Heinrich Werner aus Harkebrügge geht es schon wieder sehr gut. Vor nicht einmal 2 Monaten kämpfte er noch um sein Leben. Am 23. April geriert der 80-Jährige nämlich in akute Lebensgefahr, nachdem er am Vormittag vermutlich aufgrund eines gesundheitlichen Notfalls die Kontrolle über seinen Wagen verlor hatte. In der Schleusenstraße in Reekenfeld kam er mit seinem Kleinwagen von der Fahrbahn ab und fuhr dann in den Elisabethfehnkanal.
Doch zum Glück zögerte der Garreler Marcel Wachtendorf keine Sekunde, als er die kritische Situation erkannte. Er war nach einem Besuch bei den Schwiegereltern zufällig mit seiner Ehefrau Sarah Wachtendorf an der Unfallstelle vorbeigekommen.
Wachtendorf sprang ohne zu zögern in den Kanal
Nun, etwa 6 Wochen nach dem Unfall, traf Heinrich Werner seinen Lebensretter bei sich zu Hause am Harkebrügger Weg. Der 31-jährige Wachtendorf erinnert sich an die Ereignisse des Unfalltages. Der Garreler war mit seinem Auto von Reekenfeld in Richtung Kamperfehn auf der Schleusenstraße unterwegs. Das ist eine Straße, die parallel zum Elisabethfehnkanal verläuft. „Ich sah, wie zwei Radfahrer neugierig auf den Kanal schauten. Dann bemerkte ich, dass ein Auto im Kanal lag. Meine Frau sah noch einen Mann am Steuer sitzen“, resümiert Wachtendorf.
Schnell sei ihm klar gewesen, dass „da etwas passiert ist“, erklärt der 31-Jährige. „Ich hatte keine Zeit zum Nachdenken und habe meine Klamotten ausgezogen. Ich bin dann einfach ins Wasser gesprungen.“ , Dann sei er bis zum Auto geschwommen.
Weil der 80-jährige Werner sein Fenster geöffnet hatte, konnte Wachtendorf die Tür über das Fenster von innen öffnen und das Unfallopfer befreien. Dieses hatte – aus ihm unerklärlichen Gründen – bereits den Sicherheitsgurt gelöst. Zu diesem Zeitpunkt habe nur noch der Kopf von Werner aus dem Wasser geragt, sagt Ersthelfer Wachtendorf.
Er habe den Harkebrügger aus dem Auto gezogen und ihm geholfen, ans Ufer zu kommen. Dort hätten beide erst einmal kräftig durchgeatmet. Werner hatte nur leichte Verletzungen und wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Zur gleichen Zeit hatte die am Ufer stehende Sarah Wachtendorf bereits per Handy einen Notruf abgeschickt. Wenig später trafen Polizei und Krankenwagen ein.
Werner erinnert sich nicht mehr an den Unfall
Mittlerweile hatten auch Sarah Wachtendorfs Eltern das Unglück mitbekommen und waren herbeigeeilt. Im Gepäck: jede Menge Decken zum Wärmen. Auch die Familie Werner war informiert worden. „Es war ein Schrecken in der Morgenstunde“, erzählt Heinrich Werners Ehefrau Christa. „Ich hatte eine Spazierfahrt gemacht und war auf dem Weg nach Hause. Wie ich mit dem Auto in den Elisabethfehnkanal, der ja nicht weit von uns entfernt ist, gekommen bin, weiß ich nicht“, sagt Heinrich Werner. Er sei froh gewesen, dass der junge Mann ihn aus dem Auto gezogen habe. Denn was passiert wäre, wenn die Rettung nicht geklappt hätte, daran mag Heinrich Werner ebenso wenig denken, wie Marcel Wachtendorf, der Familienvater zweier Kinder ist.
„Das ist jetzt mein zweiter Geburtstag“, sagte der Gerettete beim Wiedersehen. Er habe einen großen Schutzengel gehabt und Glück im Unglück. „Wir haben immer eine Plakette des heiligen Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden, im Auto. Daran glauben wir“, meint Christa Werner und ist froh, ihren Ehemann Heinrich wohlbehalten und gesund wieder an ihrer Seite zu haben.