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Online-Handel: Wenn das Konto gehackt wird...

Ein gehacktes Konto beim Versandhändler? Das passiert doch nur anderen. Leider nicht. Noch schlimmer aber ist die anschließende Auseinandersetzung mit dem Konzern.

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Nicht bestellt: Ein gehacktes Amazon-Konto kann viel Ärger nach sich ziehen. Und teuer werden.	Foto/Montage: Wimberg

Nicht bestellt: Ein gehacktes Amazon-Konto kann viel Ärger nach sich ziehen. Und teuer werden. Foto/Montage: Wimberg

Zwei Dinge muss man vorweg schicken: Ich bin Nichtraucher und kaufe nur extrem selten etwas bei Amazon ein. Das letzte Mal im Mai 2019. Das Päckchen mit dem Amazon-Aufdruck außen und der E-Zigarette innen, das ich im Dezember erhielt, habe ich deshalb auch sofort zurück geschickt. In meiner Bestellhistorie bei Amazon war nichts dergleichen verzeichnet, eine Abbuchung hatte es weder bei Paypal noch bei meiner Kreditkarte gegeben. Also wohl falsch adressiert, dachte ich. Kommt vor, abhaken und vergessen.

Irrtum. Tatsächlich begann jetzt ein Kampf gegen Windmühlen, der bis heute anhält. Denn im Januar kam von Amazon eine Monatsrechnung für Dezember, verschickt von einem Finanzdienstleister, der Arvato Payment GmbH. Darin aufgelistet: mehrere Artikel, darunter auch die E-Zigarette für 46,80 Euro, fein säuberlich als Retoure vom Gesamtbetrag abgezogen. Blieben 132,98 Euro. Mein erster Gedanke: Dein Amazon-Konto wurde gehackt.

Anruf bei Amazon. Und in der Tat: Jemand hat auf meinen Namen und mit meiner Rechnungsadresse ein neues Konto angelegt, per „Monatsrechnung“ bei Amazon eingekauft, die Rechnung an mich und die bestellten Waren an eine andere Adresse schicken lassen. Nur bei der E-Zigarette ging irgendwas schief, die landete bei mir. Die gute Nachricht: „Wir haben das betreffende Konto identifiziert und geschlossen“, schreibt Amazon per Mail am 29. Januar. „Bitte ignorieren Sie unsere Zahlungsaufforderung, es besteht kein Handlungsbedarf.“ Alles gut also.

Von wegen. Am 6. Februar liegt die Mahnung von Arvato im Briefkasten. Jetzt sind fünf Euro Verzugspauschale hinzugekommen. Macht 137,98 Euro.

Nächster Anruf. Und wieder kommt eine Mail, dass alles in Ordnung sei, und wieder kommt kurz darauf Post. Diesmal von einem Inkassobüro im Auftrag der Arvato Payment Solutions GmbH, die ihrerseits ja im Auftrag von Amazon handelt. Inzwischen soll ich 208,85 Euro zahlen, 4,12 Prozent Zinsen inklusive. Für Waren, die ich nie bestellt und nie bekommen habe und laut schriftlicher Bestätigung des Versandunternehmens auch nicht bezahlen muss.

Per Einschreiben lege ich Widerspruch bei Arvato und bei dem Inkassobüro ein. Eine Antwort steht noch aus. Auch auf meine Presseanfragen, die ich am Montagnachmittag an Amazon und am Mittwoch an Arvato schicke, habe ich bislang keine Rückmeldung bekommen.

Der nächste Anruf geht deshalb an einen Rechtsanwalt. „Erstellen Sie sofort Strafanzeige bei der Polizei“, sagt Gerd-Michael Lindner. „Man weiß nie, ob und was da noch kommt.“ Mit einer Anzeige mache man offiziell deutlich, dass man betrogen wurde und könne im schlimmsten Fall später nachweisen, dass man frühzeitig tätig geworden ist. Außerdem könnten die Strafverfolgungsbehörden die dort verfügbaren Daten des Hackers bei Amazon anfordern und so gegebenenfalls Anklage erheben beziehungsweise weitere Taten verhindern.

Auch die Polizei, die ich daraufhin natürlich kontaktiere, rät zur Anzeige. „Das gilt insbesondere dann, wenn bereits Bestellungen vom Angreifer getätigt wurden“, sagt Andreas Bonk, der Beauftragte für Kriminalprävention der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta. Und natürlich solle ich sofort mein Passwort ändern und sämtliche Geräte, mit denen ich online bin, auf Viren scannen.

Habe ich natürlich schon gemacht. Und wenn der Spuk zu Ende ist, gehe ich noch einen Schritt weiter: Dann kündige ich mein Amazon-Konto. Für die eine Bestellung im Jahr lohnt es sich ohnehin nicht.

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