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Kleiner Campus, große Wirkung: God save the Uni

Gästebuch: Die Universität Vechta ist klein, aber fein – damals wie heute. Und ein eigenwilliger Geist durchweht nach wie vor die Flure.

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„Der Verfasser blendet in seiner Abhandlung mit journalistischem Eifer, lässt aber an einigen Stellen wissenschaftliche Tiefe vermissen“, schrieb die gnadenlose Professorin in ihr Urteil über meine 25-seitige Hausarbeit aus dem Nadeldrucker. Es war Donnerstag, der 27. März im Jahre des Herrn 1986, es gab eine schwache Zwei und einen Semesterferiennachmittag in übler Laune.

Als ich vor 40 Jahren nach Vechta kam, zählte der Campus kaum 700 Studierende. Heute würde man von einer Mini-Hochschule sprechen. Damals fühlte es sich wie eine große Familie an. Man traf sich im Flur, in der Mensa, in der Cafete. Professoren waren keine fernen Autoritäten, sondern Menschen, die Namen und Gesichter zuordnen konnten.

Viele von ihnen sind bis heute legendär. Da war Kürschner mit gelehrter Präzision, von Laer mit leiser Ironie, Windhorst als King of Regionalgeographie und Kuropka, der Geschichte so leidenschaftlich erklärte, dass freiwillig Quellen gelesen wurden. Wer hier studierte, lernte nicht nur Stoff. Er lernte Denken. Es wurde lamentiert und debattiert, manchmal mit französischen Zigaretten, immer mit Leidenschaft und Respekt – vor den Menschen und der Wissenschaft.

„Interessanterweise sorgt gerade eine Maßnahme, die nach fieser Verwaltung klingt, für neuen Schwung.“

Natürlich ist Vechta heute eine andere Uni. Mehr Studenten, mehr Gebäude, mehr Bürokratie. Aber ein Teil dieses eigenwilligen Geistes hat überlebt – obwohl der Laden zwischenzeitlich mehrfach von Schließung bedroht, Selbstzerfleischung geschwächt und endlosen Findungsprozessen zermürbt wurde.
Interessanterweise sorgt gerade eine Maßnahme, die nach fieser Verwaltung klingt, für neuen Schwung.

Seit 2025 wirkt hier ein Staatskommissar aus Osnabrück, der Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Thomas Bals, als Präsident. Seine Einsatzbezeichnung löste vor Jahresfrist in etwa so viel Begeisterung aus wie eine Steuerprüfung. Doch in Vechta funktioniert es erstaunlich gut. Der Neue bringt neuen Schwung, krempelt die Ärmel hoch und überzeugt mit Charme und Tatkraft. Strukturen werden geordnet, Profile geschärft, und plötzlich spricht man wieder über Zukunft.

Davon hat diese kleine Uni mehr, als man ihr zutraut. Sie bildet Lehrer aus, die in der Region bleiben. Sie forscht über Themen, die hier tatsächlich relevant sind. Und sie zeigt ganz nebenbei, dass akademische Qualität nicht zwingend mit der Größe einer Mensaschlange korreliert.

Vechta ist vielleicht nicht der lauteste Ort der deutschen Hochschullandschaft. Aber einer der wirksamsten. God save the Uni.


Zur Person:

  • Christian Bitter ist Chef der Werbeagentur Bitter & Co. in Calveslage.
  • Er studierte Germanistik und war Leiter der Werbe-Redaktion der OV.
  • Der Kontakt zum Autor Christian Bitter ist möglich, und zwar unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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