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Küstenkanal wurde vor 85 Jahren eingeweiht

Die Bedingungen für die Siedler waren alles andere als verlockend. Sie mussten ein Haus bauen, den Kanal sauber halten und Land abgeben.

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Der Küstenkanal heute: Rund 70 Kilometer ist die Bundeswasserstraße lang. Foto: Archiv

Der Küstenkanal heute: Rund 70 Kilometer ist die Bundeswasserstraße lang. Foto: Archiv

Vor 85 Jahren war es soweit: 1935 beseitigte man den Trenndamm an der Landesgrenze, denn die Schleuse Dörpen und zwei Straßenbrücken waren fertiggestellt. Der Küstenkanal konnte eingeweiht werden - die größte Land- und Wasserbaumaßnahme, die jemals im Land Oldenburg vorgenommen wurde.

Die ersten Überlegungen, einen Kanal zu bauen als Verbindung der Hunte mit der Ems, gab es schon vor 190 Jahren. Nach einer Bauzeit von 38 Jahren wurde 1893 der Hunte-Ems-Kanal fertiggestellt, der dann ab 1922 als Verbindungskanal von Oldenburg bis Kampe und von da nach Roggenberg, wo er an die Sagter Ems anschloss, ausgebaut wurde.

Amtmann Johann Georg Amann, seines Zeichens Sprecher der Braker Schifffahrtskommission, nahm die Idee aus der Zeit der französischen Besetzung wieder auf und propagierte 1826 bereits das Projekt eines Hunte-Ems-Kanals. Den eigentlichen Anstoß aber gab dessen Schwager Oberst Johann Ludwig Mosle. Dem Staat waren durch die Markenteilung große Moorflächen zugefallen, das Interesse daher groß. Eine Nivellierung durch den Vermessungscondukteur Ihno Hayen Fimmen aus Westerstede ergab, dass auf der Strecke von Oldenburg nach Kampe eine Höhe („Mosleshöhe“) bestand, die nach beiden Seiten abfiel. Der weitsichtige und zukunftsorientierte Oberst Mosle („Moslesfehn“) konnte den Großherzog Paul Friedrich August von Oldenburg („Augustfehn“), überzeugen.

Brückenbau: die Kanalbrücke im Schwaneburger Moor. Foto: Archiv PilleBrückenbau: die Kanalbrücke im Schwaneburger Moor. Foto: Archiv Pille

Der Bevölkerungsdruck war letztlich Auslöser der großflächigen Entwässerung von Hochmooren, die zum systematischen Abbau von Brenntorf und zur Erschließung der Moore führte. Am Westende der Kanallinie in der Kommende Bokelesch mit dem heutigen Elisabethfehnkanal und früheren Teil des Hunte-Ems-Kanals ging es los. Gleichzeitig begann man an der Einmündung der Lehte in die Hunte. Der Ort Elisabethfehn verdankt ihm seine Entstehung und wurde benannt nach der Gattin des Großherzogs Nikolaus Friedrich Peter.

1873 begann man mit dem Bau des Friesoyther Kanals, der eine Verbindung von der Stadt Friesoythe zum Hunte-Ems-Kanal schaffen sollte. Er war schiffbar auf einer Strecke von fast zehn Kilometern. 1929 bereits erhielt der Kanal in der Dreh­kuhle in Schwaneburgermoor eine Schleuse. 1963 wurde der Friesoyther Kanal weitgehend zugeschoben. 1876 begann der Bau des 3,2 Kilometer langen Barßeler-Kanals von Dreibrücken in nordöstlicher Richtung, der das Barßeler Tief kreuzt und später in das Godensholter Tief mündet. Drei Jahre ging der Bau des Bollinger Kanals los, beginnend vom Hunte-Ems-Kanal gegenüber des Barßeler Kanals, der in südwestliche Richtung führte und letztendlich bei Utende in die Sagter-Ems mündete.

Die ersten Fehnkolonie siedelten sich an

Die Bedingungen für die Siedler waren alles andere als verlockend: Ein Haus war zu bauen, und der Kanal davor musste reingehalten werden. Bei einer späteren Kanalverbreiterung mussten sie Land abgeben und auf dem Grundstück Torf abgraben, den sie verkaufen konnten. Und als staatliche Abgabe hatten sie den „Kanon“ zu zahlen, eine Kanalabgabe sowie zudem ein sogenanntes „Torfgeld“.

Die Kraft von drei Generationen war nötig, um dem kargen Moor eine gesicherte Existenz abzuringen. Die ersten Fehnkolonien und Torfwerke siedelten sich an, Friedrich Graf von Landberg und Georg Klasman gründeten in Bösel-Edewechterdamm die Veh­nemoor GmbH. 1949 bis 1958 sowie von 1965 bis 1970 wurde der Küstenkanal nochmals für das 1000-Tonnen-Schiff ausgebaut. Die neueste Errungenschaft am Küstenkanal ist der C-Port, das interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet.


Weitere Bilder:

Hodges Dampfschiff 
(c) WSA
Torfpünte Folge IV 
(c) WSA
Küstenkanal Postkarte
(c) WSA
Küstenkanal, vom Eis befreit. 
(c) Pille
Luftbild vom C-Port am Küstenkanal 
Foto C-Port
Luftbild vom C-Port am Küstenkanal
Foto: C-Port
Luftbild vom C-Port am Küstenkanal
Foto: C-Port
Luftbild vom C-Port am Küstenkanal
Foto: C-Port

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