"Namaste!“ So sind die Essener Senioren bisher noch nicht begrüßt worden. Zum ersten Mal seit März fand jetzt wieder eine Zusammenkunft im Saal des „Hotels zum Rathaus“ in Essen statt. Pastor Pater Dhaman stellte dort in einem Vortrag sein Heimatland Indien vor, das im Norden vom Himalaya und im Süden vom Indischen Ozean begrenzt wird.
Dhaman wurde in Vizianagaram geboren
Mit über 1,3 Milliarden Einwohner ist Indien nach China das bevölkerungsreichste Land, „mit sehr viel multi-kulti, vielen Sprachen und Religionen“, so der Pater. Über 20 Sprachen zählte Pater Darman auf, Amtssprachen seien jedoch Hindi und Englisch. Mit fast 80 Prozent ist der Hinduismus die größte Religion, gefolgt von etwa 11,6 Prozent der Bevölkerung die dem Islam als Religion folgen. Der Anteil der Christen mit etwa 2,6 Prozent und rund 260 Millionen Christen fällt daher eher klein aus.
Die Bevölkerung besteht nach dem Vortrag von Pater Dhaman zu etwa 60 Prozent aus Bauern. Zehn Prozent gehören zu den Reichen im Land, 44 Prozent der Einwohner haben weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Trotz einer verbesserten Ernährungssituation sei noch immer mehr als ein Viertel der Bevölkerung zu arm, um sich ausreichend ernähren zu können.
Pater Dhaman wurde in Vizianagaram im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh geboren. Sein heute 94-jähriger Vater war als Schulleiter tätig. In Indien besteht eine allgemeine Schulpflicht von sechs bis 14 Jahren. Die über 750 Universitäten und mehr als 41000 Colleges werden von über 28 Millionen Studierenden besucht. Viele der Studenten gehen schon früh in die USA, um später als Softwareentwickler zu arbeiten, da Softwareprodukte aus Indien weltweit bekannt sind und exportiert werden. „In Zeiten der Globalisierung versucht jeder eine gute Ausbildung und damit ein besserer Leben zu bekommen“, erläuterte der Geistliche.
Roter Punkt wird traditionell von verheirateten Frauen getragen
Pater Dhaman gab danach einen Einblick in das Kastenwesen. So verstehen sich die Brahmanen als die intellektuelle Elite, darunter auch die Priester und weisen Menschen. Die Kshatriyas verstehen sich als traditionelle Krieger, Fürsten und höhere Beamten, die Vaishyas als Händler, Kaufleute und Landwirte und die Shudras sind Handwerker und Tagelöhner. Unter dem Kastensystem stehen die Paria oder „Unberührbaren“, die nur niedere Arbeiten verrichten.
Gerne beantwortete der Pater auch die Frage nach der Bedeutung des Stirnpunktes, der von vielen Frauen getragen wird. „Dieser rote Punkt wird traditionell von verheirateten Frauen getragen." Heute werden die „Bindis“ aber von allen Frauen getragen und seien ein modischer Punkt. „Also einfach Schmuck“, schmunzelte der Pater, der dem Orden der Missionare des hl. Franz von Sales (MSFS) angehört, der seinen Hauptsitz in Frankreich hat. Die Mitbrüder arbeiten weltweit, sind aber besonders in Indien tätig.
Willi Stolte vom Leitungsteam der Essener Seniorengemeinschaft bedankte sich abschließend für die Ausführungen von Pater Dhaman. Dass die Senioren die monatlichen Zusammenkünfte vermisst haben, zeigte sich an der guten Beteiligung an der Veranstaltung. Vor der Zusammenkunft im Hotel zum Rathaus hatte Pastor Pater Dhaman für die Senioren einen Gottesdienst in der St.-Bartholomäus-Pfarrkirche gefeiert. Für seine Bereitschaft, das auch zukünftig für die Senioren tun zu wollen, gab es viel Beifall.