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In Friesoythe geht ein Licht gegen das Vergessen um

Zu Erinnerung an die Schrecken der Reichspogromnacht wandert ein ehemaliges Grablicht aus Polen jährlich am 9. November von einer Schule zur nächsten. Jetzt ist er in der Obhut des AMG.

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Leuchterübergabe: Für das AMG nahmen die Schülervertreter Lukas Berssen und Eva-Maria Reiners (von links) den Leuchter gegen das vergessen von Nathalie Sieve, Schülervertreterin an der Elisabethschule, entgegen. Foto: Stix

Leuchterübergabe: Für das AMG nahmen die Schülervertreter Lukas Berssen und Eva-Maria Reiners (von links) den Leuchter gegen das vergessen von Nathalie Sieve, Schülervertreterin an der Elisabethschule, entgegen. Foto: Stix

Er wandert von Schule zu Schule durch den Nordkreis, wechselt jedes Jahr seinen Standort: der Leuchter, der mit seinem Licht an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 erinnern soll. Zuletzt stand er in der Elisabethschule Friesoythe, für die nächsten 12 Monate ist er in der Obhut des Albertus-Magnus-Gymnasiums. Die Übergabe fand am Mittwoch mit einem im Wesentlichen durch die Förderschüler gestalteten Festakt in der neuen Aula der Elisabethschule statt.

Die Schule, die den Leuchter beherbergt, hat immer auch die Verpflichtung, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Anhand von Videos und Präsentationen zeigten die Schülerinnen und Schüler, wie sie sich in der Projektwoche vom 1. bis zum 4. November den Fragen von Bedrohung und Angst, Verlust und Trauer, aber eben auch von Frieden genähert haben. Da gab es das "Lied vom Friedenslicht" der 4. und 5. Klassen und die "Lichter des Friedens" aus den 10. Klassen. Die Abteilung Sprachliche Entwicklung zeigte mit einem Film, wie sie den Frieden zum Leuchten bringen will, die Erstklässler begeisterten das Publikum mit ihrem Trickfilm "Der Regenbogen stiftet Frieden."

Licht der Sterne steht für Respekt, Achtung, Vertrauen und Erinnern

Der Frage, wie man Frieden zum Leuchten bringen kann, widmete sich auch Stiefs in ihrer Begrüßung. Die Schule habe dabei, so die Schulleiterin, auf Sterne gesetzt. Denn die gäben Wärme und Licht und dienten – etwa in der Weihnachtsgeschichte – auch als Wegweiser. Zwar habe der Stern im 3. Reich für Ausgrenzung, Angst, Stigmatisierung und Tod gestanden, "für uns bedeutet er Respekt, Achtung, Vertrauen, Erinnern und den Kampf gegen das Vergessen".

Für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit betonte Dr. Irmtraud Kannen, dass es auch heute noch Ausgrenzung und Hass gebe. "Unsere Aufgabe ist es, daran zu erinnern und es zu verhindern." Für den Landkreis unterstrich Dezernatsleiterin Anne Tapken den besonderen Auftrag zur Erinnerung, der sich auch aus der Zerstörung der Cloppenburger Synagoge und der Schändung des jüdischen Friedhos 1938 ergebe. Friesoythes evangelischer Pfarrer Johannes Rohlfing sieht in dem Engagement "einen Hoffnungsfunken, dass Schulen einen Beitrag leisten können, zu erinnern und zu lernen."

Die Leuchterübergabe übernahmen dann wieder die Schüler. Die Schülervertretung der Elisabethschule übergab das ehemalige Grablicht aus Polen, das zwischenzeitlich zusätzlich mit einem Davidstern versehen wurde, mit brennender Kerze an die Schülervertretung des AMG. Jetzt hat das Gymnasium die Aufgabe, den Leuchter zu hüten und sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

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