilen sich auf drei Rasenplätze, anderthalb Kunstrasenplätze und eine Leichtathletikanlage. Jehle sagt: „Die Plätze drei und vier sind eigentlich eine abgeschobene Wiese.“ Zusätzlich nutzt der Verein noch Kapazitäten am Gymnasium und Adenauerring. Die Tartanbahn (Baujahr 1989) ist auch von den Schulen in Gebrauch. Der Eingangsbereich und die Gastronomie stammen von 1965/66, vor 23 Jahren erfolgte zudem ein Anbau. Die Tribüne mit Platz für circa 600 Zuschauer hat der Verein 1983/84 errichtet. Den Sportlern stehen im Stadion und über der Tennishalle zwölf Kabinen zur Verfügung. Der Neubau beziehungsweise die Renovierung erfolgte 2013. Pro Jahr nutzen im Schnitt 150.000 bis 160.000 Gäste und Sportler das Heinz-Dettmer-Stadion.

Verein schiebt Sanierungsstau vor sich her

Die Probleme: Die Fußballplätze sind aufgrund der vielen Trainingseinheiten und Spiele immens belastet. Es gibt keine Ruhezeiten für die Regeneration. Die hohe Auslastung führt immer wieder zu Konflikten, vor allem bei Platzsperrungen. „Dann müssen wir entscheiden, wer die Spielfelder nutzen darf“, sagt Tölke. Die Folge ist Frust bei Trainern, Betreuern und Sportlern. Der BWL-Präsident merkt an, dass sich Teams, die zum Gymnasium oder Adenauerring „ausgelagert“ werden müssten, sich nicht zugehörig fühlen. Aufgrund der prekären Lage werfen immer wieder Ehrenamtliche das Handtuch, Mannschaften müssen daraufhin abgemeldet werden.

Der Turn- und Sportverein schiebt aus den vergangenen Jahrzehnten einen Sanierungsstau vor sich her. Teile der Infrastruktur sind deutlich in die Jahre gekommen. Die Tartanbahn ist mehr als 30 Jahre alt, hart und brüchig. Die Gebäude im Eingangsbereich mit der früheren Gastronomie sind nach Darstellung der Verantwortlichen nicht mehr nutzbar. Die Decke des Kunstrasenplatzes zwei ist defekt – deutlich früher als vom Hersteller prognostiziert. Bei den Plätzen drei und vier fehlt eine Drainage.

Die Plätze drei und vier sollen neu angelegt werden

Die Historie der Planungen: Die Mitgliedszahlen und die Anzahl der Mannschaften sind in den vergangenen Jahren in der Fußballabteilung stetig gestiegen. Die Platzkapazitäten haben sich jedoch nicht verändert. Seit 2014, dem Jahr, in dem Tölke zum Präsidenten gewählt wurde, haben die Blau-Weißen verschiedene Anläufe unternommen, um die Situation zu verbessern. Sie ließen sich allesamt aus verschiedenen Gründen nicht realisieren. Mal war der Bau eines neuen Fußballplatzes im Wald östlich von Platz drei nicht möglich, dann zog BWL auf öffentlichen Druck seinen Vorschlag zurück, zwei neue Plätze im Wald oberhalb des Schützenplatzes zu bauen. Eine Verlegung des Tennisvereins und die Auslagerung der Turn- und Sportvereins auf ein Areal westlich der Steinfelder Straße wurden ebenso diskutiert wie der Neubau von zwei Plätzen samt Umkleidegebäude westlich der Steinfelder Straße. Alle Versuche blieben erfolglos. Die „letzte Möglichkeit“, wie die Verantwortlichen sagen, ist eine Erweiterung der Kapazitäten im Heinz-Dettmer-Stadion.

Das Vorhaben: Die Landschaftsarchitekten von Kilian + Kollegen aus Oldenburg haben – in enger Absprache mit dem Turn- und Sportverein und der Stadt – einen Vorentwurf für den Umbau und die Erweiterung erstellt. BW Lohne will den Platz drei neu anlegen – als Naturrasen mit einer Größe von 99 mal 60 Metern. Platz vier soll in einen Kunstrasenplatz (99 mal 64 Meter) umgewandelt werden. Dazu müsste die dortige Böschung zum Teil zurückgebaut und angepasst werden. Den Belag des Kunstrasenplatzes zwei tauscht der Turn- und Sportverein aus. Nördlich dieses Platzes soll eine Soccer-Arena errichtet werden.

Um mehr Platz im Stadion zu erhalten, soll die Laufbahn entfernt und zum Gymnasium verlegt werden. Gespräche mit dem Landkreis als Grundstückseigentümer laufen. Die Anlage soll – so heißt es seitens des Vereins – entsprechend den Anforderungen der Abteilung und des Gymnasiums wettkampfgerecht komplett neu aufgebaut werden. Tölke betont, dass die Leichtathleten jederzeit in die Planungen eingebunden wurden. „Wir können etwas Neues und Gutes am Gymnasium schaffen“, sagt der Präsident.

