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Schüler setzen Zeichen gegen Homophobie

In der Ludgerus-Schule in Vechta gewinnt die Aufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt immer mehr an Bedeutung. Die ersten Rückmeldungen sind positiv.

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Klares Zeichen in der Pausenhalle: Mit eindringlichen Sprüchen auf einer Stellwand in Regenbogenflagge machen Lehrerin Petra Behrens sowie die Schüler Antje Mai und Mica Löw (von links) auf das gemeinsame Anliegen in der Ludgerus-Schule in Vechta aufmerksam. Foto: Stilkenböhmer

Klares Zeichen in der Pausenhalle: Mit eindringlichen Sprüchen auf einer Stellwand in Regenbogenflagge machen Lehrerin Petra Behrens sowie die Schüler Antje Mai und Mica Löw (von links) auf das gemeinsame Anliegen in der Ludgerus-Schule in Vechta aufmerksam. Foto: Stilkenböhmer

8 Buchstaben, eine Message: „Vielfalt“, so heißt das Wort, welches auf den Buttons mit den symbolhaften Regenbogenfarben aufgedruckt ist. Sie zieren ab sofort Pullover, Rucksäcke und Taschen zahlreicher Schüler und Lehrkräfte der Ludgerus-Schule in Vechta. Damit greifen die Beteiligten kurz und prägnant das Motto des internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie auf.

Der jährliche Aktionstag plädiert für mehr Toleranz in der Gesellschaft untereinander, sodass ein Miteinander entstehen kann und die Diskriminierung gegen Mitglieder der so genannten "LGBTQ"-Gemeinde endlich aufhört. LGBTQ ist eine aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung. Sie steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer.

Nicht jeder Mensch kann sich mit seinem geborenen Geschlecht identifizieren. Manche möchten ein anderes Leben führen, inklusive neuem Namen und Aussehen. Um dies zu ermöglichen, sind nicht nur Fingerspitzengefühl und ein sensibler Umgang mit dieser Veränderung gefragt, sondern auch Akzeptanz, Toleranz und Verständnis in der Gesellschaft. Das kann nur durch frühe Aufklärungsarbeit und einem offenen Umgang mit dem Thema gelingen.

8 Buchstaben, eine Message: Die Ludgerus-Schule greift das Motto des internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie in künstlerischer Form auf. Foto: Stilkenböhmer8 Buchstaben, eine Message: Die Ludgerus-Schule greift das Motto des internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie in künstlerischer Form auf. Foto: Stilkenböhmer

Damit dieses Thema immer mehr Einzug in den Schulalltag erhält, haben die Lehrer Petra Behrens, Esther Themann und Felix Diersen sowie Schulsozialarbeiterin Michelle Kladt bereits Anfang Februar selbst die Schulbank gedrückt. „Wir haben an einer Fortbildung zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt teilgenommen, um sowohl uns selbst, den Lehrkörper, als auch die Schüler weiter zu sensibilisieren“, berichtet Behrens.

Lehrkräfte geben Wissen aus Fortbildung weiter

Sie und ihre Kollegen konnten neue Erfahrungen und wichtige Kompetenzen sammeln, sodass im Alltag der Oberschule künftig die Anwendung des Wissens erfolgen kann. Dabei geht es vor allem um Toleranz und Offenheit, wie die jüngste Präsentation für die Jahrgänge 5 bis 10 zeigt. Die altersgerechte Vermittlung des Stoffes fand in Form einer Unterrichtsstunde statt. Die Folien stammten von den Lehrkräften, die an der Fortbildung teilgenommen hatten.

Die ersten Rückmeldungen aus der Schülerschaft sind positiv und hoffnungsvoll: „Obwohl sich das Schulklima innerhalb eines so kurzen Zeitraumes noch nicht merklich verändert hat, besitzt die Aktion großes Potenzial“, meint Antje Mai (16). Die Zehntklässlerin ist davon überzeugt, dass die Beschäftigung mit dem Thema besonders Schülern der "LGBTQ"-Gemeinde hilft. "Sie wissen, dass sie toleriert und respektiert werden. Die Angst vor fehlender sozialer Akzeptanz wird geringer."

Auch Mica Löw (15) unterstützt das Projekt gegen Homophobie: „Auf Dauer glaube ich, dass die Aktion mehr Verständnis und Toleranz weckt“, erklärt der Schüler. Er könnte sich für nächstes Jahr eine ganze Projektwoche vorstellen, damit kein Themenbereich zu kurz kommt und die Schüler Fragen sammeln können. Sie sollten zudem Angebote erhalten, in denen genau besprochen wird, wie man Mitgliedern der Community helfen kann.

Regenbogenflagge hängt in der Pausenhalle

Der frisch produzierte Button kommt in der Schülerschaft gut an: „Ich mag ihn. Er ist freundlich, setzt aber auch ein klares Statement“, sagt Mica Löw. Mitschülerin Antje Mai trägt ihr Exemplar dauerhaft an der Schultasche. In einem Punkt sind sich die beiden einig: Die dauerhafte Regenbogenflagge in der Pausenhalle der Oberschule würde ein klares Zeichen setzen und ihnen ganz besonders gut gefallen.

„Generell ist es wichtig, auf das Thema aufmerksam zu machen. Es ist unsere Aufgabe, zu zeigen, dass es sich um etwas völlig Normales handelt“, erklärt Schulsozialarbeiterin Michelle Kladt. Über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt werde im Unterricht, besonders im 9. Jahrgang, bereits gesprochen. Ziel sei es, die Thematik über das ganze Jahr im Auge zu haben. Geplant sind weitere Aktionen. So soll der internationale Aktionstag am 17. Mai für kleinere Programme oder auch Gruppenarbeiten dienen. Auch im Regelunterricht könnten mehr diverse Inhalte auftauchen, zum Beispiel bei der Wahl der Deutsch-Lektüren.

"Wir sind offen für alle Menschen, die uns hier begegnen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Hautfarbe oder der geschlechtlichen sowie sexuellen Orientierung."Schulleiter Clemens Feldhaus

„Die Schule befindet sich im Wandel", ergänzt Lehrerin Esther Themann und verweist auf ein konkretes Beispiel: "Wir haben die Anmeldeformulare für unsere Fünftklässler abgeändert in die potenziellen Rubriken männlich, weiblich und divers." Eine Toilette im Schulgebäude werde bald statt der Aufschrift "Mädchen/Jungen" das Schild "divers" erhalten. „Schülerinnen und Schüler sollen sich hier wohlfühlen und den Mut haben, sich zu outen. Hier sind alle willkommen“, so Themann.

„Wir sind offen für alle Menschen, die uns hier begegnen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Hautfarbe oder der geschlechtlichen sowie sexuellen Orientierung“, unterstreicht Schulleiter Clemens Feldhaus. Im Gespräch mit den Eltern werde versucht, dem Wunsch des Kindes zu entsprechen, damit die Identität der Jugendlichen geschärft werden könne und sie ihren eigenen Raum erhielten. „Das ist unser Auftrag im Sinne des christlichen Menschenbildes“, fasst der Schulleiter zusammen.

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