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Pause vom Homeschooling:  Verein ruft zu Kleingruppen auf

Die Jugendförderer von "Pfiffikus" wollen mit ehrenamtlichen Paten nachmittags die Eltern entlasten und den Kindern wieder Kontakte erlauben. Schulsozialarbeiter haben den Vorstand dazu ermutigt.

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"Probleme angehen, statt Bedenken zu tragen": Herbert Feldkamp wirbt in Cloppenburg für die Idee seines Vereins. Foto: Kreke

"Probleme angehen, statt Bedenken zu tragen": Herbert Feldkamp wirbt in Cloppenburg für die Idee seines Vereins. Foto: Kreke

Die Kinder allein vor den Hausaufgaben, ihre Eltern längst ermüdet und überfordert: Nach dem gefühlt endlosen Lockdown, der Familien über die Grenzen des Leistbaren  belastet, sucht der Verein "Pfiffikus" nach einem kleinen Lichtblick. Die Idee: Ehrenamtliche Kräfte mit Zeit und sozialem Gespür bieten nachmittags eine Kombination auf Hausaufgabenhilfe und Treffpunkt in Kleingruppen an. Angesprochen werden sollen Kinder ab Klasse 7.

Mit 3 Kindern ist Homeschooling kaum noch leistbar

Den Plan hat sich der Verein nicht im stillen Kämmerlein ausgedacht, sondern in Gesprächen mit den Sozialpädagogen von 3 Cloppenburger Oberschulen entwickelt. "Alle haben bestätigt: Der Bedarf an sozialen Kontakten unter den Kindern ist riesengroß", sagt Herbert Feldkamp, der Gründer und Vorsitzende von "Pfiffikus": "Da haben wir in ein Wespennest gestochen." Vor allem, wenn sich 3 oder 4 Kinder einer Familie Geräte und Räume teilen müssen, sei Homeschooling ohne Unterstützung nicht mehr machbar, warnt Feldkamp.

Jetzt will der Vorstand mit den Schulleitungen und der Stadt als Träger ins Gespräch kommen, wie das Projekt umgesetzt und gestaltet werden kann. Sorgen um die Einhaltung strenger Hygieneauflagen oder um passende Räume macht sich der Vorsitzende nicht: "Das ist alles lösbar, wir müssen nur anfangen und nicht noch bis zum nächsten Schuljahr warten."

"Es ist nötig, zu sehen, was wir jetzt tun können, statt Bedenken vor sich herzutragen. Wir müssen anfangen."Herbert Feldkamp (70), Gründer von "Pfiffikus"

Schon jetzt haben Firmen und private Spender Unterstützung zugesagt, berichtet Vorstandsmitglied Clemens große Macke: Gebrauchte, aber funktionierende Laptops als Grundausstattung könnten Unternehmen erübrigen. Leerstehende Klassenzimmer, Pfarrsäle und andere öffentliche Räume wären nachmittags nutzbar. Nach und zwischen den Hausaufgaben soll Zeit und Raum zum Reden bleiben. "Der Kontakt unterein­ander ist unglaublich wichtig", sagt Feldkamp: "Denn der fehlt sehr."  Deshalb sei es nötig, "zu sehen, was wir jetzt tun können", statt "Bedenken vor sich herzutragen".

Auch um (fachkundige) ehrenamtliche Betreuer macht sich der Vorstand keine Gedanken, denn: Dank seines Patenprojekts "Jobs für Jugendliche" verfügt das Team über ein üppiges Netzwerk an gestandenen Berufspraktikern, ehemaligen Lehrern und Führungskräften aus der Wirtschaft, die schon seit 10 Jahren Jugendliche bis zur Berufswahl und der Bewerbung begleiten. Die erzielte Erfolgsquote, die vor allem Schülern mit weniger guten Noten zugute kam, liegt bei über 90 Prozent.

Kinder finden Paten bis zur Berufswahl

Davon könnten auch die teilnehmenden Kinder des Nachmittagstreffs profitieren. Ihnen will der Verein das Extra-Angebot machen, ab Klasse 8 nahtlos in "Jobs für Jugendliche" zu wechseln, um einen Wunschberuf zu finden, der ihren Neigungen und Fähigkeiten entspricht - auch wenn die zuvor üblichen Gemeinschaftstreffen zur Talentfindung noch nicht oder nur eingeschränkt möglich sein sollten. Untätig ist "Pfiffikus" trotz der Lockdown-Beschränkungen also nicht geblieben, auch nicht auf einem anderen Feld seiner Arbeit, dem  "Bildungscampus".

Dieser zentrale (Schul-)Treffpunkt ist ein Extra-Raum, in dem Schüler ungestört nach Berufswegen stöbern, unter Anleitung Bewerbungen schreiben oder Personalchefs nach ihrer Branche befragen  können. Nach dem Vorbild des Bildungscampus der Oberschule Pingel-Anton in den Räumen der Kreishandwerkerschaft ist in Lastrup eine Neugründung in Vorbereitung (om-online berichtete bereits): Die Gemeinde hat dazu in einem Neubau, der gerade errichtet wird, Räumen nahe der Oberschule angemietet.

Ein Unternehmen hat sich bereiterklärt, die Einrichtung eines dritten Bildungscampus im Kreisgebiet voll zu finanzieren, wo er am dringendsten benötigt wird, berichtet Clemens gr. Macke, der über seinen Beruf als Unternehmensberater Kontakte zu den Firmen pflegt. "Wir müssen die Wirtschaft mit ins Boot holen", unterstreicht der ehemalige Landtagsabgeordnete: "Wir brauchen diese Brücke ins Berufsleben." "Pfiffikus" könne mithelfen, solche Brücken zu bauen.


Kontakt und Information

Der vor 2 Jahren gegründete Verein für die berufliche Zukunft von Jugendlichen wird geführt von Herbert Feldkamp (Designer in Cloppenburg), Heidjer Schwegmann (Regionalleiter in der Jugendhilfe), Dorothee Ahrens (Steuerberaterin) Clemens gr. Macke (Landwirt und Unternehmensberater, Franz Wessendorf (Unternehmer), Neihard Varnhorn (Kreisrat), Hendrik Tenorth (ehemalige Schulleiter in Quakenbrück). Der Kontakt: Herbert Feldkamp, Tel 04471- 5409, www.pfiffikus-bildung.de.

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