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Neustart nach Corona-Lockdown: So bereiten sich die Händler in Vechta und Lohne vor

Voraussichtlich am Freitag (21. Mai) dürfen alle Geschäfte im Landkreis Vechta wieder öffnen. Die Kaufleute fiebern diesem Moment entgegen. Testangebote werden geschaffen, für die Luca-App geworben.

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Beim Schaufensterbummel soll es nicht bleiben. Wenn sich die Inzidenzzahlen weiter so positiv entwickeln, können die Geschäfte, wie hier auf der Großen Straße in Vechta, in wenigen Tagen ihre Türen öffnen. Foto: Speckmann

Beim Schaufensterbummel soll es nicht bleiben. Wenn sich die Inzidenzzahlen weiter so positiv entwickeln, können die Geschäfte, wie hier auf der Großen Straße in Vechta, in wenigen Tagen ihre Türen öffnen. Foto: Speckmann

Es wird ein großer Tag für die Geschäftswelt im Landkreis Vechta: Nach mehr als 5 Monaten Corona-Lockdown bereitet sich der Einzelhandel in den 10 Städten und Gemeinden auf den lang ersehnten Neustart vor. Voraussichtlich ab Freitag (21. Mai) dürfen die Läden und Geschäfte wieder öffnen.

Damit die bundesweite Corona-Notbremse aufgehoben werden kann und Lockerungen bei den Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen greifen, muss der Landkreis Vechta an 5 aufeinanderfolgenden Werktagen – Sonn- und Feiertage zählen nicht mit – bei der 7-Tage-Inzidenz die 100er-Marke unterschreiten. Am Dienstag meldete das Robert-Koch-Institut einen Inzidenzwert von 78,4. Damit sieht derzeit alles danach aus, als ob am Mittwoch dieser 5. Werktag unter 100 erreicht wird.

Wie Kreissprecher Jochen Steinkamp auf Nachfrage mitteilt, veröffentlicht der Landkreis voraussichtlich am Donnerstag (20. Mai) eine neue Allgemeinverfügung, die als Voraussetzung dafür gilt, dass die "Bundes-Notbremse" gelöst werden kann. Die Verordnung tritt dann am Freitag in Kraft. Auf diesen Moment fiebern die Einzelhändler hin. In Vechta und Lohne laufen seit einigen Tagen in den Geschäften die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung. Ein Überblick über die wichtigsten Themen:

Das Schönste an Lohne ist das Wir: Unter diesem Motto präsentierten sich (von links) Petra Bothfeld, Jutta Prüne, Petra Bünker-Pentzlin, Ruth Sattler und Nicki Rösener zum Neustart. Foto: VölkerDas Schönste an Lohne ist das Wir: Unter diesem Motto präsentierten sich (von links) Petra Bothfeld, Jutta Prüne, Petra Bünker-Pentzlin, Ruth Sattler und Nicki Rösener zum Neustart. Foto: Völker

Die Vorfreude

"Wir sind mit neuen Möglichkeiten gesegnet, die wir seit Mitte Dezember nicht mehr hatten", freut sich Vechtas Bürgermeister Kristian Kater (SPD) auf den bevorstehenden Restart. Entscheidend sei es, den Spagat so hinzubekommen, dass Betriebe und Bürger in den Genuss der neuen Freiheiten kämen, die Beteiligten sich aber nicht so weit aus dem Fenster lehnten, dass die Inzidenzzahlen wieder in die Höhe gingen.

Nicki Rösener, Leiterin des Citymarketings des Handels- und Gewerbevereins Lohne, berichtet von einer großen Motivation bei allen Einzelhändlern. "Alle wollen, alle freuen sich." Die Ungewissheit und Unplanbarkeit habe arg an den Nerven gezerrt. "Es herrschte große Unzufriedenheit." Jetzt zeichne sich Licht am Ende des Tunnels ab. Rösener spricht von einer spürbaren "Aufbruchsstimmung".

Die Testkapazitäten

Laut Bürgermeister Kristian Kater wird in Absprache mit dem Landkreis Vechta ein zusätzliches Testzentrum in Vechta eingerichtet, um die zu erwartende steigende Nachfrage zu bewältigen. Bisher können Bürger in der Geschwister-Scholl-Oberschule kostenlose Schnelltests machen lassen. Mit dem Metropol-Theater soll ein zentral gelegener Standort hinzukommen. Ausreichend Parkplätze stehen am Neuen Markt zur Verfügung, die Wege zur Vechtaer Einkaufsmeile sind kurz.

Eine Anmeldung wird nicht erforderlich sein, teilt Verwaltungsmitarbeiterin Nicole Helis mit. Das Zentrum soll montags bis samstags, jeweils vormittags, sowie mittwochs bis freitags auch nachmittags geöffnet sein. Möglicherweise können am Wochenende noch weitere Zeiten hinzukommen. Vorgesehen ist zunächst eine Teststraße, in der 60 Tests pro Stunde durchführbar sind. Die Organisation sollen Malteser und Deutsches Rotes Kreuz übernehmen.

Der Stadtmarketingverein "Moin Vechta" begrüßt das innenstadtnahe Testangebot und weist darauf hin, dass sich die Kunden selbstverständlich auch an anderer Stelle testen lassen könnten, etwa in den ortsansässigen Apotheken oder auch in den Betrieben, die entsprechende Zertifikate ausstellen würden. Die Vorlage eines negativen Ergebnisses ist nötig, um Geschäfte und Gastronomie betreten zu können. Außerdem ist der Zugang für geimpfte und genesene Menschen erlaubt.

