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Richtiges Gründungsdatum ist nicht in Stein gemeißelt

Die Garreler Bauerschaft Varrelbusch ist 50 Jahre älter, als bisher angenommen – mindestens. Historische Dokumente deuten auf eine frühere Gründung hin.

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Arbeit für den Steinmetz: Die Bauerschaft Varrelbusch ist vermutlich älter, als bislang angenommen. Foto: Martin Pille

Arbeit für den Steinmetz: Die Bauerschaft Varrelbusch ist vermutlich älter, als bislang angenommen. Foto: Martin Pille

Die Geschichte des Ortes Varrelbusch muss nun wohl in Teilen neu geschrieben werden – und der Steinmetz muss mit Knüpfel und Meißel die Inschrift „anno 1463“ auf dem riesigen Gedenkstein vor der Marien-Kirche korrigieren. Im September 2018 hatte die Dorfgemeinschaft noch das 555-jährige Jubiläum Varrelbuschs begangen und unter anderem mit einer Dorf-Olympiade und einer Open-Air-Party groß gefeiert. Jetzt hat Peter Sieve, Historiker im Offizialatsarchiv Vechta, den Nachweis gefunden, „dass der Ort schon mindestens 50 Jahre früher erwähnt wird, wahrscheinlich sogar schon 100 Jahre früher“.

Die Dorfgemeinschaft bezog sich bei der Festlegung des Datums damals auf ein Güter- und Rentenverzeichnis der St.-Andreas-Kirche in Krapendorf (heute Cloppenburg) aus dem Jahr 1463. Das Original, eine Pergament-Handschrift, befindet sich im Pfarrarchiv von St. Andreas, das im Offizialatsarchiv Vechta deponiert ist.

In diesem Register wird unter anderem der Zehnte von „Varle“ erwähnt, womit Varrelbusch gemeint ist. Bislang dachte man, dies sei die erste urkundliche Erwähnung der Bauerschaft und damit auch die Rechtfertigung für das Jubiläum. Aber, so Sieve, die Geschichte Varrelbuschs reicht noch viel weiter zurück.

Varrelbuscher Zehnte war ein Lehen des Bischofs von Osnabrück

Der Zehnte (bezeichnet eine etwa zehnprozentige Steuer in Form von Geld oder Naturalien) von Varrelbusch war, bevor er in den Besitz der St.-Andreas-Kirche gelangte, ein Lehen des Bischofs von Osnabrück und wird deshalb in deren ältesten Lehnregistern mehrfach erwähnt. Demnach wurde 1412 der Quakenbrücker Burgmann Johann von Bockraden mit dem Zehnten „to Varle“ (Varrelbusch) im Kirchspiel Krapendorf belehnt.

Später folgte ihm als Lehnsträger der Osnabrücker Domherr Clawes von Bockraden. Dieser hat der Osnabrücker Kirche 1446/47 den Cordula-Schrein gestiftet, der bis heute zu den Prunkstücken des Osnabrücker Domschatzes gehört. Sieve: „Es waren somit wohl nicht zuletzt die Einkünfte aus dem Zehnten von Varrelbusch, die den vermögenden Domherrn in die Lage versetzt haben, dieses Kunstwerk in Auftrag zu geben.“

Gibt es Varrelbusch sogar schon seit dem 13. Jahrundert?

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hätten dann die Kirchräte (Provisoren) der Krapendorfer Kirche den Zehnten von Varrelbusch erworben, und zwar anscheinend in einzelnen Teilen von den Erben des Domherrn, darunter von einem Bürger der Stadt Friesoythe. Wenn es im ältesten Lehnregister der Osnabrücker Bischöfe, dem des Bischofs Johann Hoet (1350-1361), heißt, dass der Zehnte „in villa Varen“ im Kirchspiel Krapendorf an Jutta von Smerten verlehnt wurde, so hat man dies bislang auf der Hand liegend auf die Bauerschaft Vahren bei Cloppenburg bezogen. Wahrscheinlich liegt hier aber ein Schreibfehler vor, und es ist Varrelbusch gemeint. Denn, so der Historiker: „Der Zehnte von Vahren gehörte damals dem Kloster Gertrudenberg bei Osnabrück“.

Sieve: „Das ist aber nicht weiter tragisch für die Vahrener, denn im Osnabrücker Landesarchiv gibt es ein bislang unveröffentlichtes Einkünfteverzeichnis des Klosters Gertrudenberg aus dem 13. Jahrhundert, worin der Zehnte von Vahren bereits genannt wird. Vahren ist also seinerseits auch 100 Jahre früher erwähnt als bislang angenommen“.

Über das wirkliche Alter der Bauerschaften sagten diese Ersterwähnungen natürlich wenig aus, meint Sieve. Was Varrelbusch beträfe, könne man annehmen, dass der dortige Zehnte schon im Besitz des Osnabrücker Bischofs gewesen sein muss, als dieser im 13. Jahrhundert die Burg Quakenbrück erbaute und die dortige Burgmannschaft mit Lehen ausstattete.

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