Wilfried Schöning, 63-jähriger Sanitär-, Heizungs- und Elektromeister, kommt gebürtig aus Garrel, lebt seit mehr als 30 Jahren in Cloppenburg. Vor mehr als 50 Jahren fand er einen Korpus ohne Arme auf einer Müllhalde, der möglicherweise einmal ein Wegekreuz zierte.
„Beim Spielen auf einer Müllkippe in Garrel fand ich als Kind den Korpus ohne Arme. Ich legte ihn direkt zur Seite, fuhr nach Hause zu meinem Vater und erzählte ihm davon. Zusammen fuhren wir wieder zurück und stopften den Korpus in einen Mehlsack. Zuhause versteckte ich meinen Schatz im Zwischenraum zwischen meinem Kinderzimmer und dem Dachboden in dem Sack. Da lag er dann 25 Jahre. Nur mein Vater, meine Mutter und ich wussten davon.
1971 lernte ich meine Frau Ursula kennen. Wir studierten beide in Münster. Ich habe immer zu meinem Christus gebetet. Er musste mir helfen, zum Beispiel wenn ich Prüfungen hatte. Wenn ich an ihn gedacht habe, hat immer alles geklappt.
1989 haben Ursula und ich in Cloppenburg gebaut. Ich habe den Christus aus meinem Elternhaus geholt und ihn so verstaut wie in Garrel: im Zwischenboden. Dann lag er dort wieder 25 Jahre. Ursula und ich hatten immer geplant: Wenn einer von uns stirbt, kommt der Christus auf die Friedhofsstelle. Und dann kam es schließlich doch noch anders.
Im Jahr 2013 haben wir das Haus umgebaut. Wir haben alles vom Boden geholt, auch den Christus. Kurz zuvor hatten wir den Künstler Norbert Pierdzig kennengelernt. Er hat den Korpus für uns restauriert. Im April 2014 lag Ursula im Krankenhaus und bekam die Diagnose Magen-Darm-Krebs. Während dieser Zeit wurde das Kreuz fertig. Im Juni weihte Diakon Hubert Looschen den Christus ein. Er hat seitdem seinen Ehrenplatz im Wohnzimmer am Treppenaufgang. Ich hab' zu Ursula gesagt: ,Mein Christus, der macht das schon.' Ein Jahr lang ging das gut.
Im Mai 2015 starb Ursula. Ein Leben lang hat mir mein Christus geholfen, und als ich ihn so sehr brauchte, da nicht. Das war hart, weil ich immer daran geglaubt habe. Ich hatte zu Ursula gesagt, dass ich ihn zerstöre, wenn er uns nicht hilft. Das hat sie mir verboten. Da war sie schon schwer krank. Deshalb behalte ich diesen Christus mein Leben lang.
Ich sage ihm jeden Abend gute Nacht und streichel ihm den großen Zeh, bis er blank ist. Ich bin sehr dankbar, dass es mir noch gut geht und ich so weiterleben kann. Aber Ursula hat Christus schon gerufen. Das ist dann so.“
Fakten
- Am 9. Juli: Karin Holthaus aus Mühlen
- „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
- Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
- Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
- Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
- Im November erscheint ein Buch zum Thema.
- „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Stiftung in Oldenburg.