Nachhaltigkeit – dann aber richtig!
Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – "In großen Dingen genügt es, gewollt zu haben." Das gilt leider offensichtlich auch, wenn man nachhaltig handeln will.
Elisabeth Schlömer | 28.09.2023
Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – "In großen Dingen genügt es, gewollt zu haben." Das gilt leider offensichtlich auch, wenn man nachhaltig handeln will.
Elisabeth Schlömer | 28.09.2023

Nichts ahnend sitzt man beim Frühstück. Schon ist es passiert. Ein Wasserglas kippt um und alles ergießt sich über das Handy. Da hilft nur eins: Das Smartphone schnellstens wieder trocken legen. Das hat mir mein Gerät gerettet. Die durch den täglichen Gebrauch aber ohnehin schon ramponierte Schutzhülle blieb dabei auf der Strecke. Eigentlich kein großes Malheur. Am nächsten Tag einfach ein Fachgeschäft ansteuern und eine neue Hülle kaufen. Im Laden quollen die Auslagen und Regale vor Schutzhüllen nur so über. Aber für mein Modell konnte ich nichts finden. Ich habe mich dann vertrauensvoll an einen freundlichen Mitarbeiter gewandt. Voller Tatendrang begann der mit der Suche. Als ich ihm dann beiläufig sagte, das Gerät sei schon 5 Jahre alt, änderte sich das schlagartig. Keine Suche mehr, nur noch ein mitleidiger Blick. Und dann die Auskunft: „Tut mir leid, für so ein altes Gerät führen wir keine Schutzhüllen! Vielleicht darf´s ja auch mal was Neues sein“? Da wusste ich Bescheid. Für mein Gegenüber war ein nicht mehr brandaktuelles aber noch tadellos funktionierendes Mobiltelefon nur noch ein Fall für den Elektroschrott! Nachhaltigkeit hin oder her. Und egal, ob dadurch Rohstoffe und Ressourcen sinnlos verschwendet werden. „Nachhaltigkeit scheint keine Konjunktur zu haben. Viel darüber zu reden, dient wohl eher eher dazu, das schlechte Gewissen zu beruhigen.“ In meiner Kindheit habe ich das Kontrastprogramm zu dieser Einstellung kennengelernt. Etwas wegzuwerfen, was noch funktionierte oder seinen Zweck erfüllte? Völlig unmöglich! Es war selbstverständlich, die abgelegten Klamotten meiner älteren Cousinen nachzutragen. Auch wenn ich gerne etwas Neues gehabt hätte. Aber für mich war eben Second Hand angesagt. Als ich irgendwann zum Geburtstag ein Kinderfahrrad bekam, lief es nicht viel anders. Um mir das gebrauchte und nicht mehr ganz ansehnliche Teil ein bisschen schmackhafter zu machen, bekam es für ein paar Mark ein neues, buntes Schutznetz. Das war's dann auch mit dem aufpimpen. In der Bäckerei meiner Eltern ein ähnliches Bild. Die Kunden kamen mit Stoffbeuteln, Taschen und Einkaufsnetzen. Es wurde Verpackungsmaterial eingespart, wo es nur ging. Zu unserem Sortiment gehörten damals auch noch „Kolonialwaren“. Für ihren Transport wurden häufig Behälter und Kannen mitgebracht. Von Verpackungsmüll keine Spur. Kein großes Gerede über die Nachhaltigkeit. Sie wurde einfach praktiziert! Als ich neulich beim Bäcker Brötchen lose mitnehmen wollte, war die Antwort der Verkäuferin: „Dürfen wir leider nicht“! Ich weiß nicht, ob das stimmt. Durch die Flut immer neuer Regelungen war sie offenbar massiv verunsichert. Sie wollte wohl nur auf Nummer sicher gehen. Nachhaltigkeit scheint keine Konjunktur zu haben. Viel darüber zu reden, dient wohl eher eher dazu, das schlechte Gewissen zu beruhigen. Frei nach dem Motto: „In großen Dingen genügt es, gewollt zu haben!" Ach übrigens: Mein Handy habe ich behalten und eine neue Schutzhülle hat es auch!
Zur Person:
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