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Lastruper Landfrauen holen ihre Geburtstagsparty mit einem Scheunenzauber nach

Insgesamt 140 Frauen folgten der Einladung. Marianne Maas als "Else" vom Kulturverband "Aktive Frauen" überzeugte das Publikum mit einer kleinen Zeitreise.

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Die Vorsitzende der Lasstruper Landfrauen, Annegret Timme, begrüßte 140 Frauen zum Scheunenzauber auf Schröders Diele. Foto: Landfrauen

Die Vorsitzende der Lasstruper Landfrauen, Annegret Timme, begrüßte 140 Frauen zum Scheunenzauber auf Schröders Diele. Foto: Landfrauen

„Die Themen der Landfrauenarbeit orientierten sich in der Vorkriegszeit an den 5 Ks (Küche, Kinder, Kirche, Kälber, Küken), heute schon eher an WTF, was in der Landfrauensprache so viel heißt, wie: Wir treffen uns gleich zu Wellness, Tour und Freizeit“, sagte Marianne Maas als "Else" vom Kulturverband „Aktive Frauen“. In Lastrup war sie jetzt zu Gast. Denn dort wollten die Landfrauen den 71. Geburtstag ihrer Gruppe feiern.

Marianne Maas ist zuständig für den Bezirk des Oldenburger Münsterlandes. Mit viel Humor blickte sie zurück in die Geschichte der Landfrauenbewegung in Südoldenburg. Aus Anlass des 71-jährigen Bestehens – im letzten Jahr konnte nicht gefeiert werden – hatten die Lastruper Landfrauen zu einem Scheunenzauber mit "Else", einem Food-Truck, einer Wein- und Aperol-Bar, DJ und Verlosung in Schröders Diele eingeladen. 140 Frauen, davon etwa die Hälfte Nichtmitglieder, kamen und feierten mit.

„Wir Landfrauen sind kreativ, innovativ und immer für eine Überraschung gut! Wir möchten heute manch angestaubtem Klischee, das dem Landfrauenverein anhaftet, entgegenwirken“, hatte Vorsitzende Annegret Timme in ihrer Begrüßung versprochen. „Wir möchten junge Frauen gewinnen, gleichzeitig die älteren mitnehmen. Wertschätzen, was da ist, aber auch Neues zulassen: Zwischen diesen beiden Polen möchten wir weiterhin unseren Weg finden“, so Timme.

Bevor die Feier richtig startete, nahm Marianne Maas die ganz spezielle Art von Frauen, nämlich die Landfrauen und Landfrauenanwärterinnen, mit auf eine Zeitreise. Zu Beginn der 1920er Jahre sei der erste Hausfrauenverein gegründet worden. In dieser noch sehr patriarchalisch geprägten Zeit gründeten Frauen einen Verein zur Bildung für Frauen auf dem Land. „Das muss man sich einmal vorstellen: Bis dato waren Frauen ja völlig unfähig zur Bildung, sie konnten höchstens geradeaus denken. Frauen, so glaubte man, haben ja sowieso nur vier Gehirnzellen, so wie eine Herdplatte sie heute hat“, so die Referentin. Mit dem Überführen der Vereine in den Reichsnährstand sei das erste zarte Pflänzchen der ländlichen Emanzipation schon wieder zertreten worden.

Die ersten Jahre waren geprägt durch klassische Rollenbilder

Auf eine der ersten Versammlungen 1946/47 habe sich ein Referent an die anwesenden Frauen gewandt mit dem sogenannten "Rat der 5 Ks": „Eines möchte ich Ihnen ans Herz legen, meine Damen: Beachten Sie die 5Ks: Küche, Kinder, Keller, Küken (ohne Küken keine Hühner, ohne Hühner keine Eier), Kälber (ohne Kälber keine Kühe, ohne Kühe keine Milch, ohne Milch keine Butter). Das ist Ihr Aufgabengebiet, wir müssen unsere Bevölkerung ernähren.“ Das sei doch dasselbe wie „Kinder, Küche, Kirche“, nur landwirtschaftlich aufgepeppt, mit dem Ziel, die soziale Rolle der Frau und die moralischen Prinzipien der damaligen Zeit aufrechtzuerhalten, so Maas.

Am 4. Dezember 1951, also vor nun fast 71 Jahren, wurde auch in Lastrup ein Landfrauenverein mit der Vorsitzenden Maria Böckmann aus Schnelten gegründet. Aber auch damals orientierten sich die Themen der Landfrauenarbeit an den 5 Ks. Bis 1962 hatten Frauen noch kein eigenes Konto und der Mann musste den Beitrag von 3 Mark für den Ortsverein der Landfrauen bezahlen. Aber die Männer profitierten: „Laot die Frauen man, sei leert watt un ick profitiere von gauet Äten, reine Ünnerbüxens und einen funktionierenden Hushalt.“

„Mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft entwickelte sich auch der Landfrauenverein weiter. In den 90er Jahren kamen gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Fragen hinzu, Frauen mischten sich ein, demonstrierten, es ging um Agrarpolitik, um Verbraucherschutz, moderne Ernährung und Kindererziehung, um Dorferneuerung und Kreativität. Die Frau übte einen Beruf aus und verdiente ihr eigenes Geld, was bis 1977 völlig undenkbar war, denn bis dahin durften Frauen nicht ohne Erlaubnis des Mannes erwerbstätig sein“, erinnerte Marianne Maas.

Etwa 140 Besucherinnen kamen zum Scheunenzauber 

„Die 5 Ks haben sich heute sehr verändert. Die Frau soll heute Topmodel sein, Kinder im richtigen Moment wollen – 20 ist zu früh, 40 ist zu spät –, sie muss die richtige Zahl an Kindern mit dem perfekten Mann im richtigen Moment bekommen; wenn sie Kinder hat, muss sie arbeiten, Karriere machen, selbstbewusst sein, aber nicht als Emanze, trotzdem muss sie emanzipiert, feministisch organisiert und gut drauf sein. Während sie arbeitet, muss sie gleichzeitig zu Hause sein, keine Rabenmutter und trotzdem Topmodel sein, schlank und engagiert bleiben; man darf ihr die Kinder, die sie bekommen hat, nicht ansehen; zu Hause muss sie Liebhaberin, Mutter, beste Freundin, Ärztin, Floristin, Erzieherin, albern und sozial sein. Aber: Den Stress, den sie hat, darf man niemals spüren“, so Marianne Maas als Else.

Bei der Tombola gewannen Renate Helmes, Petra von Hammel und Jutta Brinkmann die drei Hauptpreise, „Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt. Die Hälfte der 140 Besucherinnen waren Nichtmitglieder", freute sich Annegret Timme am Ende des Abends.

Info: Wer Kontakt aufnehmen möchte: Unter der Nummer 01520/6258781 ist Annegret Timme auch per WhatsApp zu erreichen.

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