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Kneipen-Wirte im Kreis Vechta trifft die Sperrstunde hart

Der Vechtaer Dehoga-Chef Ulrich Steinkamp fürchtet, dass viele Betreiber das Handtuch werfen müssen. Der Dinklager Wirte-Vorsitzende Heinz-Hermann Jordan hält die Regelung für schmerzhaft, aber nötig.

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Feierabend: Die Sperrstunde kommt. Foto: dpa/Soeder

Feierabend: Die Sperrstunde kommt. Foto: dpa/Soeder

Der Landkreis Vechta setzt die verschärften Corona-Regeln für die Gastronomie um. Wegen der hohen Zahl der Infektionen ordnet die Behörde ab Samstag (17. Oktober) eine Sperrstunde um 23 Uhr an - bei Verstößen drohen den Wirten bis zu 25.000 Euro Geldbuße.

Der Kreis-Vorsitzende des Hotel- und Gastronomieverbands (Dehoga), Ulrich Steinkamp aus Vechta, ist alarmiert. Er sieht durch die Sperrstunde massive Probleme vor allem auf die Kneipen zukommen - weniger auf Speiserestaurants. Ein Abendessen könne problemlos bis 22 Uhr aufgegessen werden.

Richtig voll wird es Vechtaer "Deivs" oft erst gegen 23 Uhr

"Es wird sicher passieren, dass einige Kneipeninhaber im Kreis Vechta in den kommenden Monaten das Handtuch werfen werden“, sagt Steinkamp. 10 bis 12 Betriebe im Landkreis hätten bereits dicht gemacht. Die Wirte müssten oft hohe Pachtzahlungen leisten. Die seien aber oft nur zahlbar, wenn maximaler Umsatz erwirtschaftet werden könne.

David Pytel, Inhaber der Vechtaer Kneipe "Deivs" an der Großen Straße, sagt: Eine Sperrstunde ab 23 Uhr sei fatal. Erst um diese Uhrzeit werde es in seinem Lokal voll. Dann werde der Hauptumsatz gemacht. Pytel sagt: In Vechta müsse mit der Pandemie anders umgegangen werden als in Großstädten. Es kämen deutlich weniger Menschen zusammen.

Seine Gäste hätten sich im Lokal außerdem bisher vorbildlich an die Abstands- und Hygiene-Regeln gehalten. Ihm bleibt nach Inkraftreten der Verordnung jetzt nur ein Weg: Er will seine Gäste animieren, früher zu kommen.

Jordan: Verordnung schmerzhaft, aber nötig

Für Heinz-Hermann Jordan, den Vorsitzenden des Dinklager Wirtevereins und Inhaber der Gaststätte Fetisch-Jordan, ist die Verordnung der Sperrstunden nach den Lockerungen der vergangenen Monate ein Rückschritt. "Das wird vielen richtig weh tun", sagt er. Eine Feier sei in der Region nicht um 23 Uhr vorbei. Und viele Gastronomen hätten unter dem Lockdown im Frühjahr bereits sehr gelitten. Die von den Infektionszahlen abhängigen Regelungen machten eine Planung unmöglich. Niemand wisse, ob ein Geburtstag, ein Jubiläum oder eine Hochzeit überhaupt gefeiert werden könne. Das treffe neben den Wirten auch die Gäste.

„Wir müssen etwas tun. Sonst haben wir bald den zweiten Lockdown.“Heinz-Hermann Jordan, Vorsitzender des Dinklager Wirtevereins

Aber Jordan sagt auch: "Die Verordnung ist der richtige Schritt. Das ist unvermeidbar. Wir wollen ja, dass die Infektionszahlen wieder runtergehen." Die Entwicklung mit immer weiter steigenden Zahlen sei erschreckend. Und gerade wenn Alkohol getrunken werde, dann werde der Umgang der Menschen auch mit den Hygiene-Regeln lockerer. Nicht umsonst sei es die Gastronomie gewesen, die nach der Zwangsschließung als letztes wieder öffnen durfte. Das Risiko sei da.

Steinkamp zweifelt an Sinn der Verschärfung

Deshalb seien die neuen Regelungen zwar Schmerzhaft, aber nötig. "Wir müssen etwas tun. Sonst haben wir bald den zweiten Lockdown." Das sei noch viel schlimmer als eine Sperrstunde, sagt Jordan. Im Lockdown könne man überhaupt kein Geld verdienen. Es komme auf alle an, damit die Zahlen jetzt nicht wieder massiv steigen. Alle müssten sich an die Regeln halten.

Ulrich Steinkamp sieht die Verordnung hingegen kritisch. Er sagt: "Ist die Kneipe wirklich der Hotspot bei den Corona-Infektionen? Diese Frage muss man stellen dürfen." Betrachte man das Infektionsgeschehen insgesamt, müssten Kneipen und Restaurants bei der Entwicklung der Corona-Zahlen eigentlich gut wegkommen.

Gleichzeitig appellierte der Vechtaer auch an die Kneipengäste, sich an die geltenden Regeln zu halten. Dies müssten auch die Betreiber von Kneipen ihren Gästen klarmachen. Betriebe, die sich über die Regeln hinwegsetzen, "die muss man dichtmachen", sagt Steinkamp. Das sei alternativlos.

Landkreis überschreitet seit Wochen den Grenzwert

Der Landkreis Vechta greift mit der Einführung der Beschränkungen für die Gastronomie einer erwarteten Verordnung des Landes Niedersachsen vor. Diese wird nach Worten von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) unter anderem die Anordnung einer Sperrstunde ab 35 Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen vorsehen. Diesen Wert überschreitet der Kreis Vechta seit Anfang Oktober. Am Donnerstag lag die Zahl nach Angaben des Landkreises bei 77,46.

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