Nordwestbahn: Zukunft auf Gleis 1 heute 10 Jahre später
Gästebuch: Wie die Redaktion jetzt erfahren hat, soll die Nordwestbahn bis in die 2030er-Jahre als Museumszug verkehren.
Stefan Freiwald | 21.01.2026
Gästebuch: Wie die Redaktion jetzt erfahren hat, soll die Nordwestbahn bis in die 2030er-Jahre als Museumszug verkehren.
Stefan Freiwald | 21.01.2026

Auf der oldenburgsche Eisebahne gibt's gar viele Haltstatione: Wildeshausen, Osnabrück, Rechterfeld und Quakenbrück. Und da kann dem Fahrgast schon einmal kalt werden – nicht nur im Herzen, auch ganz praktisch. Besonders, wenn der Zug irgendwo zwischen Kleinkleckersdorf und Sankt Nimmerlein stehen bleibt, weil er auf den entgegenkommenden Triebwagen wartet, die Heizung den Dienst quittiert und das Smartphone zur Ablenkung ebenfalls. Egal: Es gibt ja sowieso weder W-LAN noch Steckdosen. So können die Menschen – ganz wie auf der Schwäbsche Eisebahne – die Fahrt genießen, aus dem Fenster schauen und die unendlichen Weiten des Nordwestens bewundern. Trulla, trulla, trullala. Wie die Redaktion erfahren hat, strebt die Betreiberfirma Transdev nun eine revolutionäre Strategie an, um das Fahrerlebnis zu verbessern. Da neue Fahrzeuge, ein zweites Gleis und elektrische Oberleitungen noch bis in die 2030er-Jahre auf sich warten lassen (also: „bald“), soll die Nordwestbahn bis dahin als Museumszug verkehren. „Wir erfüllen bereits heute ohne großen Aufwand alle Anforderungen an historischen Eisenbahnverkehr aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts“, heißt es in einem internen Vermerk. Man müsse das Produkt nur endlich richtig benennen: nicht Verspätung, sondern Zeitreise. Nächster Halt: 1907. „Pannen sind bei der guten alten Technik so gut wie ausgeschlossen. Die Pünktlichkeitsquote ließe sich so problemlos auf mehr als 50 Prozent hochschrauben, glaubt der Vorsitzende der Eisenbahnfreunde.“ Das Einzige, was noch fehle, sei eine echte Dampflokomotive. Derzeit laufen Gespräche zwischen Nordwestbahn und dem Verein „Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde“. So könnte der Betreiber bei den Eisenbahnfreunden die historische Dampflok „Jan Harpstedt“ mieten und – als modulares Upgrade – vor die Triebwagen hängen. Das hätte einen weiteren Vorteil: Pannen sind bei der guten alten Technik so gut wie ausgeschlossen. Die Pünktlichkeitsquote ließe sich so problemlos auf mehr als 50 Prozent hochschrauben, glaubt der Vorsitzende der Eisenbahnfreunde. „Wir sprechen hier von historischer Präzision.“ Kaputte Sitze möchte die Nordwestbahn künftig durch Holzbänke ersetzen, um das historische Gefühl noch zu verstärken. Das ist nicht nur authentisch, sondern auch vandalismussicher: Auf Holz kann man nicht so schön Polster aufschlitzen. Höchstens Erinnerungen einritzen. Als Nächstes sei – so wird gemunkelt – ein „Premium-Abteil“ geplant: mit Lehne. Bleibt das Problem der unzureichenden Kommunikation, wie es der Nordwestbahn immer wieder vorgeworfen wird. Doch auch das lasse sich lösen, versprechen die Eisenbahnfreunde. Vor jedem Bahnhof tutet die Lok so laut, dass alle wissen: In wenigen Minuten könnte der Zug eintrudeln. Außerdem ist der Dampf kilometerweit zu sehen. So sei man vollständig unabhängig von unzuverlässiger digitaler Technik. Und wer trotzdem eine Durchsage vermisst, bekommt sie im Originalton der Epoche: als Gerücht am Bahnsteig. Trulla, trulla, trullala.Zur Person:
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