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Im Goldenstedter Moor leben vier Wölfe

„Überraschendes Ergebnis“ durch neueste Fotoaufnahmen des Wolfsbüros. Auch in Löningen gibt es ein Rudel. Durch intensives Monitoring ist jetzt der Nachweis gelungen.

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Vier Wölfe im Goldenstedter Moor: Die Wildtierkamera liefert einen Einblick ins Wohnzimmer des Rudels. Foto: NLWKN Wolfsbüro

Vier Wölfe im Goldenstedter Moor: Die Wildtierkamera liefert einen Einblick ins Wohnzimmer des Rudels. Foto: NLWKN Wolfsbüro

Für große Überraschung sorgen neueste Erkenntnisse aus dem Wolfsmonitoring im Oldenburger Münsterland. „Das NLWKN Wolfsbüro konnte im Februar durch intensives Fotofallenmonitoring die Anwesenheit eines Rudels von mindestens vier Individuen im Territorium Barnstorf nachweisen“, teilt Gunars Reichenbachs für das niedersächsische Umweltministerium auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Zu sehen ist auf einem Standbild der Kamera im Vordergrund ein jung wirkendes Tier mit auffällig hellem Fell. Dahinter können zwei Wölfe nebeneinander entdeckt werden. Das kleinere Tier hat eine hellere Fellfärbung. Das daneben sieht deutlich dunkler aus. Die Fellzeichnung gleicht dem jungen Rüden, der zuletzt häufig aus nächster Nähe gesehen wurde. Hinter einem Baum versteckt sich ein weiteres Tier.

Genetisch wurde zuletzt die Goldenstedter Wölfin nachgewiesen, die seit März 2014 im Moor lebt. Nachwuchs gab es erstmals 2017 mit mindestens vier Welpen. Der Rüde konnte seit Anfang 2018 nicht mehr nachgewiesen, werden, dafür jetzt aber im Herbst 2019 eine Tochter des Tieres. Genetisch bekannt ist auch der Rüde, der insbesondere im vergangenen Sommer immer wieder im Raum Goldenstedt über Höfe lief und auch bei Steinfeld und im Raum Diepholz gesichtet wurde. Das Tier stammt aus Wietze und dürfte 2018 geboren sein.

Wann aber wurde die jetzt festgestellte Tochter der Goldenstedter Wölfin geboren? Und wer ist der vierte Wolf auf dem Foto? Zuletzt war die Goldenstedter Wölfin beim aktuellen Monitoring als Einzeltier erfasst. Jetzt ist der Status auf Rudel erhöht worden. Auch im Raum Herzlake/Löningen ist seit einigen Tagen die Rudelbildung nachgewiesen. Bisher gab es dort ein Wolfspaar, das immer wieder wegen vieler Schafsrisse im Bereich Löningen für Schlagzeilen sorgte. Im November wurde an der Bundesstraße 213 ein toter Wolf gefunden. Die genetische Untersuchung ergab jetzt, dass es sich um einen männlichen Welpen des Paares handelte. Mehr ist über das Rudel bisher nicht bekannt. Dem Wolfsmonitoring fehlen die Hinweise.

Für das Wolfsmonitoring im Land Niedersachsen ist die Landesjägerschaft zuständig. Diese ist auf Meldungen angewiesen, um anhand von Sichtungen, Spuren, Genetik und Fotos alle Erkenntnisse auszuwerten. Raoul Reding ist hier der Wolfsbeauftragte, der die Auswertung vornimmt und die Ergebnisse dem Umweltministerium und der Öffentlichkeit mitteilt. Gerade erst hat er die Zahlen aktualisiert. 25 Wolfsrudel und sechs Wolfspaare mit über 70 Welpen kann er primär durch sogenanntes passives Monitoring nachweisen. Er ist also darauf angewiesen, dass die Informationen von außen kommen, beispielsweise per Mail (wolf@ljn.de) oder per Smartphone-App. Hätte das Wolfsbüro aber im Falle des Goldenstedter/Barnstorfer Rudels keine zusätzlichen Kameras aufgestellt, um den Rüden möglicherweise mit einem Sender auszustatten, wären die mindestens vier Wölfe im Moor noch nicht erkannt worden. Gleiches gilt für den Raum Löningen/ Herzlake. Das Rudel ist nur über genetische Untersuchung eines überfahrenen jugendlichen Wolfswelpen entdeckt worden.

appellieren, alles zu melden“, sagt dazu Raoul Reding und fordert damit auch die eigene Jägerschaft auf, hier aktiver zu werden. Nur was gemeldet werde, existiere auch in der Statistik. Für häufig geäußerte Verschwörungstheorien und Misstrauen gegenüber dem Land hat er nichts übrig. „Wer daran glaubt, schadet sich selbst“, sagt er dazu. Denn nur anhand der offiziellen Zahlen von Wölfen und der Rissstatistiken sei es möglich, auch zu agieren. Nur vor dem Hintergrund belastbarer Zahlen könnten auch Maßnahmen ergriffen werden. Mit dem Begriff Maßnahmen meint Reding, ohne es direkt zu sagen, auch eine Regulierung von Wölfen, sollte die Zahl für einen günstigen Erhaltungszustand der geschützten Wildtierart erreicht sein.

Wünscht mehr Wolfshinweise: Raoul Reding (LJN).Wünscht mehr Wolfshinweise: Raoul Reding (LJN).

31 Wolfsterritorien hat das Monitoring für Niedersachsen erfasst. Vom jetzigen Ergebnis für das Rudel der Goldenstedter Wölfin ist Reding selbst überrascht. „Älter und vorsichtiger“ sei die Wölfin geworden, lautet seine Einschätzung. Vielleicht habe sie auch schlechte Erfahrungen mit Herdenschutzhunden gemacht. Allein das Revier der Goldenstedter Wölfin sei über 400 Quadratkilometer groß, hat er herausgefunden. Gerade in einem Bundesland mit wenig Wäldern und dafür mehr Fläche sei das Territorium für Wölfe größer. Die Aktivitäten für diese Territorien gelte es im Blick zu haben. Alle Wölfe könne die LJN mit einem passiven Monitoring allerdings nicht nachweisen, räumt er ein. Aber ein realistischer Trend sei aufzeigbar.

„Ein landesweites aktives Monitoring könnte sicher noch bessere Daten liefern“, sagt Ministeriumssprecher Gunars Reichenbachs. Zumindest im Goldenstedter Moor soll dies jetzt weiter fortgeführt werden. Er verspricht sich davon mehr „Klarheit zur Situation vor Ort“ und eine genetische Zuordnung der Rudelmitglieder und zum Welpennachweis. „Von diesen Ergebnissen wird auch die Entscheidung über weitere Maßnahmen abhängen“, sagt er. Gemeint ist damit die Besenderung.

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