Am 1. Juli eröffnet das Christliche Krankenhaus eine neue Gynäkologie mitsamt Geburtshilfe. Klinik-Geschäftsführer Matthias Bitter hat dafür nun auch in Löningen die Werbetrommel gerührt. Er geht davon aus, dass viele Schwangere aus dem Raum Cloppenburg das Angebot nutzen werden und ihre Kinder künftig in Quakenbrück entbinden lassen.
Im Rathaus überreichte Bitter Bürgermeister Burkhard Sibbel ein Storchennest. Einer der beiden Plastikstörche darin hält einen QR-Code im Schnabel. Wer ihn ab Montag aktiviert, wird auf den YouTube-Kanal des Krankenhauses weitergeleitet. In einem humorvollen Video stellen die Quakenbrücker ihre neue "Landebahn für den Storch" vor. "Dazu haben wir uns sogar Rat beim Tower des Flughafens Münster/Osnabrück geholt", verrät Bitter mit einem Augenzwinkern. Sollte der gefiederte Babybote bei der Landung ins Stolpern geraten und sich eines seiner langen Beine brechen, stünde die Unfallchirurgie schnell bereit.
Soweit wird es in der Realität wohl nicht kommen. Als das Marienhospital Ankum-Bersenbrück im vergangenen Jahr die Umwandlung in ein regionales Gesundheitszentrum und zugleich die Schließung der Gynäkologie ankündigte, griff Bitter zu. Nach wenigen Gesprächen zwischen den Häusern kam es zu einer Lösung. Fast das komplette Ankumer Pflegeteam wechselt mitsamt Belegärzten und Hebammen nach Quakenbrück. "Das sind zwischen 20 und 30 neue Kolleginnen und Kollegen", berichtet der Geschäftsführer.
Klinik nimmt 3 Millionen Euro in die Hand
Bis 1999 hatte es am CKQ eine Geburtsstation gegeben. Den alten Kreißsaal einfach wieder zu öffnen, habe aber nicht ausgereicht, erklärt Bitter. "Wir mussten total entkernen." Rund 3 Millionen Euro investiert das Krankenhaus in die Gynäkologie. Dabei greift es ausschließlich auf Eigenmittel zurück. Die Beantragung von Fördermitteln hätte zu viel Zeit gekostet. Nach nur einem guten halben Jahr Bauzeit sind die Räumlichkeiten nun betriebsbereit. Entstanden sind mehrere Kreißsäle und ein OP-Bereich für Kaiserschnitte. "Wir haben also schon vom ersten Tag an ein eingespieltes Team, das auf dem neuesten Stand der Technik arbeiten kann", stellt Matthias Bitter zufrieden fest.
In Ankum fanden jährlich rund 800 Geburten statt. Ähnlich viele sollen es demnächst in Quakenbrück auch sein. Allerdings geht Bitter davon aus, dass sich der Einzugsbereich Richtung Norden verschiebt. "Wir rechnen mit einem Zuwachs im Nordkreis Osnabrück und im Cloppenburger Land."
Löningerinnen bringen ihre Kinder zurzeit hauptsächlich in Cloppenburg und im Hümmling-Hospital Sögel zur Welt. Burkhard Sibbel sieht in dem neuen Angebot daher ausschließlich Vorteile für seine Stadt. Zugleich geht er davon aus, dass auch die mit dem CKQ verbundene St.-Anna-Klinik weiterhin als Standort genutzt wird. Aktuell ist geplant, die Klinik in den nächsten 6 bis 10 Jahren umzustrukturieren und den Großteil der Betten nach Quakenbrück zu verlegen. Ein medizinisches Angebot solle aber in Löningen vorgehalten werden, versichert Bitter.
"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht"
Matthias Bitter, CKQ-Geschäftsführer
Die Diskussion um die Klinikreform ist in vollem Gange und wird zum Teil hitzig geführt. Mit einem bundesweiten Protesttag hatten Krankenhäuser, Verbände und Gewerkschaften in dieser Woche auf die prekäre finanzielle Lage vieler Häuser hingewiesen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sprach von einem „eiskalten Strukturwandel“. Sie verlangt unter anderem einen zusätzlichen Inflationsausgleich, um Mehrkosten aufzufangen.
Auch Matthias Bitter wünscht sich mehr Geld für das Gesundheitssystem, hält Reformen aber für unausweichlich. "Wir müssen vor allem weniger in Kreisgrenzen denken", sagt er und spielt damit auf die Konkurrenzsituation in der Region an. Das Christliche Krankenhaus habe mit der Gynäkologie einen weiteren Schritt in Richtung Schwerpunktkrankenhaus getan. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", betont Bitter.
Am 1. Juli schließt die Geburtsstation in Ankum für immer. Ab dann sind die Quakenbrücker dran. Ihre Fachkompetenz in Sachen Geburtshilfe haben sie in diesem Jahr bereits zweimal bewiesen – allerdings handelte es sich jeweils um Notfälle, die es besonders eilig hatten. Künftig soll alles offiziell zugehen. Auch das städtische Standesamt hat sich bereits auf den erwarteten Baby-Boom eingestellt und die Zahl seiner Mitarbeiter aufgestockt.