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Radweg-Pläne bedrohen Lebensraum der Schlingnatter

Die Kreisgruppe Vechta des Naturschutzbundes kritisiert das Vorhaben der Landkreise Vechta und Diepholz, den Lückenschluss zwischen Lohne und Aschen anzugehen.

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Bis zu 9,25 Meter in Naturschutzgebiete hinein: Der Lohner Naturschützer Ludger Frye (links) und sein Vechtaer Mitstreiter Christoph Janku verdeutlichen, wie viel Fläche für den Radweg entlang der Straße von Lohne nach Aschen überbaut werden müsste. Foto: Timphaus

Bis zu 9,25 Meter in Naturschutzgebiete hinein: Der Lohner Naturschützer Ludger Frye (links) und sein Vechtaer Mitstreiter Christoph Janku verdeutlichen, wie viel Fläche für den Radweg entlang der Straße von Lohne nach Aschen überbaut werden müsste. Foto: Timphaus

Die Landkreise Vechta und Diepholz planen den Bau eines Radwegs von Lohne nach Aschen. Den Lückenschluss im Wegenetz befürwortet die Kreisgruppe Vechta des Naturschutzbundes (Nabu) nach Worten des Vorsitzenden Ludger Frye ausdrücklich. Der Bau sei „hochnotwendig“. Was die Naturschützer jedoch erzürnt, sind die unzureichende Berücksichtigung von Artenschutz und Naturschutzgebieten.

Die geplante Trasse soll entlang der Kreisstraße 265 (Landwehrstraße) auf Vechtaer Gebiet beziehungsweise der Kreisstraße 30 (Lohner Straße) auf Diepholzer Terrain auf südlicher Seite verlaufen – vom Lohner Hochmoordamm bis zur Bundesstraße 69. Auf circa 1,73 Kilometern würde der neue Radweg durch die Naturschutzgebiete Südlohner Moor und Aschener Moor führen.

„Warum haben die Landkreise aus dem damaligen Konflikt nichts gelernt?“Ludger Frye, Vorsitzender der Kreisgruppe Vechta des Naturschutzbundes

Frye und auch sein Vechtaer Mitstreiter Christoph Janku sehen diese naturschutzrechtlich streng geschützten Bereiche in den Planungen des Landkreises Vechta zu wenig gewürdigt. Für den Diepholzer Bereich könne er dies noch nicht beurteilen, sagt Frye, da im Nachbarlandkreis noch kein Planfeststellungsverfahren beantragt worden sei. Frye kritisiert, dass das Projekt gestückelt wurde.

Nahezu unbekanntes Wesen: Die Schlingnatter (Coronella austriaca). Foto: dpa  PleulNahezu unbekanntes Wesen: Die Schlingnatter (Coronella austriaca). Foto: dpa / Pleul

Bereits vor 12 Jahren scheiterte der Versuch des Lückenschlusses – auch aufgrund des Einschreitens des Naturschutzbundes. „Warum haben die Landkreise aus dem damaligen Konflikt nichts gelernt?“, fragt der Lohner Naturschützer. Aus seiner Sicht hätte im Vorfeld der Planungen ein Scoping-Termin, also ein Gespräch mit allen Trägern öffentlicher Belange und den Naturschutzverbänden, durchgeführt werden müssen.

Vorkommen der Schlingnatter im Plangebiet von "landesweiter Bedeutung"

Erbost sind die Naturschützer über die aus ihrer Sicht unzureichende Berücksichtigung der Schlingnatter. Die recht unbekannte, weil unscheinbare Schlange ist auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Frye spricht von einem Vorkommen des Kriechtieres auf Lohner Gebiet „von landesweiter Bedeutung“. Dies habe zuletzt auch eine Untersuchung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gezeigt.

Konkret kritisiert der Nabu-Vorsitzende, der sich seit einigen Jahren intensiv mit Schlingnattern beschäftigt, die Methodik der Kartierung, die seines Erachtens sensibler hätte erfolgen müssen. Es sei zu berücksichtigen, dass für den Radweg bis zu 9,25 Meter neben der Fahrbahn der Straße überplant würden. „Für Schlingnattern sind gerade die Straßenböschungen Vorzugsstrukturen.“ Er befürchtet, dass der Lebensraum und Schlangen getötet werden.

Ein weiterer Kritikpunkt des Naturschutzbundes: Für den Radweg soll ein Graben angelegt werden. Dies führe laut Janku zur Entwässerung der angrenzenden Flächen – dabei ist eigentlich eine Renaturierung des Hochmoores vorgesehen. Weiter werde nicht berücksichtigt, dass laut Landesraumordnungsprogramm (LROP) die Dadau ebenfalls renaturiert werden soll. „Die Schutzgebietsplanungen sind außen vor gelassen worden“, urteilt Janku.

Abschließend fragt Frye, warum es eigentlich keine Idee für einen alternativen Trassenverlauf gebe. „Würde der Radweg nordseitig der Straße geplant, wäre nur im Diepholzer Bereich ein Naturschutzgebiet betroffen.“ Noch besser wäre es aus Sicht der Naturschützer, wenn der Radweg am Nordrand des Naturschutzgebietes Aschener Moor entlang geführt würde.

Landkreis Vechta widerspricht der Nabu-Kritik

Die Stückelung des Vorhabens in 2 Planfeststellungsverfahren hatte laut dem Landkreis Vechta „rein administrative Gründe“. Zur Wahl der Trasse sagt die Kreisbehörde, diese sei „fachlich begründet und nachvollziehbar dargestellt“. Die Vorschläge des Nabu würden im Verfahren betrachtet und bewertet. Ein Scoping-Termin sei gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Einen Konflikt mit den Vorgaben des LROP hält die Kreisbehörde für unwahrscheinlich. Das Naturschutzgebiet Südlohner Moor werde im Artenschutzbeitrag ausführlich behandelt, heißt es.

Der Landkreis widerspricht der Behauptung, das Vorkommen der Schlingnatter sei unzureichend berücksichtigt worden. Es habe eine umfangreiche artenrechtliche Untersuchung stattgefunden. Im landschaftsplanerischen Beitrag würden Maßnahmen zum Schutz der Schlange genannt. „Eine vorübergehende Zerstörung von Teilhabitaten kann nicht ausgeschlossen oder vermieden werden. Allerdings befinden sich im Umfeld ausreichend Ausweichmöglichkeiten für die Schlingnatter. Nach Abschluss der Bauarbeiten können die Teilhabitate der Art wiederhergestellt werden.“

Radwegbau ab 2022? Bisher müssen Radfahrer auf die vielbefahrenen Kreisstraße ausweichen, um von Lohne nach Aschen und umgekehrt zu gelangen. Das soll sich nach dem Willen der Landkreise Vechta und Diepholz demnächst ändern. Foto: TimphausRadwegbau ab 2022? Bisher müssen Radfahrer auf die vielbefahrenen Kreisstraße ausweichen, um von Lohne nach Aschen und umgekehrt zu gelangen. Das soll sich nach dem Willen der Landkreise Vechta und Diepholz demnächst ändern. Foto: Timphaus

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