„My Baby Baby Baller Baller“
Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Manch einer schreit ja vor Glück, wenn er neue Schuhe bekommt. Schreien könnt' ich auch ..!
Heiko Bosse | 23.10.2024
Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Manch einer schreit ja vor Glück, wenn er neue Schuhe bekommt. Schreien könnt' ich auch ..!
Heiko Bosse | 23.10.2024

„I Am Sailing.“ Nein, hier soll es nicht um Liedtexte gehen. Und Sailing ist auch nicht mein Ding – sobald irgendwas unter mir schaukelt oder schwankt, bin ich raus. Was mir aber maritim doch gerne im wahrsten Sinne unterkommt, sind meine geliebten Segelschuhe. Vermutlich mit das Biederste und Klischeebehaftetste, das man(n) sich unter die Hufe schnallen kann. Aber die Dinger sind sowas von bequem, im Sommer mit weißer Sohle, ab Herbst mit grobem Profil. Da man nun aber nicht jeden Tag wie Prinz Philip durch die Ländereien „segeln“ will, braucht es ab und an Abwechslung. Ist nicht gut, wenn man jeden Tag dieselben Schuhe trägt, hab’ ich Mutter noch im Ohr. Und so ziehen dann und wann auch neue Treter bei mir ein – jedesmal skeptisch beäugt, weil ich meinen Segelschuhen eigentlich ja gar nicht untreu werden will. Aber gut, dann soll’s halt so sein. An diesem Morgen steige ich erstmals in meine neuen Wildleder-Mokassins, die ich bei der Anprobe unheimlich bequem fand. Sagen wir so: unheimlich immer noch, aber jetzt eher unheimlich „fies anne Füß’“. Von der Haustür stöckel’ ich im Morgengrauen – ja, Grauen … – zum Auto wie Carrie Bradshaw in ihren neuen Manolos durch den Big Apple. Hätt’ ich noch 'ne Handtasche dabei, würden sie mich abholen – aber nicht zur Arbeit bringen ..! „Auf dem Weg zu meinem Adana-Kebap-Teller nehme ich wie in Trance in Kauf, dass dieses knüppelharte Leder mir bei jedem einzelnen Schritt gefühlt die Achillessehnen anschneidet.“ Als ich dort ankomme, versuche ich, auf dem Weg vom Wagen bis zur Tür möglichst viel Würde zu bewahren. Weißt ja nie, wer hinterm Fenster steht. So schön unser neues Medienhaus auch ist, die Wege sind doch lang, stelle ich fest, als ich am Schreibtisch ankomme und meine neuen Mokassins gern in die Ecke pfeffern möchte. Den gesamten Arbeitstag über beschränke ich Gänge in die gefliestesten Räume des Hauses oder andere Abteilungen auf ein Minimum. Ich weiß mein Telefon mehr denn je zu schätzen, auch wenn Olli und Giorgio in Sichtweite sitzen. Zum Feierabend, der mir an diesem Tag durchaus gelegen kommt, muss der Papa dann doch nochmal ein paar Schritte tun, um Essen an die Burg zu holen. Auf dem Weg zu meinem Adana-Kebap-Teller nehme ich wie in Trance in Kauf, dass dieses knüppelharte Leder mir bei jedem einzelnen Schritt gefühlt die Achillessehnen anschneidet. In diesem Moment weiß ich, was Frauen bei einer Geburt durchmachen (Leserbriefe bitte an redaktion@om-medien.de). Und ich hab’ meine Frau Mutter wieder im Ohr: „Die kann dir ein Schuster hinten weich hämmern.“ Ist klar, aber finden Sie heute mal einen Schuster! Bei Zalando arbeitet keiner … Achso, falls Sie sich trällenderweise noch fragen, was es denn bitte mit der Überschrift dieser Kolumne auf sich hat, will ich gern aufklären: Auf dem ersten unvermeidbaren Weg zum Schreibtisch eines Kollegen hab’ ich an der metallenen Türklinke zum Wachwerden nämlich auch noch ordentlich einen geballert gekriegt – meinen neuen Mokassins sei Dank! Falls Sie Interesse haben ..? Nur einmal getragen – über den Preis können wir reden.
Zur Person:
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