Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Malawischer Botschafter zu Gast in Visbek

Joseph Mpinganjira lebte mehrere Jahre in Visbek, engagierte sich in der katholischen Kirchengemeinde. Seit einem Jahr vertritt er sein Heimatland als Botschafter in Berlin.

Artikel teilen:
Die Gäste des Empfangs versammelten sich zu einem gemeinsamen Gruppenfoto. Der malawische Botschafter Joseph Mpinganjira besuchte Visbek, wo er Ende der 1990er Jahre für 4 Jahre lebte. Foto: C. Meyer

Die Gäste des Empfangs versammelten sich zu einem gemeinsamen Gruppenfoto. Der malawische Botschafter Joseph Mpinganjira besuchte Visbek, wo er Ende der 1990er Jahre für 4 Jahre lebte. Foto: C. Meyer

Joseph Mpinganjira ist seit Ende 2021 malawischer Botschafter in Deutschland mit Sitz in Berlin. Doch für die Interessen seines Heimatlandes Malawi setzt er sich nicht nur in Deutschland ein, sondern ist darüber hinaus als Botschafter in 22 weiteren Ländern tätig. Auch wenn er viel unterwegs sei – bislang habe er noch nicht alle besuchen können, sagt er. Den Antrittsbesuch in Visbek hat er aber am Mittwochabend mit Bravour absolviert. Die Gemeinde hatte zu einem Empfang im Rathaus geladen.

Doch was zieht den malawischen Botschafter nach Visbek? Joseph Mpinganjira lebte von 1996 bis 2000 als Geistlicher in der Vechtaer Nordkreis-Gemeinde. Bis heute wird die Freundschaft gepflegt. „Ich bin auch ein Visbeker“, unterstrich der malawische Botschafter in seiner Ansprache seine Verbundenheit. Während seiner Zeit damals in der Gemeinde war er insbesondere in der katholischen Kirchengemeinde aktiv, war Mitbegründer des Vereins „Hilfe für Malawi“.

Austausch mit alten Weggefährten

So nahmen an dem Empfang neben Verwaltungsmitarbeitenden zahlreiche Weggefährtinnen und -gefährten aus dieser Zeit teil – unter anderem mehrere Mitglieder des Malawi-Hilfe-Vereins, die den malawischen Botschafter im Frühjahr bereits in Berlin besuchten. Viele nutzten am Mittwochabend die Gelegenheit, um sich mit „Joseph“ – in Visbek wird der Botschafter einfach bei seinem Vornamen genannt – auszutauschen und auch über alte Zeiten zu plaudern.

Initiiert hatte dieses Treffen das Ehepaar Hannelore De Schutter Van Hees und Ludo De Schutter. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens ihres Schokoladens in Visbek hatten sie Joseph Mpinganjira eingeladen. Was der malawische Botschafter mit dem Schokoladen zu tun hat? Die Anfänge des Ladens gehen auf die Zeit zurück, als Hannelore De Schutter Van Hees belgische Schoko-Nikoläuse für den guten Zweck – der Erlös ging an Hilfsprojekte in Malawi – verkauft hatte. Im Rahmen dieser Wohltätigkeitsveranstaltungen der Kirchengemeinde sei die Nachfrage nach belgischer Schokolade immer größer geworden, bis sie schließlich vor 10 Jahren den Laden gründete.

Mpinganjira berichtete den Gästen des Empfangs von seinen Aufgaben als Botschafter, wie er sich für die Interessen seines Landes einsetzt und wie es ihm während seiner Zeit nach Visbek ergangen ist. Zunächst betätigte er sich weiter als Geistlicher in Malawi. So hat er bis 2008 als Sekretär der Bischofskonferenz gearbeitet. Nach einem Studium in Kapstadt legte er die Arbeit bei der Kirche nieder und arbeitete als Berater in der irischen Botschaft in Malawi, knüpfte dort mehrere politische Kontakte.

Hatten den Botschafter eingeladen: Hannelore De Schutter Van Hees und ihr Ehemann Ludo De Schutter sind schon seit vielen Jahren mit Joseph Mpinganjira befreundet. Foto: C. MeyerHatten den Botschafter eingeladen: Hannelore De Schutter Van Hees und ihr Ehemann Ludo De Schutter sind schon seit vielen Jahren mit Joseph Mpinganjira befreundet. Foto: C. Meyer

Malawi kann sich nicht viele Botschafter leisten

Zum Botschafter in Deutschland wurde Joseph Mpinganjira berufen, weil der malawische Präsident, Lazarus Chakwera, erfahren habe, dass Mpinganjira sowohl über Deutschkenntnisse als auch Kontakte in Deutschland verfüge, erzählte der Botschafter. Dass er darüber hinaus in 22 weiteren Ländern der malawische Botschafter ist, habe schlicht mit dem Umstand zu tun, dass das afrikanische Land sich nicht leisten könne, in jedes Land der Welt Botschafter zu entsenden. So ist Mpinganjira unter anderem Botschafter in der Ukraine und in Russland. Angesichts des derzeitigen Kriegs gestalte sich seine Arbeit „nicht einfach“, ließ er diplomatisch wissen.

Für Dieter-Felix Grzabka vom Visbeker Kulturkreis schließe sich mit Mpinganjiras Tätigkeit in Berlin ein Kreis, der während der damaligen Abschiedsfeierlichkeiten am 9. Juli 2000 in Visbek geöffnet worden sei, wie er in einer rührenden Anekdote die Anwesenden wissen ließ. Dort habe er einen jungen Mann – „Helmut aus Kreuzberg“ – getroffen, der auf dem Weg nach Kalkutta zu Mutter Theresa gewesen sei, um dort an den Folgen seiner Aids-Erkrankung zu sterben. Grzabka habe „Helmut aus Kreuzberg“ vom Engagement Mpinganjiras in Malawi, wo Aids eine weitverbreitete Krankheit ist, erzählt, dass es möglich sei, Patenschaften für malawische Kinder zu übernehmen. Daran habe der Mann Interesse gehabt, aber zugegeben, dafür kein Geld zu haben. Also übernahm Grzabka spontan zwei Patenschaften – eine auf den Namen „Helmut aus Kreuzberg“. Wieso sei der Mann aus Berlin ausgerechnet an diesem Tag über Visbek nach Kalkutta unterwegs gewesen, fragte Grzabka rhetorisch. Für ihn sei das mehr als nur eine flüchtige Begegnung gewesen. Mit diesen Worten wünschte er dem alten Freund Joseph weiterhin viel Erfolg bei seiner Arbeit in Berlin.

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Malawischer Botschafter zu Gast in Visbek - OM online