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Reihentests in Lohne beginnen am Mittwoch

Die Suche nach weiteren Corona-Infizierten bei den Oldenburger Geflügelspezialitäten beginnt. Das Corona-Testzentrum im Kreis Vechta öffnet wieder.

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Das zentrale Corona-Testzentrum im Kreis Vechta wird wieder geöffnet. Foto: Dorgelo

Das zentrale Corona-Testzentrum im Kreis Vechta wird wieder geöffnet. Foto: Dorgelo

66 Mitarbeiter des zur PHW-Gruppe (Wiesenhof) gehörenden Hähnchenschlachthofs Oldenburger Geflügelspezialitäten (OGS) in Lohne haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Am Montag wurde dem Gesundheitsamt keine weitere bestätigte Covid-19-Infektion im Kreis Vechta gemeldet, heißt es in einer Mitteilung.

Zwei mit dem Coronavirus Infizierte werden stationär behandelt. In Quarantäne befinden sich nach derzeitigem Stand insgesamt 215 Menschen. Acht Überwachte konnten diese zuletzt wieder verlassen.

Das Gesundheitsamt wird nun einen weiteren Reihentest unter den fast 1300 Mitarbeitern der OGS durchführen. Die Tests werden laut Kreissprecher Jochen Steinkamp am späten Mittwoch beginnen und im Laufe des Donnerstags abgeschlossen sein.

Kontaktpersonen bereits in Quarantäne

Das Gesundheitsamt Vechta testet derzeit alle engen Kontaktpersonen der im Landkreis Vechta wohnenden 35 Mitarbeiter der Firma Oldenburger Geflügelspezialitäten (OGS), bei denen das Coronavirus nachgewiesen wurde. Das Vorgehen ist laut einer Mitteilung mit dem Landkreis Diepholz abgestimmt, der ebenso verfährt. Die engen Kontaktpersonen sind bereits in Quarantäne versetzt worden. Alle zwei Tage werden diese vom Gesundheitsamt telefonisch nach ihrem aktuellen Befinden befragt.

Nach Angaben von Landrat Herbert Winkel (CDU) vom Sonntag lag der so genannte Sieben-Tage-Inzidenzwert im Kreis bei 41,67. Er hatte am Sonntag eine Schließung der OGS mit dem Hinweis auf die lokale Situation abgelehnt.  Sollte die so genannte 50er-Marke - also die Schwelle von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner im Zeitraum von sieben Tagen - überschritten werden, werde er gemeinsam mit den Bürgermeistern der Städte und Gemeinden neu entscheiden.

"Niemand muss befürchten, bei einem Wert ab 50,1 sofort zu Hause bleiben zu müssen"Oliver Grimm, Sprecher des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums

"Niemand muss befürchten, bei einem Wert ab 50,1 sofort zu Hause bleiben zu müssen", stellt Oliver Grimm, Sprecher des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums klar. Das wäre auch nicht immer gerecht, da ein kleiner Landkreis mit wenigen Einwohnern die kritische Gesamtzahl an Infizierten viel früher erreiche, als etwa der Großraum Hannover.

Man werde immer auf den individuellen Fall abgestimmt vorgehen. Bei jeglicher Sanktion gelte es den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit im Auge zu behalten. Auch das Land selbst könne als Fachaufsicht zwar einen "Lockdown" anweisen oder einen Schlachthof schließen. Eigene Anordnungen seien aber nicht das erklärte Ziel. "Wir lassen Infektionsgeschehen nicht laufen, wir schicken aber auch keine Kavallerie", so Grimm.

Ziel sei stets die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort, die "gut funktioniert, das hat sich in der jüngeren Vergangenheit gezeigt". Falls erforderlich, helfe man nicht nur mit Expertise im Landesgesundheitsamt, sondern auch durch die Vermittlung von Personal zur Kontaktnachverfolgung. Einen Hilferuf aus Vechta habe es aber seines Wissens aktuell noch nicht gegeben.

