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Leben mit dem Tod: Mitarbeiter des Dinklager Hospiz stellen ihre Arbeit vor

Trauer und Humor: eine makabere Mischung. Doch für die Mitarbeitenden im Dinklager Hospiz St. Anna ist es eine Möglichkeit, mit dem Erlebten umzugehen und Kraft für ihre tägliche Arbeit zu schöpfen.

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Bereiten Menschen gerne eine Freude: Michaela Taphorn (von links), Ellen Meerjans-Eilers, Doris Rieken, Günther Barklage, Dorothe Pigge, Nicole Holtkamp und Elke Staggenborg. Foto: Bernhardt

Bereiten Menschen gerne eine Freude: Michaela Taphorn (von links), Ellen Meerjans-Eilers, Doris Rieken, Günther Barklage, Dorothe Pigge, Nicole Holtkamp und Elke Staggenborg. Foto: Bernhardt

"Einen Menschen am Ende seines Lebens begleiten zu dürfen, ist eine unglaubliche Erfahrung. Es ist eine ganz besondere Aura, die uns hier umgibt", erzählt Ellen Meerjans-Eilers. Die Dinklagerin hat einen außergewöhnlichen Beruf: Sie ist Leiterin des Hospizes St. Anna in Dinklage. Täglich werden sie und ihre Kolleginnen und Kollegen mit dem Tod konfrontiert. Sie haben gelernt, damit umzugehen und versuchen vielen Menschen in den letzten Stunden ihres Lebens eine Freude zu bereiten.

Der Tod: Das ist für viele Menschen die größte Angst. Für Meerjans-Eilers und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehört er zum Alltag. Denn: Die sogenannte "Verweildauer" eines durchschnittlichen Gastes im Hospiz beträgt circa 16 Tage. Der wichtigste Grundsatz für das Team lautet daher "mitfühlen, aber nicht mitleiden". Das sei die größte Herausforderung für sie: die Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen. Deshalb wird nur im Teilzeitmodell gearbeitet, damit die Mitarbeitenden mehrere Tage am Stück frei haben können. Auch gibt es regelmäßig Supervisionen, um das Erlebte zu verarbeiten und zu reflektieren. Doch die Auseinandersetzung mit dem Tod bringe auch etwas Gutes hervor: "Man wird für vieles im Leben dankbarer und lernt die Zeit zu schätzen", so Meerjan-Eilers. 

Führungen sollen Ängste nehmen

Ihre Arbeit sei aber nicht durchweg traurig. "Wir versuchen uns einen gewissen Humor beizubehalten. Den braucht man um eine gewisse Balance zu halten", so die Leiterin. Die Öffentlichkeit jedoch, habe eine große Scheu gegenüber hospizlicher Einrichtungen. "Dies hier ist auch ein Ort des Lebens. Das versuchen wir auch durch Öffentlichkeitsarbeit immer wieder den Leuten näherzubringen." Und dies mit Erfolg: Viele örtliche Vereine hätten das Hospiz bereits besucht. So soll die Angst vor dem Thema immer mehr abgebaut werden. Die Führungen sollen auch zeigen, dass die Einrichtung ein Wohlfühl-Ort ist und keineswegs eine Krankenhaus-Atmosphäre herrsche. 

Um die wohlige Atmosphäre kümmere sich insbesondere der Hospizverein Dinklage. Der Verein sei der Grund, warum die Räume gemütlich ausgestattet und liebevoll dekoriert seien. "Durch die Spenden an den Verein können wir viele Zusatzangebote bieten", so Meerjans-Eilers. Neben Krankengymnastik und Physiotherapie bietet das St. Anna Hospiz auch Klangschalen- und Aromatherapien an und arbeitet mit Kunst- und Kreativtherapeuten zusammen. "Bei unserer Arbeit steht die Individualität jeder einzelnen Person im Vordergrund. Wir konzentrieren uns zu 100 Prozent auf die Bedürfnisse und Wünsche des Gastes", so die Dinklagerin. 

Hospiz sei besonders Team-Arbeit

Die Wichtigkeit der Einrichtung hebt auch Günther Barklage, der Vorsitzende des Hospizvereins, noch einmal hervor: "Die hospizlichen Angebote sind zwingend erforderlich. Für viele Fälle gibt es sonst keine andere Lösung". Deshalb biete das St. Anna Hospiz auch verschiedene Formen der Betreuung an. Neben dem stationären Dienst, gibt es auch den teilstationären Dienst oder die ambulante Betreuung. Diese Möglichkeiten wären besonders für berufstätige Angehörige wichtig, da sie oft nicht die Zeit haben den Kranken 24 Stunden zu betreuen. 

Für Ellen Meerjans-Eilers und ihr Team geht die Arbeit zudem weit über den Tod hinaus. Denn auch die Trauerbewältigung für Angehörige gehört zu ihrem Job mit dazu. Deshalb sei die Arbeit auch nicht für jedermann geeignet. Einfühlvermögen und Empathie sind für die Ausübung des Berufes unabdingbar, findet Meerjans-Eilers. Doch jede ihrer Mitarbeiterinnen und jeder Mitarbeiter erfüllen diese Eigenschaften. Denn für sie gilt: "Hospiz gelingt nur im Team". 

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