Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Neue Ausstellung: Steinzeit findet Platz in der Oberschule

Die Schau ermöglicht einen Einblick in die Frühgeschichte Lastrups. In 5 Jahren soll sie ins Bürgerhaus wandern.

Artikel teilen:
Erste Ausstellung (von links): Annika Liebig, Sandra Obermeyer, Michael Kramer, Dirk Zumdohme und Geschichtslehrer Timo Gänsler freuen sich, dass es geklappt hat. Foto: G. Meyer

Erste Ausstellung (von links): Annika Liebig, Sandra Obermeyer, Michael Kramer, Dirk Zumdohme und Geschichtslehrer Timo Gänsler freuen sich, dass es geklappt hat. Foto: G. Meyer

Wie die Ur-Lastruper vor rund 5000 Jahren aussahen, ist nicht bekannt. Welche Gegenstände sie täglich nutzten, dagegen schon. Artefakte aus der Jungsteinzeit, die in den vergangenen Jahrzehnten in der Gemeinde gefunden wurden, gibt es nämlich reichlich. Sie lagerten bislang aber überwiegend in den Depots des Landesamtes für Denkmalpflege oder in denen des Cloppenburger Museumsdorfes. Das hat sich jetzt geändert.

In großen Glasvitrinen im Obergeschoss der Oberschule sind seit Kurzem einige der schönsten Fundstücke zu sehen. Initiatorin der Ausstellung, die nach 5 Jahren ins Bürgerhaus umziehen soll, ist Sandra Obermeyer. Die Pädagogin wollte den Schülern in Lastrup die eigene Vergangenheit zugänglich machen. "Meines Wissens hat das bisher noch keine Schule in unserer Region gemacht", sagt sie.

Schulleiter Dirk Zumdohme war von der Idee sofort angetan und stellte aus dem Schulbudget die nötigen Mittel zur Verfügung. Nun fehlte nur noch eine fähige Kuratorin, die die Sammlung zusammenstellen und katalogisieren würde. Die Aufgabe übernahm Archäologie-Studentin Annika Liebig. Die 24-Jährige arbeitete die Vorzeit Lastrups medienpädagogisch auf. "Sie hat dabei großes Engagement gezeigt", lobt Obermeyer.

5000 Jahre alt: Die Gefäßteile stammen aus der Jungsteinzeit. Foto: Meyer5000 Jahre alt: Die Gefäßteile stammen aus der Jungsteinzeit. Foto: Meyer

In der Jungsteinzeit wurden die Menschen nach und nach sesshaft. Sie begannen mit dem Ackerbau und züchteten die ersten Haustiere.  Die frühesten Zeugnisse dafür finden sich im Nahen Osten; ihre Herstellung reicht rund 10.000 Jahre zurück. Während sich dort die ersten Hochkulturen bildeten, ging es im kalten Norden deutlich langsamer voran. Trotzdem faszinieren die aus der Zeit um 3000 vor Christi Geburt stammenden Steinbeile, Tonscherben und zum Teil rekonstruierten Keramiken. "Sie beweisen, dass die landläufige Meinung, hier sei doch nichts los gewesen, einfach nicht stimmt", betont Sandra Obermeyer. 

Die älteren Ausstellungsgegenstände lassen sich der sogenannten Trichterbecherkultur zuordnen, erklärt Annika Liebig. Ihren Namen hat sie von den trichterförmigen Gefäßen erhalten, die sowohl zum Kochen als auch als Schmuckobjekte genutzt wurden. Die Kultur dehnte sich von den heutigen Niederlanden bis  nach Südskandinavien und Osteuropa aus.

Gefunden wurden die Stücke überwiegend bei Ausgrabungen in künftigen Bau- und Gewerbegebieten. Manches stammt auch aus deutlich jüngeren Epochen. So fanden die Bodendenkmalpfleger 2020 bei Prospektionen am Heiddresch mehrere Spinnwirtel aus dem ersten Jahrhundert nach Christi. Die „Schwunggewichte“ wurden vor der Erfindung des Spinnrades für das Spinnen von Wolle in der Hand benutzt. "Ihre Existenz belegt, dass hier auch handwerkliche Tätigkeiten ausgeübt wurden", sagt Liebig. 

Zeugnis der Vergangenheit: Das Großsteingrab ist über die Straße Kirschgarten zu erreichen. Foto: MeyerZeugnis der Vergangenheit: Das Großsteingrab ist über die Straße "Kirschgarten" zu erreichen. Foto: Meyer

Die Kuratorin wird die Vitrinen noch mit QR-Codes ausstatten, über die per Smartphone Audio-Informationen abgerufen werden können. Das Modell eines jungsteinzeitlichen Langhauses soll ebenfalls hinzukommen. Bürgermeister Michael Kramer geht davon aus, dass die Leihgaben dauerhaft in Lastrup bleiben werden. Für ihn gehören sie in den Ort und ergänzen die  Großsteingräber in Oldendorf und an der Straße am Kirschgarten.

Mit dem Bürgerhaus  stehe zur Aufbewahrung ein geeignetes Domizil zur Verfügung. Möglicherweise kann es irgendwann auch mehrere frühzeitliche Graburnen beherbergen, die – zufällig auf einem Acker entdeckt – zu den bedeutendsten Funden in Lastrup gehören. Die gut erhaltenen Behältnisse seien allerdings so zerbrechlich, dass sie bis auf Weiteres in Oldenburg bleiben müssen, erklärt Kramer.

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Neue Ausstellung: Steinzeit findet Platz in der Oberschule - OM online