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Sie werben für den Organspendetag

Mit einer Aktionswoche möchte die Dammer Rathaus-Apotheke auf den Organspendetag am 3. Juni hinweisen. Denn europaweit ist Deutschland Schlusslicht bei den Organspenden.

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Wollen Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema schaffen: (von links) Alexander von Handorff, Gaby kl. Trimpe, Karin Grote und Michael Hohmann. Foto: Oevermann

Wollen Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema schaffen: (von links) Alexander von Handorff, Gaby kl. Trimpe, Karin Grote und Michael Hohmann. Foto: Oevermann

Es mutet in einem hoch entwickelten Industrieland fast paradox an. In keinem anderen europäischen Land werden so wenig Organe transplantiert wie in Deutschland. Geht es nach der Rathaus-Apotheke in Damme soll dies schon bald der Vergangenheit angehören. Sie wollen anlässlich des Organspendetags (3. Juni) zu einer Trendwende aufrufen.

Seit 1983 findet jedes Jahr am ersten Samstag im Juni der Tag der Organspende in Deutschland statt. Für die Rathaus-Apotheke Anlass genug, eine Aktionswoche ins Leben zu rufen. "Das Thema ist sehr wichtig. Wir möchten, dass sich die Menschen und die Öffentlichkeit mehr damit beschäftigen", sagt Apothekerin Karin Grote. Ab Samstag, dem Aktionstag, wird dazu ein Torso-Körpermodell als Blickfang präsent in der Apotheke platziert und auf die vielen unterschiedlichen Organe im menschlichen Körper hinweisen, erklärt ihre Kollegin Gaby kl. Trimpe. Zudem werden im Verlauf der Woche Flyer ausgelegt und in der Apotheke Schokoladenherzen sowie in der Dialyse-Station Schutzengel-Schlüsselanhänger verteilt.

"Wir dürfen das Thema nicht aus den Augen verlieren", sagt Inhaber Alexander von Handorff. Sowohl aus Spender- als auch aus Empfängersicht müsse sich dringend im Vorfeld Gedanken gemacht werden, ob eine Organspende für einen selbst infrage kommt. 

Teilweise wird mehr als zehn Jahre auf ein passendes Spenderorgan gewartet

Wie wichtig eine Organspende sein kann, ist beinahe täglich nur wenige Meter von der Rathaus-Apotheke entfernt in der Dammer Dialyse-Station zu sehen. Diese wird gegenüber des St. Elisabeth-Krankenhauses vom nephrologischen Zentrum des Vechtaer St. Marienhospitals betrieben. Häufig warten die Patienten dort länger als zehn Jahre auf eine passende Niere, berichtet Michael Hohmann, Chefarzt der Nephrologie am Marienhospital.

"Das Thema ist mit der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Konflikt wieder fürchterlich in Vergessenheit geraten", meint Hohmann. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) spendeten im Jahr 2022 in Deutschland 869 Menschen nach dem Tod insgesamt 2662 Organe. Ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr als 2905 Organe von 933 Spendern entnommen werden konnten. Im Vechtaer Marienhospital werden jährlich ein bis zwei Organentnahmen von Spezialisten aus Hannover durchgeführt, das sei im Verhältnis gar noch viel, erklärt Hohmann. 

Er bedauert es sehr, dass Anfang 2020 die beabsichtigte Einführung einer Widerspruchslösung im Deutschen Bundestag abgelehnt wurde. Der Entwurf einer Abgeordnetengruppe um den damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), nach dem jeder Mensch bis auf Widerruf als Organspender gelten soll, fand keine Mehrheit. Auch der jetzige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) spricht sich für dessen Einführung aus, die in anderen Ländern Europas seine Anwendung findet.

"Viele Studien zeigen, dass in Deutschland grundsätzlich eine hohe Zustimmung für eine Organspende vorliegt", so Hohmann. Dennoch füllen viel zu wenige einen Organspendeausweis aus oder dokumentieren diese Bereitschaft. Im Alltag sei das Thema nicht präsent und in den Köpfen der Menschen zu wenig verankert – außer, wenn man selbst betroffen ist. Zudem ist es laut Hohmann immer noch ein "Tabu-Thema". "Wir als Leistungsgesellschaft müssen uns eingestehen, dass unser Leben und unsere Organe in unserem Körper endlich sind", so Hohmann.

Gesundheitssystem trägt laut Hohmann zur Situation bei

Die Gründe für die schlechten Zahlen in Deutschland seien für Hohmann aber nicht nur auf eine mangelnde dokumentierte Spendenbereitschaft zurückzuführen.

"Das ökonomische System der Krankenhäuser befindet sich im freien Fall, das Personal am Belastungslimit", wird der Chefarzt am Vechtaer Marienhospital deutlich. In der Krankenhausstruktur selbst sieht er einen entscheidenden Fehler. "In anderen Ländern wie Spanien gibt es an Krankenhäusern Hauptabteilungen für Transplantationen, sowas gibt es in Deutschland nicht." Stattdessen sei es hier nur "Beiwerk", dass "nebenbei" und häufig nachts gemacht werde, da hierfür eigentlich die Zeit fehle, so Hohmann. Für ihn ein äußerst trauriger Umstand, da eine solche Transplantation für viele Menschen einen neuen Lebensanfang darstellen kann. Umso dankbarer ist er der Dammer Rathaus-Apotheke für ihre geplante Aktionswoche.

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