Neuanfang wagen!
Die Osterbotschaft von Weihbischof Wilfried Theising: Gesellschaft und Kirche sind aktuell sehr verunsichert. Gerade deswegen passt die Ostergeschichte in die Zeit.
Wilfried Theising | 05.04.2026
Die Osterbotschaft von Weihbischof Wilfried Theising: Gesellschaft und Kirche sind aktuell sehr verunsichert. Gerade deswegen passt die Ostergeschichte in die Zeit.
Wilfried Theising | 05.04.2026

Die Nachrichten dieser Tage lassen uns nicht los: Die Konflikte im Nahen Osten wollen nicht enden, die Ukraine ringt um ihre Zukunft, und selbst über sicher geglaubte Bündnisse wächst der Zweifel. Künstliche Intelligenz bringt uns Fortschritt, doch wir erahnen bereits das enorme Potenzial für Missbrauch und Manipulation. Was gestern noch sicher schien, steht heute auf dem Prüfstand. Viele Menschen spüren eine tiefe Verunsicherung. Nicht nur wegen der großen Weltpolitik, sondern auch in ihrem Alltag: Wird mein Arbeitsplatz sicher bleiben? Werde ich ausreichend Rente bekommen? Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern? Worauf können wir uns überhaupt noch verlassen? Auch als Kirche erleben wir, wie alte Sicherheiten schwinden. Wir werden zahlenmäßig weniger. Hauptamtliche Seelsorgende ebenso wie getaufte Christen. Der christliche Glaube und kirchliche Institutionen scheinen an Relevanz zu verlieren. Im Offizialatsbezirk Oldenburg haben wir daraufhin nach mehrjähriger intensiver Arbeit unsere pastoralen Strukturen neu geordnet. Pfarreien kooperieren jetzt in größeren Pastoralen Räumen. Was Generationen von Gläubigen als vertraute Struktur kannten, hat sich verändert. Es ergeben sich neue Chancen, aber ehrlich gesagt verunsichert es auch. Doch genau in dieser Erfahrung berühren wir das Herz des Osterfestes. Die Jünger Jesu kannten diese Erschütterung existenziell. Ihr Meister, ihre Hoffnung, ihre Gewissheit – alles war am Kreuz gestorben. Sie saßen hinter verschlossenen Türen, gelähmt von Angst und Ratlosigkeit. Alles schien verloren. Genau darin liegt die österliche Verheißung für unsere Zeit. Gott verspricht uns nicht, dass alles beim Alten bleibt, die Krisen verschwinden und wir in vertraute Sicherheiten zurückkehren können. Aber er verspricht, dass er durch Krisen und Sterben hindurch in etwas Neues führt, etwas, das wir uns jetzt noch nicht vorstellen können, das aber von Leben erfüllt ist. „Klagen wir Gott das Leid, das wir sehen und das uns empört. Aber bleiben wir nicht in der Lähmung stehen.“ Das gilt für die große Weltpolitik genauso wie für uns persönlich und unsere Kirche. In allen Krisen, Katastrophen und Unsicherheiten ist die Auferstehung Jesu keine billige Vertröstung. Sie ist das trotzige Bekenntnis, dass Zweifel, Scheitern und Tod nicht das letzte Wort haben, dass Zerstörung nicht stärker ist als Gottes schöpferische Kraft. Und für die katholische Kirche hier im Oldenburger Land? Die neuen Pastoralen Räume sind keine Notlösung, sondern können – wenn wir es zulassen – Orte der Auferstehung werden. Räume, in denen Christen gestärkt werden, weil sie sich austauschen, voneinander lernen und gemeinsam Wege gehen, die es so noch nie gab. Es braucht Mut und die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, ohne schon jetzt zu wissen, wie das Neue genau aussehen wird. Die Osterbotschaft sagt: Dieser Mut lohnt sich. Nicht, weil wir die Zukunft in der Hand hätten, sondern weil Gott sie in seiner Hand hält. Der Auferstandene geht uns voraus. Für die kommenden österlichen Tage lade ich Sie ein, ehrlich auf das zu schauen, was sich verändert und uns verunsichert – in der Welt, in unserem Leben, in unserer Kirche. Benennen wir die Ängste, die uns umtreiben. Klagen wir Gott das Leid, das wir sehen und das uns empört. Aber bleiben wir nicht in der Lähmung stehen. Wagen wir den Neuanfang, den Gott uns schenken will. Nicht als Flucht vor der Realität, sondern als Kraft, in ihr zu bestehen. Dietrich Bonhoeffer formulierte: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ Öffnen wir die verschlossenen Türen unserer Ängste, denn der Auferstandene steht mitten unter uns und spricht: „Friede sei mit euch. Fürchtet euch nicht.“ Die Welt mag wanken, aber der Grund, auf dem wir stehen, trägt. Frohe Ostern!
Und dann geschah das Unfassbare: Die Auferstehung brach in ihre Verzweiflung ein. Aber – und das wird oft übersehen – Ostern bedeutete für die Jünger nicht die Wiederherstellung der alten Ordnung. Jesu Auferstehung war kein Zurück oder Weiter so, sondern ein radikal Neues. Die Jünger mussten lernen, auf völlig andere Weise zu glauben, zu hoffen, zu leben.Zur Person:
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