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Mit Steinchen Menschen eine Freude machen

Anke Boos hat schon 500 „Elbstones“ bemalt. Wie Tausende andere Menschen weltweit schafft die Dinklagerin kleine Kunstwerke und versteckt sie.

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Mit viel Liebe: Am Valentinstag legten Dinklager Freizeitkünstler hunderte Steine am Rathaus aus. Foto: Boos

Mit viel Liebe: Am Valentinstag legten Dinklager Freizeitkünstler hunderte Steine am Rathaus aus. Foto: Boos

Steinfeld. Ihren 95. Geburtstag feiert heute Erna Deters. Die Seniorin lebt mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn, Enkel und Urenkel in einem Haus. Erna Deters liest gerne und strickt Strümpfe für die Urenkel. Zu ihrem Ehrentag gratulieren ihre Kinder, die Schwiegersöhne, Enkel und Urenkel. Die OV schließt sich den Glückwünschen gerne an.

Wenn der Alltag eine kurze Verschnaufpause erlaubt, legt mancher kurz die Beine hoch oder trinkt einen Tee. Bei Anke Boos aus Dinklage ist das anders: Wenn sie mal fünf Minuten frei hat, setzt sie sich hin und wird kreativ. Seit letztem Sommer heißt das oft: kleine Steine bemalen. „Elbstones“ nennt sie die.

Dafür ist der Küchentisch stets als kreativer Arbeitsort gedeckt: Farben und Pinsel stehen bereit, Steine warten darauf, verziert zu werden. Der Clou daran: Wenn die Steine fertig sind, versteckt Boos sie irgendwo in Dinklage: auf Bänken oder Mauern, Stromkästen oder Pfählen.

Dort warten die kleinen Handschmeichler darauf, von Kindern und Erwachsenen entdeckt zu werden. „Wandersteine“ nennt Boos das, oder eben „Elbstones“. Der Name stammt von einer Facebook-Gruppe, in der wiedergefundene Wandersteine präsentiert werden. Zur Zeit sind mehr als 26000 Menschen Mitglied in der Gruppe, damit sei sie eine der größten Facebook-Gruppen für Wandersteine in Deutschland, sagt Boos.

Die Idee, kleine Steine zu bemalen, sie zu verstecken und so „Menschen unterwegs eine kleine Freude zu machen“, kommt nach Angaben von Anke Boos aus den USA. Die Steine könnten behalten oder neu versteckt werden – alles sei in Ordnung. Wer einen Stein findet und der Schöpferin des kleinen Kunstwerks eine Freude machen will, kann ein Foto vom Stein, versehen mit einigen Angaben, in die Facebook-Gruppe posten, sagt Boos. Das sei aber kein Muss.

Sie selbst habe seit dem vergangenen Sommer etwa 500 Steine bemalt, sagt die 52-Jährige. Etwa von 50 Handschmeichlern habe sie später im Internet ein Bild gesehen. Das ist eine Quote von zehn Prozent.

Mit Leidenschaft dabei: Anke Boos malt auch in kurzen Pausen des Alltags am Küchentisch ihres mit viel Kreativität eingerichteten Hauses. Foto: EbertMit Leidenschaft dabei: Anke Boos malt auch in kurzen Pausen des Alltags am Küchentisch ihres mit viel Kreativität eingerichteten Hauses. Foto: Ebert

Die Steine, die Boos zwar nicht schafft, aber durch die Bemalung verändert, zeigen ganz Verschiedenes: Menschen, Tiere, Landschaften. Manchmal malt sie lustige Bilder für Kinder oder Karikaturen; an anderen Tagen schafft sie 3-D-Motive oder ein gemaltes Lebkuchenherz. Auch zu Terminen im südoldenburger Leben wird Boos aktiv: So gab es zum Dinklager Schützenfest Themensteine, ebenso anlässlich des Stoppelmarktes.

Eigene Steine hat Boos übrigens noch nicht wiedergefunden, dafür aber fremde: „Etwa alle zwei bis drei Wochen finde ich einen Elbstone“, sagt sie gegenüber dieser Zeitung. Diese stammen vermutlich von den etwa 20 Gleichgesinnten, die in Dinklage mittlerweile auch angefangen haben, Elbstones zu bemalen und zu verteilen. Manche sind aufwendiger gestaltet, andere einfacher. Erlaubt ist alles, was Spaß macht, so Boos. Nur Aufkleber sollen zum Schutz von Umwelt und Tieren vermieden werden.

Die 52-jährige gelernte Werbetechnikerin drückt sich sonst gerne kreativ aus. Neben ihrem Job im Einzelhandel arbeitet sie alte Möbel auf, um sie zu verkaufen. Auch Marmorfliesen oder andere Dinge verziert sie, auf Bestellung oder eben für den freien Verkauf. Ihr eigenes Haus, in dem sie mit ihrem Mann und den drei Söhnen lebt, ist auch äußerst kreativ gestaltet und erinnert an Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt: grüne Holzfenster, viele bunte Schilder, einmalige Möbel. Vieles von dem, was Boos schafft, steht erstmal in ihrem Haus, bis es einen Käufer gefunden hat. Bei den Elbstones ist das anders: Sobald die Farbe getrocknet ist, gehen die kleinen Steine auf große Wanderschaft.

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