Nach Verkauf ist Zukunft für viele ungewiss
Der Strücklinger Hof ist verkauft und wird abgerissen. Das bedeutet auch Einschnitte für den Wohnmobilstellplatz, den Wassersportverein sowie Paddel- und Pedalstation.
Astrid Fertig | 01.09.2020
Der Strücklinger Hof ist verkauft und wird abgerissen. Das bedeutet auch Einschnitte für den Wohnmobilstellplatz, den Wassersportverein sowie Paddel- und Pedalstation.
Astrid Fertig | 01.09.2020

Wird abgerissen: der Strücklinger Hof. Das bedeutet auch Einschnitte für viele andere Menschen. Foto: Fertig
Die Nachricht, dass Maria und Bernhard Helmke ihr Landgasthaus, den Strücklinger Hof, verkauft haben und der neue Besitzer das Gebäude abreißen lassen wird, hat eine Welle von Reaktionen ausgelöst. Viele Menschen sprachen das Wirtsehepaar direkt darauf an, viele andere kommentierten die Entwicklung in den sozialen Netzwerken. Etliche drückten ihr Bedauern darüber aus, dass das Lokal, in dem sie schöne Stunden verbracht haben, nun für immer seine Türen schließt. Der Landgasthof im Herzen des Dorfes besteht seit 1863. „Mich haben viele Leute angesprochen und gefragt, ob sie uns gratulieren oder kondolieren sollen“, berichtet Maria Helmke. Sie ist selbst hin- und hergerissen. Einerseits sei sie froh, dass der Verkauf endlich geglückt ist, andererseits traurig, dass damit der Abriss ihres Elternhauses verbunden ist. „Die vergangenen Tage herrschte Ausnahmezustand bei uns.“ „Die vergangenen Tage herrschte Ausnahmezustand bei uns“, sagt die Wirtin. Eine Menge Menschen meldeten sich bei ihr, um Interesse am Inventar anzumelden. „Am Dienstag haben wir die gesamte Kneipe verkauft“, sagt Maria Helmke. Erworben habe sie jemand aus der Region, der sie bald professionell nutzen wolle. Leute fragten nach Geschirr und Gläsern. Gastronomen interessierten sich für die Küchengeräte. Die Biergartengarnituren seien schon alle veräußert. Die ausgestopften Tiere im Postzimmer hat ebenfalls ein einziger Interessent komplett aufgekauft. Das restliche Inventar verkaufen Helmkes vom 21. bis 27. September, der letzten Woche, in der sie geöffnet haben, nach Voranmeldung. Drei Vereine, deren Stammlokal der Strücklinger Hof ist, müssen sich nach einer neuen Bleibe umsehen. Doch es sind noch mehr Menschen betroffen. So hat der Wassersportverein Sagter Ems mit seinen 70 Mitgliedern sein Vereinsheim auf Helmkes Gelände stehen. „Das Haus haben unsere Mitglieder vor 40 Jahren gebaut“, sagt der Vereinsvorsitzende Emil Hartmann. „Damals wurde das noch alles per Handschlag geregelt.“ Die Bootsfahrer zahlen Helmkes jährlich eine Pacht. Doch nun haben sie ihr Grundstück dem Immobilienmakler und Bauingenieur Wjatscheslaw Pankratz aus Quakenbrück verkauft. Was aus dem Vereinsheim der Wassersportler wird, ist offen. Ungewiss ist nach Informationen des Generalanzeigers ebenfalls die Zukunft der Paddel- und Pedalstation, die Peter Herrmann direkt an der Sagter Ems betreibt. Zu dem Wohnmobilstellplatz, dessen Fläche die Gemeinde Saterland dort für 30 Jahre gepachtet hatte, informierte Bürgermeister Thomas Otto, dass der Verwaltungsausschuss Helmkes Antrag zugestimmt habe, den Pachtvertrag vorzeitig aufzulösen. Wohnmobile können in Strücklingen künftig ausschließlich im Reisemobilpark Sagter Ems stehen, den Lars-Markus Schober am südlichen Ortsausgang betreibt. Der kommunale Grillplatz, der sich ebenfalls auf dem Gelände beim Strücklinger Hof befindet, bleibt bestehen. Es sei „todtraurig“, sagt Saterlands Bürgermeister, dass der Strücklinger Hof abgerissen werde. In der Verwaltung habe man überlegt, ob man als Kommune einsteigen und auf diese Weise den Saal erhalten könne. Doch letzlich habe man dazu keine Möglichkeit gesehen, so Otto. Er gönne Maria und Bernhard Helmke den Ruhestand, doch dass der Gasthof verschwinde, hinterlasse einen bitteren Beigeschmack. Doch das sei der Trend der Zeit, so Otto, und Neues bedeute auch eine Chance. Die Entwicklung von Ramsloh als dem zentralen Ort des Saterlands sei bereits vor 30 Jahren eingeläutet worden. In den Nachbargemeinden laufe es ähnlich. „Da bildet das Saterland keine Ausnahme.“ Zum Glück bestehe mit dem K+K-Markt eine Einkaufsmöglichkeit am Ort. Auch Gewerbe und Handwerk gebe es in Strücklingen eine Menge, stellt Otto fest, „und mit Erweiterungen ist zu rechnen“

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