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Rotwein im Weihnachtsstern und Bons im Bettlaken

Kolumne: Weihnachten ist das Fest der Besinnlichkeit. Die Realität sieht oft anders aus. Zum Glück gibt es im Anschluss die Rauhnächte, um zur Ruhe zu kommen. Vom Charme einer undurchsichtigen Suppe.

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In der (Vor-)Weihnachtszeit wird oft Wasser gepredigt und Wein getrunken. Ruhe, Nachdenklichkeit, innere Einkehr und Selbstreflexion sollten idealerweise an der Tagesordnung stehen. Die Realität sieht meist anders aus: Die sogenannte Christenheit huscht von Adventskränzchen zu Weihnachtsfeier und -markt, schleppt volle Einkaufstüten durch die überfüllten Innenstädte, um sich beim sekundenschnellen Aufreißen der Präsente unter der Tanne traditionell mit der eigenen Sippe in die Haare zu kriegen. Schöne Bescherung.

Drum habe ich einen Brauch aus den Tagen vorm Fest der Feste gemacht: Wenn viele im Freizeitstress durchdrehen, klinke ich mich aus. Für Trubel hatte ich noch nie etwas über. Ich möchte schlichtweg meine Ruhe haben. Und nichts tun – auch wenn ich damit nie fertig werde.

Es gibt fast nie Grund zur Hektik

Besinnlich wird's für mich meist trotzdem nicht. Erst wenn die Stunden rund um die Krippe zu Ende sind, beginnt für mich die wahre Zeit des Zur-Ruhe-Kommens: die Rauhnächte samt ihrer Bräuche. Kein Mensch weiß, welcher Tag oder wie spät es ist. Die Zeit vom 27. bis 30. Dezember verkommt zu einer undurchsichtigen Suppe aus „Ich muss eigentlich aufstehen, aber werde von Tag zu Tag müder“.

Selig, wer diese Einladung annehmen kann, ohne ob der Langeweile in blinden Aktionismus zu verfallen. Wer mit Bedacht und Acht handelt, wie Beppo der Straßenkehrer in Michael Endes Momo, erlebt endlich mal wieder, was Freiheit vom Stress bedeutet. Wir stellen fest: Auch eine Schnecke kommt an ihr Ziel. Es gibt fast nie Grund zur Hektik.

„Macht nichts. Dinge passieren.“

Es sei denn, man möchte über sich selbst lachen: Aus Unachtsamkeit duschten wir dieses Jahr den Weihnachtsstern mit Rotwein statt Wasser (Bei uns dient eine leere Weißweinpulle fürs Blumengießen – neben der vollen Rotweinflasche auf der Fensterbank). Das frisch aufgezogene weiße Bettlaken zierten wenig später braune Schokoladenflecken. Der Wäschekorb hat jetzt nicht nur mehrere kleine, sondern auch ein großes Loch, weil beim Aufhängen der Wäsche die Füße ins Stolpern gerieten und sich eine der Sohlen im Bast verewigte. Apropos: Beim Autowaschen habe ich mich auf glattem Boden vorzüglich hingelegt. Jaja, nur eben schnell den Wagen säubern.

Macht nichts. Dinge passieren. Nicht nur an Weihnachten oder zwischen den Jahren. Übrigens: Wer diese Gelassenheit mit ins neue Jahr nimmt, tut gleich etwas für die guten Vorsätze. Falls das nicht gelingen sollte, kein Problem: Nehmen Sie es gelassen! Das nächste Fest der Feste wartet schließlich schon.


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