Herzstück soll ein Neubau mit Tribüne und mehr werden

Dort, wo sich momentan der Hauptplatz befindet, sollen perspektivisch zwei Naturrasenplätze (1a und 1b) entstehen. Dies erfolgt in mehreren Schritten: Der bisherige Platz eins (1a; Maße: 105 mal 68 Meter) wird in südöstliche Richtung entlang der Stehtribüne verschoben. So entsteht im nordwestlichen Bereich ausreichend Raum, um einen weiteren Platz (1b; Maße: 93 mal 62 Meter) anzulegen.

Die Stehtribüne zwischen den Plätzen soll erhalten bleiben. Im Bereich des künftigen Platzes 1a soll sie – gemäß der Höhensituation vor Ort – um sechs Reihen erweitert werden. Im Bereich des Platzes 1b sollen drei neue Reihen angelegt werden. Zwischen den neuen Plätzen 1a und 1b ist der Zuschauerbereich für die Gastmannschaften vorgesehen. „Durch die Anlegung eines neuen Platzes und die bessere Bespielbarkeit der Plätze drei und vier erhöhen wir die Kapazitäten rechnerisch um zwei Plätze“, erläutert Jehle.

„Wir möchten einen neuen Mittelpunkt für das Vereinsleben schaffen.“BWL-Geschäftsführer Torsten Jehle

Das Herzstück des Stadions soll mittelfristig der Neubau der Tribüne inklusive eines Multifunktionsgebäudes werden. Das neue Bauwerk soll Platz für 940 Zuschauer bieten und über vier zusätzliche Kabinen verfügen. Die BWL-Geschäftsstelle soll dort einziehen, ebenso ist ein Raum für den Reha- und Gesundheitssport vorgesehen. Weiter plant der Verein mit Versammlungs- und Besprechungsräumen, WC-Anlagen und einer Gastronomie. "Wir möchten einen neuen Mittelpunkt für das Vereinsleben schaffen", gibt Geschäftsführer Jehle zu Protokoll.

Der Zeitplan und die Kosten: Der Umbau und die Erweiterung sollen in vier Bauabschnitten ab 2022 erfolgen und könnte 2025/26 abgeschlossen sein. „Das Stadion kann sich nur Stück für Stück wandeln“, weiß Tölke. Er betont, dass die sportlichen Ambitionen – BWL will sich perspektivisch in der Regionalliga etablieren – zwar in den Planungen berücksichtigt wurden. „Sie sind aber definitiv nicht der Grund, warum wir uns entwickeln wollen“, sagt er und verweist nochmals auf die Historie der gescheiterten Vorschläge.

Die BWL-Verantwortlichen haben bereits viele Gespräche mit Politik und Verwaltung geführt. Diese stimmen nach Angaben von Jehle zuversichtlich, doch es gibt noch einige neuralgische Punkte. Falls alles wie vom Turn- und Sportverein gewünscht umgesetzt werden sollte, würde sich eine Investitionssumme von knapp zwölf Millionen Euro ergeben. Die Planungskosten soll die Stadt zu 100 Prozent übernehmen, für die einzelnen Bauabschnitte will BWL jeweils eine 75-prozentige Förderung gemäß der Sportförderrichtlinien beantragen.

BWL hat bereits Gelder generiert

Tölke und Jehle ist es wichtig, transparent über das Großprojekt zu sprechen. „Wir haben jetzt einen Gesamtplan“, sagt der Präsident. Der Eigenanteil bleibt dennoch nicht unerheblich. Die BWL-Verantwortlichen geben aber an, schon jetzt durch Sponsoren 700.000 bis 800.000 Euro akquiriert zu haben und alle Fördertöpfe anzapfen zu wollen.

  • Info: Der Ausschuss für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung tagt am Dienstag (23. November). Beginn ist um 17 Uhr im Ratssaal des Rathauses. Es gilt die 3G-Regel.

Fakten

  • Der Turn- und Sportverein Blau-Weiß Lohne (BWL) zählt knapp 3500 Mitglieder (Stand September 2021).
  • 44 Prozent der Mitglieder sind unter 18 Jahre alt.
  • Zur Abteilung Fußball gehören aktuell 850 Mitglieder.
  • 54 Mannschaften von BWL nehmen am Spielbetrieb teil.
  • Es handelt sich um drei Damen-, sechs Herren- sowie 45 Jugendmannschaften.
  • Der Anteil an Mitgliedern mit Migrationshintergrund liegt bei circa 30 Prozent.
  • BW Lohne hat 120 ehrenamtliche Betreuer.
  • BW Lohne gehört nach eigenen Angaben bundesweit zu den Vereinen mit der größten Jugendabteilung.
  • Pro Woche werden durchschnittlich 100 Trainingseinheiten und 25 bis 30 Spiele durchgeführt.

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