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Segelschoner "Meta" erhält ein 3. Leben

Die Familie Hülper freut sich als Anteilseigner über den Verbleib des Schiffes. Der Zweimaster wird in Sizilien restauriert und soll künftig über den Atlantik fahren.

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Alles neu: Die Restaurierung des ehemaligen Segelschiffes „Meta“ im Hafen von Sizilien läuft auf Hochtouren. Foto: Kravina

Alles neu: Die Restaurierung des ehemaligen Segelschiffes „Meta“ im Hafen von Sizilien läuft auf Hochtouren. Foto: Kravina

Im Hafen von Trapani im Westen Siziliens liegt der ehemalige Toppsegelschoner „Meta“. Im Jahre 1911 lief das Schiff bei der traditionsreichen Lühring-Werft in Brake an der Unterweser unter dem Namen „Meta“ vom Stapel. Später wurde daraus der Stückguttransporter „Onice“. Jetzt will eine Gruppe von Enthusiasten aus Deutschland, Österreich und Italien unter der Regie des Italieners Oscar Kravina der maritimen Historie des einstigen Toppsegelschoners ein neues Kapitel hinzufügen. „Es wird ‚Metas‘ 3. Leben sein“, sagen die Mitglieder der Familie Hülper aus Barßel, Mareike Hülper-Gretjegerdes, Wiebke Lührmann und Burchhard Hülper. Sie sind begeistert, dass das Schiff demnächst wieder eine Handbreit Wasser unterm Kiel bekommt.

Das hat auch seinen Grund, denn die „Meta“ ist nicht nur eng mit dem Namen „Hülper“ verbunden, sondern Seeleute aus Barßel fuhren damals auf dem 27,7 Meter langen und 7 Meter breiten Schiff. Der erste Kapitän an Bord war Heinrich Deters, oder „Käpt‘n Wind“, wie ihn die Barßeler nannten. Zur Besatzung gehörte Steuermann H. Hülper und Matrose M. Hoffmann. Erster Eigner der „Meta“ war die Reederei Oltmann in Brake.

Im Jahre 1914 übernahm dann Heinrich Hülper, Bruder des Barßeler Kapitäns Theodor Hülper, nicht nur die Führung des Schiffes, sondern er wurde mit 5/33 Parten Miteigner des Segelschiffs. „Als wir jetzt erfuhren, dass es die 'Meta' noch gibt und sie in Sizilien wieder flott gemacht wird, löste das bei uns großes Interesse aus“, betonte die Familie Hülper. „Natürlich sind wir stolz, dass das Schiff unserer Familie zum Teil gehörte. Wir können das Projekt zwar nicht finanziell unterstützen, aber ideell“, sagt Mareike Hülper-Gretjegerdes.

In den 1930er-Jahren erwarb eine Reederei aus Viareggio im Nordwesten der Toskana das Schiff

Um mehr über die Geschichte des Seglers zu erfahren, fragte die Familie Hülper beim Bürger- und Heimatverein Barßel Unterlagen nach, um sie dann dem Projektleiter in Italien, Oscar Kravina, zur Verfügung zu stellen. „Wir stehen im engen Kontakt zu Oscar“, sagt Hülper-Gretgerdes. Die Anfrage fiel beim Vorsitzenden Otto Elsen und Mitarbeiterin Erika Pohlmann auf fruchtbaren Boden. Denn tatsächlich verfügt der Verein über umfangreiche Dokumente der „Meta“ mit zahlreichen Fotos und Malereien. Noch auf dem Pressetermin im Vereinsheim „Dat lütje Huus“ kam es zur Videoschalte mit dem Umweltaktivisten Kravina in Italien. Der zeigte sich sehr erfreut darüber, Vieles über die Geschichte der „Meta“ vom Stapellauf bis heute zu erfahren. Per Video konnte er sich gleich ein Bild von den Unterlagen machen.

Helfen bei der Recherche: (von links) Die Verantwortlichen des Bürger- und Heimatvereins Barßel mit Otto Elsen (Vorsitzender) Georg Hoffbuhr (Schriftführer) und Erika Pohlmann (Büroleiterin) stellen Mareike Hülper-Gretgerdes, Amelie und Anne Gretjegerdes, Burchhard Hülper sowie Felix und Wiebke Lührmann Archivmaterial der Meta“ zur Verfügung.   Foto: PassmannHelfen bei der Recherche: (von links) Die Verantwortlichen des Bürger- und Heimatvereins Barßel mit Otto Elsen (Vorsitzender) Georg Hoffbuhr (Schriftführer) und Erika Pohlmann (Büroleiterin) stellen Mareike Hülper-Gretgerdes, Amelie und Anne Gretjegerdes, Burchhard Hülper sowie Felix und Wiebke Lührmann Archivmaterial der „Meta“ zur Verfügung.   Foto: Passmann

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die „Meta“ nach Frankreich abgegeben und motorisiert. In den 1930er-Jahren erwarb eine Reederei aus Viareggio im Nordwesten der Toskana das Schiff, dort geschah 1954 die Umbenennung in „Onice“ (deutsch: Onyx). Fortan wurde sie unter wechselnden Eignern von Livorno (Italien) aus sowie im Liniendienst zwischen Sizilien und der vorgelagerten Insel Pentelleria eingesetzt.

Spätestens im kommenden Jahr soll der Segler den Hafen von Trapani verlassen

Projektleiter Oscar Kravina erklärt sein Konzept: „Immer mehr Produzenten organischer Fairtrade-Produkte suchen nach ökologisch vertretbaren Transportwegen. Wir möchten dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.“ Neben dem ökologisch nachhaltigen Warentransport sollen zehn Passagiere an Bord Platz finden, die aktiv am traditionellen Segelbetrieb teilnehmen. „Aber nicht unter dem altdeutschen Frauennamen 'Meta', sondern als 'SV Brigantes' wollen wir klimaneutral fahren“, sagt Kravina. Das Schiff solle Kaffeefahrten im allerbesten Sinne machen. Die Menge, die an Kaffee in Europa verkauft werde, sei so gigantisch, dass man sich da anteilig in eine Nische hineinbegeben könne, sagt der gelernte Bootsbauer Kravina.

Der Frachtsegler soll über den Atlantik fahren, in Costa Rica, Guatemala, Honduras, Kolumbien oder auf einer der karibischen Inseln Kaffee laden und nach Italien bringen. „Vielleicht machen wir noch eine eigene Rösterei auf – mit dem Eigennamen 'Caffè Brigantes', so der ehrgeizige Projektleiter.

Noch wird am Schiff, das nun schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat, gewerkelt. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf wird es zum neuen Leben erweckt. Doch spätestens im kommenden Jahr soll der Segler den Hafen von Trapani verlassen. Dass die Umwandlung vom ungenutzten Hafenlieger zum stolzen Großsegler gelingen kann, beweist die Geschichte des weitaus berühmteren Schwesterschiffes der „Meta“. Deren Pläne hatten 1911 als Vorlage für den Bau des Gaffelschoners „Friedrich“ gedient, der noch im selben Jahr bei Lühring vom Stapel lief. Seit 40 Jahren ist der Zweimaster unter seinem neuen Namen, „Eye of the Wind“, auf den Ozeanen der Welt unterwegs.

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