Polizei registriert Anstieg bei Drogenmissbrauch in Lohne
Der Präventionsrat der Stadt hat Bilanz gezogen. Die Arbeit läuft trotz der Corona-Pandemie weiter. Zahlreiche Aktionen sollen demnächst nachgeholt werden.
Andreas Timphaus | 09.12.2020
Der Präventionsrat der Stadt hat Bilanz gezogen. Die Arbeit läuft trotz der Corona-Pandemie weiter. Zahlreiche Aktionen sollen demnächst nachgeholt werden.
Andreas Timphaus | 09.12.2020

Symbolfoto: dpa
Ob Sicherheit im öffentlichen Raum oder Persönlichkeitsstärkung: Die Arbeit des Präventionsrats Lohne kommt trotz der Corona-Pandemie nicht zum Stillstand. Das wurde jüngst während eines Pressegesprächs mit Vertretern des Gremiums deutlich. "Was wir nachholen können, wollen wir auch nachholen", sagte die hauptamtliche Geschäftsführerin Andrea Marré. Der Präventionsrat hatte auch deshalb zu dem Pressegespräch eingeladen, weil in diesem Jahr aufgrund der Pandemie keine Mitgliederversammlung stattfinden konnte. Eine Erkenntnis hier: Fälle von Drogenmissbrauch nehmen zu, sagte Frank Soika, Leiter der Polizei in Lohne. Eine weitere Aufgabe für den Präventionsrat. Laut Lohnes Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer, Sprecher der sogenannten Lenkungsgruppe des Präventionsrats, die sich aus den Sprechern der einzelnen Arbeitskreise zusammensetzt, sei der Termin auch eine Gelegenheit, um einen "Dank an das Ehrenamt" auszusprechen. "Trotz Corona konnten wir doch die eine oder andere Aktion durchziehen." Angesichts der heterogenen Zusammensetzung der Lohner Bevölkerung spiele die Präventionsarbeit – "gerade auch in Schulen und Kitas" – eine wichtige Rolle, sagte Gerdesmeyer. Er betonte den kurzen Draht zu Institutionen, Vereinen und Gruppen, die sich auf vielfältige Art und Weise einbrächten. Marré gab einen Überblick, auch über jene Aktionen, die zeitnah nachgeholt werden sollen. So besuchten Suchtkranke die Jahrgänge 8 und 9 der Schulen, um mit den Schülern Gespräche darüber zu führen, was es bedeutet, süchtig zu sein. Dabei sei deutlich geworden, dass viele Heranwachsende bereits erste Erfahrungen gemacht, teilweise selbst schon Drogen ausprobiert hätten. Zwei Projekte zur Persönlichkeitsstärkung der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück – "Natürlich bin ich stark" für den Jahrgang sieben sowie "Mein Körper gehört mir" für die 4. Klassenstufe – sollen nachgeholt werden. "Wahrscheinlich werden wir aufgrund zeitlicher Engpässe etwa 80 Prozent der Klassen erreichen", sagte Marré. Weiter sollen – sobald es wieder möglich ist – in den Lohner Kindertagesstätten Elternabende zum Thema Medienkompetenz stattfinden, teilte sie mit. Frank Soika, Leiter der Polizeistation Lohne und Sprecher des Arbeitskreises "Sicherheit im öffentlichen Raum", ging auf die Bemühungen des Präventionsrats ein, sogenannte Trixi-Spiegel an unübersichtlichen Kreuzungen zu installieren. Als Beispiele nannte er die Bereiche Märschendorfer Straße/Brandstraße und Christoph-Bernhard-Straße/Dinklager Straße. Auch an der Kreuzung Am Gleisbogen/Dinklager Straße, wo Anfang August eine 55-jährige Pedelec-Fahrerin von einem Lkw überfahren wurde und verstarb, werde dies geprüft. "Wenn wir nur einen Menschen dadurch retten, hat sich die Investition gelohnt", sagte Soika, mit Blick darauf, dass die Wirksamkeit von Verkehrsspiegeln in der Fachwelt umstritten ist. "Auch Kokain kommt nach Lohne." Als positiv bewertete der Polizeibeamte, dass nach seiner Wahrnehmung immer mehr Fahrradfahrer einen Helm nutzten. "Dafür müssen wir weiter Werbung machen", sagte er. Soika kündigte an, dass die Polizei in den kommenden Wochen häufiger Beleuchtungskontrollen an stark frequentierten Kreuzungen durchführen werde. Zu den Fahrradstraßen sagte er, dass die Akzeptanz sich verbessert habe. Dies sei aber ein langwieriger Prozess. Große Sorgen bereitet ihm, dass mehr Fälle von Drogenmissbrauch feststellbar seien. Dies habe sich bei diversen Verkehrskontrollen im Frühjahr gezeigt. Dabei gehe es vielfach nicht nur um "weiche" Drogen wie Marihuana oder Cannabis: "Auch Kokain kommt nach Lohne", konstatierte der Hauptkommissar. Aus diesem Grund dürften die Sicherheitsbehörden nicht nachlassen in ihren Bemühungen. Soika kündigte an, dass der Präventionsrat eine erneute Umfrage zu sogenannten Angsträumen im Stadtgebiet vorbereite. Diese werde voraussichtlich über das kommunale Beschwerdemanagement laufen. Paul Sandmann, Lohner Jugendpfleger und Sprecher des Arbeitskreises "Persönlichkeitsstärkung", wandte den Blick auf Entwicklungen bedingt durch die Corona-Pandemie. So nehme auch bei Jüngeren die Vereinsamung zu. Oft flüchteten die Jugendlichen oder jungen Erwachsenen dann in die virtuelle Welt. "Ich mache mir Sorgen, dass einige abdriften", sagte Sandmann und betonte, dass das Thema Mediensucht aufmerksam beobachtet werden müsse. Wobei: Diese Aufgabe obliege in erster Linie den Eltern. Als erfreulich bewertete er, dass die Schwimmkurse der Aktion "Rettungsring" trotz aller Beschränkungen stattfinden konnten. Gleichwohl konstatierte er: "Das Angebot reicht weiterhin nicht aus." Bei der Suchtprävention müsse die Stadt nach Ansicht von Sandmann auch die Entwicklung in der älteren Bevölkerung beobachten. Senioren würden durch die Krise stark isoliert, mitunter könne es dann vorkommen, dass "das Heil im Alkohol gesucht" werde. Zur Stärkung der Kinderrechte läuft aktuell eine Kampagne an den Schulen. Alle Kinder und Jugendlichen sollen ein Kärtchen mit Kontaktdaten erhalten. Gerdesmeyer teilte abschließend mit, dass im November 2021 ein Benefizkonzert des Landespolizeiorchesters im Lohneum stattfinden soll. Der Erlös fließe in die Präventionsarbeit.Eltern sollen Infos über Medienkompetenz erhalten
Toter Winkel: Trixi-Spiegel sollen Leben retten helfen
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