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Rat hat entschieden: "Vergessener Wald" in Cloppenburg kann gerodet werden

In der Sitzung am Montagabend stimmte der Rat über den entsprechenden Bebauungsplan ab. Die Ratsmitglieder diskutierten zum Teil kontrovers über die Planungen, den Wald für Wohnungen zu roden.

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Unberührte Natur: Über 50 Jahre lang konnte der „vergessene Wald“ ohne Einfluss des Menschen wachsen. Archivfoto: Michael Jäger

Unberührte Natur: Über 50 Jahre lang konnte der „vergessene Wald“ ohne Einfluss des Menschen wachsen. Archivfoto: Michael Jäger

Die Rodung des 9.200 Quadratmeter großen "vergessenen Waldes" an der Ecke Niedriger Weg/Eisenbahnstraße ist aller Voraussicht nach besiegelt. Die Mitglieder des Stadtrates stimmten am Montagabend mit den Stimmen der CDU-FDP-Zentrum-Gruppe und der AfD-Fraktion mehrheitlich für den entsprechenden Bebauungsplan und damit gegen den Wald. Damit haben die Planungen, auf der Fläche künftig Wohngebäude zu bauen, alle politischen Hürden genommen. Zu Beginn der Sitzung hatten sich zahlreiche Anwohner in der Einwohnerfragestunde für den Erhalt des Waldes ausgesprochen.

Auch Michael Jäger (Grüne), Sprecher der Grüne-UWG-Gruppe, plädierte nochmal dafür, den Wald stehen zu lassen. Er sei wichtig für das Mikroklima und ein Refugium für Kleintiere und Insekten. Jäger kritisierte die Ausgleichsmaßnahmen, die zu kleinteilig und zudem außerhalb der Stadt stattfänden. Er sei irritiert, dass der Landkreis als Fachaufsicht dies so genehmigt und womöglich "weggeguckt" habe. Zudem zog er erneut das Gutachten in Zweifel, das von den Investoren in Auftrag gegeben wurde. Er sei sich sicher, dass das Umweltgutachten einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten würde.

Höffmann: Letzter Schritt ist kein symbolischer

Auch wenn es gerade in der heutigen Zeit keine leichte Entscheidung sei, argumentierte Prof. Dr. Marco Beeken (CDU), Vorsitzender der CDU-FDP-Zentrum-Gruppe, für den Bebauungsplan, also für die Rodung des Waldes. Dabei führte er die gleichen Argumente ins Feld, wie schon bei der Ratssitzung im September. Kommunalpolitik müsse verlässlich sein. Das Vorhaben sei in der Vergangenheit stets sehr positiv bewertet und jeweils einstimmig befürwortet worden.

Beeken erklärte weiter, dass auf der Fläche dringend gesuchter, darunter auch sozialer Wohnraum, geschaffen werde, gebaut nach hohem Energiestandard und mit begrünten Dächern. Letztlich sei das geplante Vorhaben nachhaltiger, denn der Betrieb (Steinmetzbetrieb Dierkes, Anm. d. Red.) ersetze seine alten Hallen durch deutlich energieeffizientere Hallen an anderer Stelle, wodurch letztlich CO2 eingespart werde. 

Jan Oskar Höffmann (SPD), Vorsitzender der SPD-Linke-Gruppe, wies darauf hin, dass der Wald in den politischen Beratungen lange nicht relevant war, weil er übersehen worden sei. Mit Blick auf das Argument der Verlässlichkeit sagte er, dass auch der 8. bzw. letzte Schritt einer Planung kein symbolischer sei, sondern dass bei jedem Beschluss die aktuelle Sachlage bewertet und mit eingebracht werden müsse. 

Stadt: Viel „nieder- und schnellwüchsiges Gehölz“

Dr. Katja Thieke (Grüne) zitierte Stellen aus dem Wahlprogramm der städtischen CDU, in dem es zum Beispiel hieße, der Erhalt von Baumbeständen sei ein zentrales Anliegen und Rodungen müssten wenn möglich vermieden werden. Darauf entgegnete Dr. Franz Stuke (CDU), das Wahlprogramm würde in Misskredit gezogen, da es sich auf der Fläche nicht um Bäume handele.

Der Planungsamtsleiter der Stadt, Björn Drebbermüller, wies erneut den Vorwurf zurück, die Verwaltung habe den Wald verschwiegen und verwies auf ein entsprechendes Protokoll. Er erklärte, die Fläche sei teilweise mit Altlasten belastet. Es wüchsen dort Pappeln, Weiden, Birken und auch Eichen, jedoch vorwiegend „nieder- und schnellwüchsiges Gehölz“.

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