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Kirchen-Bashing scheint im Trend zu liegen!

Kolumne: Auf ein Wort – Ohne Zweifel gibt es in der katholischen Kirche vieles, das man kritisieren kann. Generalisierende Kritik geht mir aber "auf den Zwirn" – insbesondere in den örtlichen Medien.

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Für diejenigen, die im Neudeutschen nicht ganz "up to date" sind: Der Begriff "bashing" wird im "wiktionary" als "meist verbaler, übermäßiger Angriff auf jemanden oder etwas" erläutert. Als "etwas" wird aktuell gerne die katholische Kirche gewählt.

Ich kenne mich ein wenig in ihr aus und kann deshalb sagen: Ohne Zweifel gibt es in ihr vieles, das man kritisieren kann. Ich muss nur die Begriffe "Missbrauch" oder "Sexualmoral" nennen. Was mir in letzter Zeit aber häufiger "auf den Zwirn" geht, ist die generalisierende Kritik an der katholischen Kirche als Ganzes.

Wenn ich mir einen winzigen Ausflug in die Theologie erlauben darf: Der Begriff "Kirche" steht (zumindest auch) für die Gemeinschaft derer, die sich zu Jesus Christus und seiner Botschaft bekennen. Zur Kirche gehören also sowohl Kardinal Woelki als auch die Frauen von Maria 2.0, die sehr konservativen "Petrus-Brüder" genauso wie die Mitglieder einer sehr kirchenkritischen Gruppierung, die sich bezeichnenderweise "Wir sind Kirche" nennt.

"Die Kirche" ist nicht der monolithische Block, der manchmal von ihr gezeichnet wird: In manchen Medien erscheint sie förmlich als Vereinigung von Missbrauchs-Tätern.

Im Oldenburger Münsterland gibt es nun eine zusätzliche Angriffsfläche: Diskriminierung von Ungetauften. Im St.-Agnes-Kindergarten in Lastrup konnte eine Mitarbeiterin zunächst nicht eingestellt werden, da sie nicht getauft ist. Als Folge davon konnte für einige Zeit keine Ganztagsbetreuung angeboten werden. Das ist für die betroffenen Eltern ohne Frage ein GAU! Der mühsam "gestrickte" Alltagsplan wird zur Makulatur.

"Wo christlich draufsteht, sollte möglichst auch christlich drin sein."Karl Gierse

Wenn eine betroffene Mutter daraufhin sagt, "dass man sich für seine Kirche nur noch schämen muss", dann kann ich das in Anbetracht der Wut, die sie im Bauch hat, irgendwie einordnen. Mehr als befremdlich finde ich allerdings das Echo in der regionalen Medienlandschaft. Für mich entsteht der Eindruck, dass der Vorgang endlich den Stoff hergibt, nun auch im katholischen Südoldenburg in ein allgemeines Kirchen-Bashing einzusteigen. Eine etwas differenziertere Sicht eines sicherlich komplexen (!) Personalproblems würde ich mir von professionellen Medienvertretern der Region wünschen.

Wo christlich draufsteht, sollte möglichst auch christlich drin sein. Da finde ich es grundsätzlich nicht abwegig, den Taufschein als ein (!) Kriterium für eine gewisse christliche Sozialisation eines Menschen anzusehen.

Dass es für personelle Notsituationen auch in kirchlichen Einrichtungen Notlösungen gibt, hat die Kindergartenleiterin bewiesen, obwohl sie doch höchstwahrscheinlich auch Mitglied der "bösen" Kirche ist. Herzlichen Dank dafür!


Zur Person:

  • Karl Gierse ist Subprior des Vechtaer Dominikanerkonvents. Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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