Bis zu 1.000 Tests täglich in der neuen Teststation

Auch in Lohne werden in Ergänzung zum kommunalen Testzentrum im Lohneum die Testkapazitäten ausgebaut. Daniel Dauny richtet in seinem Sonnenstudio "Die Insel" an der Vogtstraße in enger Abstimmung mit der Stadt eine Corona-Teststraße ein. "Wir haben eine Beauftragung vom Landkreis Vechta erhalten. Es stehen 10 Kabinen zur Verfügung. So können wir täglich zwischen 700 und 1.000 Personen testen", sagt er. Die Organisation übernehmen medizinisches Fachpersonal sowie geschulte Mitarbeiter von Dauny. Insgesamt werden etwa 20 Personen im Einsatz sein.

Start ist bereits an diesem Mittwoch. Die Öffnungszeiten: wochentags von 6 bis 17 Uhr. Am Pfingstwochenende können sich Menschen von 6 bis 13 Uhr testen lassen. Dauny sagt: "Das Angebot läuft ohne Termin und ist kostenlos. Das Testergebnis erhalten die Besucher im Anschluss direkt aufs Handy." Damit werde die Wartezeit minimiert. Dauny kündigt an, für Vechta und Damme ebenfalls die Einrichtung eines Testzentrums beantragen zu wollen.

Ein weiteres Testangebot wird voraussichtlich ab kommender Woche beim Modehaus Leffers geschaffen. Wie Geschäftsführer Christian Kunstmann mitteilt, soll an der Bahnhofstraße dann eine Drive-Through-Teststation entstehen. "Das ist natürlich extrem komfortabel", sagt er mit Blick auf die Möglichkeit, einfach mit dem Auto oder Fahrrad durch die Teststraße fahren und das Ergebnis eine Viertelstunde später auf dem Smartphone abrufen zu können.

Ruth Sattler ist bereit. Die Lohner Einzelhändlerin freut sich darauf, voraussichtlich ab Freitag (21. Mai) wieder ihr Geschäft öffnen zu dürfen. Foto: TimphausRuth Sattler ist bereit. Die Lohner Einzelhändlerin freut sich darauf, voraussichtlich ab Freitag (21. Mai) wieder ihr Geschäft öffnen zu dürfen. Foto: Timphaus

Die Kontaktverfolgung

Sowohl in Vechta als auch in Lohne setzt der Einzelhandel auf die Luca-App zur Kontaktverfolgung. Rösener sagt, der Lohner Handels- und Gewerbeverein gebe eine klare Empfehlung zur Installation dieser App. "So können sich Besucher schnell und sicher registrieren." Ihr sei bewusst, dass es ein Für und Wider zur Nutzung gebe, aber letztlich sei dies die praktikabelste Lösung, um die Zettelwirtschaft zu beenden und den Prozess zu digitalisieren. Über den Kauf und Einsatz von Luca-Schlüsselanhängern werde intern noch diskutiert, sagt die Leiterin des HGV-Citymarketings. "Die Tendenz ist eher Nein."

Kunstmann outet sich als "Luca"-Fan. Der Lohner Leffers-Geschäftsführer empfiehlt Kunden, sich die App bereits vor der Shoppingtour zu Hause herunterzuladen. "Das würde den Ablauf ungemein vereinfachen."

In Vechta haben sich viele Geschäfte bereits auf die Luca-App eingestellt

Der Vorsitzende des Vechtaer Stadtmarketingvereins, Peter gr. Beilage, bittet um Verständnis, falls die ersten Tage im Einzelhandel noch nicht wie gewohnt laufen. Die Kunden müssten am Anfang mit Einschränkungen rechnen, denn die Abläufe müssten sich erst einspielen, etwa die Kontrollen an den Eingängen. Vor diesem Hintergrund wäre es hilfreich, wenn die Besucher die Luca-App nutzen würden. In vielen Geschäften sei das digitale System zur Kontaktermittlung bereits installiert oder in der Vorbereitung.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt Vechta unterstützt Betriebe und auch Bürger bei der Digitalisierung. Aufgrund der großen Nachfrage findet an diesem Mittwoch von 17 bis 18 Uhr eine weitere Online-Veranstaltung zum Thema "Wie funktioniert die Luca-App für Endnutzer?" statt. Bereits von 8 bis 9 Uhr können sich heimische Unternehmen in einer Videokonferenz über digitale Terminbuchungssysteme informieren. Anmeldungen für beide Angebote sind noch kurzfristig im Rathaus per E-Mail wirtschaft@vechta.de möglich.

Die weiteren Pläne

"Unsere ersten Maßnahmen zielen darauf ab, Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu schaffen. Die Menschen sollen sich wohlfühlen", erklärt gr. Beilage. Der Stadtmarketingverein will in den nächsten Wochen wieder die "Moin Vechta-Gärten" an verschiedenen Standorten aufbauen und auch Musik in die Stadt bringen. Bereits in diesen Tagen wird der städtische Bauhof insgesamt 75 Blumenampeln an den Einkaufsstraßen aufhängen.

"Was wir jetzt nicht machen werden, ist, einen offenen Sonntag nach dem anderen zu planen. Wir wollen keine Menschenmassen in die Stadt holen. Das können wir im Moment nicht gebrauchen", betont gr. Beilage. Es gehe zunächst darum, sich langsam an die neue Situation heranzutasten und sich Schritt für Schritt so zu präsentieren, wie es die Kunden früher gewohnt gewesen seien.

Auch das HGV-Citymarketing plant coronakonforme Aktionen. Rösener mahnt jedoch, dass bei aller Vorfreude über die Rückkehr zu einer gewissen Normalität die Gesundheit weiterhin im Fokus stehe. "Das dürfen wir nicht außer Acht lassen. Sonst steigen die Zahlen."

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