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Schulsterben in Cappeln begann in den 60er Jahren

Die Wege zu den Dorfschulen waren im 19. Jahrhundert weit und in einem schlechten Zustand. Deshalb errichteten die Menschen in den Bauerschaften eigene Schulen.

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Zweiklassig: Ab 1949 wurde in Warnstedt in zwei Räumen unterrichtet. Foto: Archiv Heimatverein

Zweiklassig: Ab 1949 wurde in Warnstedt in zwei Räumen unterrichtet. Foto: Archiv Heimatverein

Kurze Wege für kurze Beine. Was man heute als wohnortnahe Versorgung mit Kita und Grundschule überschreibt, war bis vor 60 Jahren definitiv gelebte Praxis. So gut wie jede Bauerschaft hatte auch eine Schule und selbst wenn in der Gemeinde Cappeln einige davon geschlossen wurden, sind die Gebäude noch erhalten und in Privatbesitz.

Mit der großen Schulreform in den 60er Jahren und der damit verbundenen Zentralisierung verschwanden nach und nach die kleinen Landschulen aus den Dörfern. In 150 Bauerschaften des Oldenburger Münsterlandes starben in den 70er Jahren die Landschulen. „Auch wenn sie dem heutigen hohen Bildungsanspruch hätten nie gerecht werden können, denken noch viele Ältere gerne an die ,gute alte Zeit‘ zurück, als sie Kinder waren und die Dorf- und Bauerschaftsschulen besuchten“, schreibt Werner Fangmann in der aktuellen Ausgabe des Cappelner Dörpechos.

Lehrerwohnung gehörte im 19. Jahrhundert dazu

Einige Einrichtungen sind aber geblieben. 1837 wurde der Bau einer neuen Schule auf dem heutigen Schulgelände in Elsten beschlossen. Von 1857 bis 1913 besuchten die Warnstedter Kinder die Schule in Elsten, bevor dort ein eigenes Haus gebaut wurde. 1924 wird eine dritte Schule erstellt und die alte zur Lehrerwohnung, bis sie 1959 abgerissen wird. Als Ersatz wurde vorher eine neue Lehrerwohung errichtet, die 20 Jahre später an den Schulleiter verkauft wurde. 1964 erfolgte in Elsten eine großzügige Erweiterung und 1973 werden die Grunschulen Elsten und Sevelten zusammengelegt.

Erst seit 1962 gehört Nutteln zur politischen Gemeinde Cappeln, doch eine Schule gab es dort schon seit 1883 inklusive Lehrerwohnung. Das Einzugsgebiet umfasste auch Tegelrieden und Stapelfeld. Einen Anbau gab es 1903 und als der bauliche Zustand Jahrzehnte später immer schlechter wurde, folgte 1959 der Beschluss, die Schule bei der neuen Kirche und dem Kinderheim in Stapelfeld zu bauen. 1961 wird die Schule in Nutteln aufgelöst und verkauft. Der Schule in Stapelfeld war keine lange Blütezeit beschieden, sie wurde 1975 geschlossen.

1829 wurden die Maurer in Sevelten aktiv und 1885 wurde noch einmal angebaut. Nach Aufgabe des Gebäudes als Schule wird es von der Kapellengemeinde erworben und als Kriegsgefangenenlager und nach 1923 als Wohnung des Ortsgeistlichen genutzt. Der Abriss folgt 1957. 1914 hatte man mit dem Neubau einer Schule am heutigen Standort begonnen. Mit der Umschulung der Oberstufe im Jahr 1973 nach Cappeln wird die Unterstufe zur gemeinsamen Grundschule Sevelten/Elsten.

Nutteln gehört erst seit 1962 zur politischen Gemeinde Cappeln

In Nordenbrock wurde im Jahr 1865 das alte Schulhaus aufgegeben und ein neues Gebäude in Schwichteler errichtet. Ein Lehrerwohnhaus folgt 1907 und im Oktober 1948 wird die Schule zweiklassig. 1952 kommt ein weiterer Klassenraum hinzu und 1969/79 werden die Schuljahre fünf und sechs nach Cappeln umgeschult. Schwichteler wird wieder einklassig, bevor die Auflösung zum 1. Februar 1977 erfolgt. Heute ist das Gebäude im Privatbesitz.

Auch Tenstedt hatte eine Schule, für die der Grundstein 1858 gelegt wurde. Sie wird rund 55 Jahre später zurückgebaut und nach Warnstedt verkauft, um eine neue zweiklassige Einrichtung mit Lehrerwohnung zu errichten. 1937 werden 20 Kinder aus dem Bezirk Bokel in die Tenstedter Schule aufgenommen und 1969 läutet letztmalig die Schulglocke und das Haus wird verkauft. Schon drei Jahre zuvor waren die Oberstufenkinder nach Cappeln umgeschult worden.

1961 aufgelöst: die Schule in Nutteln. Die Kinder gingen danach für ein paar Jahre nach Stapelfeld.1961 aufgelöst: die Schule in Nutteln. Die Kinder gingen danach für ein paar Jahre nach Stapelfeld.

Seit 1857 besuchten die Warnstedter Kinder die Volksschule in Elsten. Im Jahr 1913 gab es dann eine einklassige Schule mit Lehrerwohnung vor Ort. 1949 wird sie zweiklassig und 1951 wird das Objekt erweitert. 1954 kehrte man zur Einklassigkeit zurück. Die Warnstedter Schule wird 1970 aufgelöst.

Lesen und schreiben hatten die Kinder auch vor dem 19. Jahrhundert schon gelernt, allerdings waren die Wege zu den Dorfschulen teils lang und in schlechtem Zustand. Deshalb griffen die Bauern zur Selbsthilfe und gründeten eigene, wenn auch primitive, Bauerschaftsschulen.

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