Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Rassismus im Profifußball als gesellschaftliches Problem

Journalist und Buchautor Ronny Blaschke referierte an der Uni Vechta.

Artikel teilen:
Einblick in rassistische Strukturen im Profifußball: (von links) Professor Dr. Martin K. W. Schweer, Ronny Blaschke und Interimspräsident Professor Dr. Thomas Bals. Foto: Universität Vechta

Einblick in rassistische Strukturen im Profifußball: (von links) Professor Dr. Martin K. W. Schweer, Ronny Blaschke und Interimspräsident Professor Dr. Thomas Bals. Foto: Universität Vechta

Rassistische Beleidigungen von den Rängen, Buhrufe und andere diffamierende Äußerungen, Hass in sozialen Medien sowie Diskriminierung im Amateur-, Nachwuchs- und Profibereich verdeutlichen, dass Rassismus im Fußball nach wie vor ein gesellschaftliches Problem darstellt. Vor diesem Hintergrund war der Journalist und Buchautor Ronny Blaschke im Rahmen der von Professor Dr. Martin K. W. Schweer initiierten 10. „vechtaer trust lecture“ zu Gast an der Universität Vechta.

In seinem Vortrag zeigte Blaschke laut Uni die Ursprünge von Rassismus im Fußball auf. Entgegen der häufigen öffentlichen Wahrnehmung, dass es sich bei rassistischen Vorfällen um Einzelfälle handle, sei Rassismus im Fußball strukturell verankert. Für ein vertieftes Verständnis müsse daher die historische Entwicklung des Sports berücksichtigt werden: So stehe die weltweite Verbreitung des Fußballs im Zusammenhang mit kolonialen Prozessen, die bis heute Strukturen und Denkmuster – häufig auch unbewusst – prägten.

Klare Regeln zur Sanktionierung

In diesem Kontext sei der Fußball global verbreitet worden, wobei die lokale Bevölkerung zunächst vielfach weder am Spiel habe teilnehmen dürfen noch als Publikum zugelassen war. Vor diesem historischen Hintergrund ließen sich auch gegenwärtige Strukturen im (Männer-)Fußball einordnen: Während Spieler mit Migrationshintergrund in Nationalmannschaften überproportional vertreten seien, zeige sich etwa in Führungspositionen von Verbänden weiterhin eine geringe Diversität. Auch Fankurven bilden die gesellschaftliche Vielfalt nicht ab, und das dortige Klima des sozialen Miteinanders wird etwa von Personen mit Migrationshintergrund womöglich nicht als gleichermaßen zugänglich oder sicher wahrgenommen.

In der anschließenden Diskussion ging es insbesondere darum, wie – über symbolische Maßnahmen hinaus – eine wirksame und nachhaltige Rassismuskritik im Fußball umgesetzt werden kann. Blaschke betonte die Notwendigkeit klarer Regeln zur Sanktionierung diskriminierenden Verhaltens und verwies zugleich auf den Fußball als Spiegel gesellschaftlicher Dynamiken.

„Probleme der Diskriminierung werden häufig wahrgenommen, jedoch nicht immer auf das eigene Umfeld bezogen“, so Schweer. Ein zentraler Ansatzpunkt liege daher in der Vermittlung grundlegender Werte wie Respekt und Wertschätzung, sowohl in den Verbänden und Vereinen des organisierten Sports als auch im Bildungssystem. Zugleich wurde deutlich, dass die Verantwortung nicht einseitig auf einzelne Spieler verlagert werden dürfe, sondern auch institutionelle und politische Akteure gefordert seien, Position zu beziehen.

Der direkte Draht zu Ihren Nachrichten aus dem OM. Abonnieren Sie unseren kostenlosen WhatsApp-Newsletter. Immer am Abend. Hier geht es lang! 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Rassismus im Profifußball als gesellschaftliches Problem - OM online