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Pastor Schwartz über seine Weltanschauung

Sehr persönliche Ansichten – immer dieselben 10 Fragen: Dieses Mal: Der in Lastrup wohnende Pastor Jürgen Schwartz. Der 58-Jährige denkt über Konfessionen hinaus.

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Hat auf einer Reise sein „Schubladen-Denken“ abgelegt: Pastor Jürgen Schwartz. Foto: G. Meyer

Hat auf einer Reise sein „Schubladen-Denken“ abgelegt: Pastor Jürgen Schwartz. Foto: G. Meyer

Und? Wie ging es in letzter Zeit?
Das ist die Frage, worüber ich mich gefreut habe. Da gibt es vieles. So bin ich zum Beispiel darüber froh und dankbar, dass ganz unterschiedliche Menschen den „Treffpunkt Apfelgarten“ besuchen. Anfangs fragten einige an der Kirchentür: „Kann ich überhaupt hinein, obwohl ich katholisch bin?“ Darüber war ich zunächst erstaunt und verwundert, weil ich nie auf den Gedanken gekommen wäre, jemanden wegen seiner Konfession oder seines Glaubens abzuweisen. Viele Vorbehalte konnten in der Zwischenzeit abgebaut werden. Hier, in der evangelischen Kirche, ist jede und jeder herzlich willkommen, ob zum Konzert oder zur Lesung, ob zum Gottesdienst oder zum Gespräch. Über diese nach und nach gewordene Selbstverständlich bin ich froh und dankbar.

Was haben Sie sich einmal so richtig gegönnt?
Das war die Studienreise nach Indien 2019 mit Pfarrer Thomas aus Lindern. So viele Eindrücke und Bilder wirken in mir immer noch nach. Ich bin froh und dankbar, dass diese Fahrt – vor Corona – noch möglich war. Mein Blick auf die Welt und mein typisch „deutsches Schubladen-Denken“ hat sich durch die Eindrücke und Begegnungen verändert.

Wenn Sie König/in von Deutschland wären: Was gehört als Erstes abgeschafft?
Ich bin froh und dankbar, dass ich, dass wir in einer Demokratie leben – unter anderem mit Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit; mit einem funktionierenden Rechtsstaat und vielen anderen unverzichtbaren Bestandteilen eines freien Landes. Dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht größer wird, wünschte ich mir; dass die, die so leicht übersehen wurden und werden, dass die, die im Schatten und am Rande leben, weil sie keine Lobby haben, mehr Beachtung finden; dass die Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche aus „ärmeren“ Haushalten in die Tat umgesetzt wird.

Welchen Traum werden Sie sich als nächsten erfüllen (können)?
Ich würde zum einen einmal gerne nach Andalusien, in den Süden Spaniens reisen wollen, um an einer geführten Städtetour teilnehmen zu können: Die Begegnung von Judentum, Christentum und Islam hat sich dort in besonderer Weise unter anderem in Architektur und Malerei niedergeschlagen. Zum anderen würde ich mit der Transsibirischen Eisenbahn einmal Russland durchqueren wollen – mit vielen Zwischenstopps und Begegnungen.

Was tun Sie am liebsten?
Fahrrad fahren, spazieren gehen und lesen; Familie und Freunde zu Gast haben oder besuchen… und predigen und unterrichten. Wenn es stressig war, dann backe ich; das Kneten des Teigs entspannt; das Naschen zwischendurch lässt mich auf andere Gedanken kommen; der Duft von Kuchen oder Keksen aus dem Backofen, der sich in der Wohnung wohlig ausbreitet, setzt Glücksgefühle in Gang.

Welche Eigenschaften mögen Sie an sich selbst? Und welche nicht?
Ich habe ein Leitwort, das mir als Orientierung dient – in seinen Einzelteilen und in seiner Gesamtheit; es ist ein Liedvers; dieser findet sich sowohl im Evangelischen Gesangbuch als auch im katholischen Gotteslob; er stammt von Georg Neumark und lautet: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei Dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“

Welche TV-Sendung mögen Sie am liebsten?
Die 19-Uhr-„heute-Nachrichten“, „Die Sendung mit der Maus“, „Willi will's wissen“, „terra-X“, „Raumschiff Enterprise“ mit Captain Kirk und dem Ersten Offizier Spock… und dann Filme mit Robert Redford und Jack Nicholson.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal treffen?
Ich könnte viele große Namen aus Geschichte und Gegenwart nennen: den Philosophen Erasmus von Rotterdam, den Lieddichter Paul Gerhardt oder den Theologen Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher; und von den Lebenden Harald Lesch, den Astrophysiker und Philosophen, oder auch die langjährige Nachrichtensprecherin Petra Gerster mit ihrem Ehemann Christian Nürnberger. Aber viel schöner finde ich die Gespräche im Hier und Jetzt, wenn sie gelingen: wenn Anteilnahme und Interesse zu spüren sind; wenn Wertschätzung und Aufmerksamkeit das Miteinander befördern. Dann ist jedes Gespräch einfach genial gut, bereichernd und wirkt noch lange nach – wie der Duft von frisch eingefahrenem Heu; obwohl nichts mehr vom Heu zu sehen ist, erfüllt ein Wohlgeruch unsere Nase.

Was würden Sie gerne einmal wieder essen?
Frisch gekochte Nudelsuppe mit Eierstich und Hühnerfleisch, mit richtig dicken Fettaugen, ganz leicht gewürzt – wie in Kindheitstagen bei Mama daheim. Lecker.

Welches Thema bei OM-Medien hat Sie am meisten beschäftigt?
Aus der Fülle an Themen gehen mir zwei Themen immer wieder nahe: das eine sind die prekären Arbeitsbedingungen von Menschen im Niedrig-Lohn-Bereich, ob zum Beispiel in der Fleischindustrie, im Paketdienst oder bei Reinigungskräften; zum anderen die Gewalt gegenüber Frauen und Kindern. – Artikel 1 unseres Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“) bleibt – auch im Jahr 2022 – Mahnung und Verpflichtung zugleich – für jeden Menschen unseres Staates.


Zur Person:

  • Jürgen Schwartz ist evangelischer Pastor und 58 Jahre alt.
  • Er stammt aus der Nähe von Nordenham und wuchs nahe am Deich in Butjadingen auf.
  • Nach dem Studium der Evangelischen Theologie, der Soziologie und Diakoniewissenschaften wurde er 1991 ordiniert und war seitdem in verschiedenen Positionen und an unterschiedlichen Orten im kirchlich-diakonischen Bereich tätig.
  • Seit dem 1. Februar 2017 arbeitet er im gemeinsamen Pfarramt in Lastrup und in Lindern.

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