Grimm räumte mit einer Ungereimtheit auf. Gemäß der offiziellen Statistik des Landes wird für den Kreis Vechta mit Stand vom 20. Juli eine Inzidenzrate von 44,1 angegeben. Winkel hatte 41,67 errechnet. Dieser Unterschied lasse sich durch "Meldeverzögerungen" erklären, so Grimm. Innerhalb des für die Ermittlung der Kennzahl erfassten Sieben-Tage-Zeitraums gebe es Abgänge und Zugänge von Infizierten. Bei deren Erfassung gebe es oft zeitliche Verzögerungen.

Gewerkschaftskritik an Landrat und Unternehmer

Der am Wochenende von der Kreisverwaltung bekannt gegebene, starke Anstieg der Corona-Infektionszahlen im Landkreis Vechta lässt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) reagieren. Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Oldenburg der KVN, kündigte am Montag an, das Coronavirus-Testzentrum im Landkreis Vechta wieder zu öffnen. Dieses war erst am vergangenen Freitag offiziell geschlossen worden. "Aufgrund der aktuellen Situation öffnen wir in Absprache mit der Kreisverwaltung wieder. Ab Dienstag können die Hausärzte wieder ihre Testfälle an das Zentrum überweisen", sagte Scherbeitz.

Matthias Brümmer, Geschäftsführer in der Region Oldenburg/Ostfriesland der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten sah durch die Infektionslage bei den OGS wieder mehrheitlich Werkvertragsmitarbeiter betroffen. "Die Unterbringung wie auch die Enge während des Transportes zum Arbeitsplatz" würden nicht dabei helfen, die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Brümmer unterstellte "Landrat und Unternehmer" fehlende Sensibilität mit der Behauptung, "dass wieder die Mitarbeiter selbst Schuld sind." Er warf beiden vor, "von der Problematik der Werkverträge" ablenken zu wollen.

Dass der Schlachthof nicht geschlossen worden sei, zeige, dass es "kein abgestimmtes Verhalten zwischen den Landkreisen gibt." Entweder habe der Landrat des Kreises Oldenburg mit seiner Schließungsanordnung des Schlachthofes von Geestland in Wildeshausen "zu panisch" oder der Landkreis Vechta mit seiner Entscheidung, die Schlachtung in Lohne aufrecht zu erhalten, "zu lasch reagiert".

Krisenstab tagt im Rathaus

Im Lohner Rathaus tagte am Montag der bereits im März eingerichtete und mit den Führungskräften der Verwaltung besetzte Krisenstab. 40 der mit dem Coronavirus Infizierten im Kreisgebiet leben in Lohne. Die Stadt gilt damit als Hochburg der Infektionen. Eigene Maßnahmen wie etwa die Sperrung öffentlicher Einrichtungen, plant die Kommune jedoch nicht, erklärte Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (CDU).

"Wir werden als Stadt Lohne alle Maßnahmen, die städtische Einrichtungen wie Waldbad, Sportanlagen oder Spielplätze betreffen, eng mit dem Landkreis abstimmen. Hierbei wird auch eine Rolle spielen, ob alle Infektionen weiterhin nachvollziehbar sind oder sich das Virus nicht nachverfolgbar verbreitet", erläuterte Gerdesmeyer. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit dem "Lockdown im März können wir aber schnell auf die verschiedenen Lagen reagieren". Eine "unkontrollierte Verbreitung in Lohne" gebe es nach jetzigem Wissensstand nicht.

Den Hähnchenschlachthof sofort zu schließen, sieht Gerdesmeyer als nicht notwendig an. Der Landrat habe eine nachvollziehbare Ermessensentscheidung getroffen. "Sollte sich in den nächsten Tagen zeigen, dass ein direkter Bezug zur Firma OGS beziehungsweise den dortigen Arbeitsbedingungen gegeben ist, muss der Schlachthof umgehend geschlossen werden. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung muss absolute Priorität haben."

Bei einer nicht repräsentativen Straßenumfrage von OM-Online unter Lohner Bürgern zeigte sich ein weites Meinungsspektrum. Einige der Befragten waren überzeugt, dass Behörden und Unternehmen das Coronavirus-Geschehen im Griff haben. Anderen aber machte die derzeit hohe Zahl Infizierter in ihrer Nachbarschaft Angst.

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