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Heimatverein will ins "alte Rathaus" ziehen – doch das ist stark sanierungsbedürftig

Eine Dauerausstellung, Lesungen, kleinere Konzerte – all das möchte der Heimatverein Garrel im alten Rathaus verwirklichen. Allerdings gibt es viele Unwägbarkeiten.

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Pläne: Der Heimatverein will ins alte Rathaus ziehen. Foto: Hoff

Pläne: Der Heimatverein will ins alte Rathaus ziehen. Foto: Hoff

Neue Räume, neue Möglichkeiten? 2018 hat der Heimatverein Garrel sein Büro im Osterkamp bezogen, doch das Mietverhältnis läuft Ende 2023 aus. Eine Lösung für neue Räume hat der Vorstand bereits, er hat ein Auge auf das alte Rathaus an der Hauptstraße 24 geworfen, das aktuell noch von einer Rechtsanwalts- und Steuerberaterkanzlei genutzt wird, doch diese will den Standort nächstes Jahr verlassen. Der Familien-, Senioren-, Kultur- und Sportausschuss begrüßt diese Idee grundsätzlich, doch es gibt noch viele Details, die zum jetzigen Zeitpunkt unklar sind.

Aber von vorne: Die Gemeinde Garrel bezuschusst die monatliche Kaltmiete des Heimatbüros seit knapp 4 Jahren mit monatlich 800 Euro. Jetzt will der Heimatverein das Mietverhältnis der Rechtsanwalts- und Steuerberaterkanzlei übernehmen. Konkreter gesagt: Er will das alte Rathaus kostenlos nutzen. Der aktuelle Mietkostenzuschuss  würde entfallen, die Gemeinde hätte nur noch die monatlichen Nebenkosten zu tragen. "Mit einem Umzug eröffnen sich für uns ganz neue Möglichkeiten", schreibt Günter Buschenlange als Vorsitzender in dem entsprechenden Antrag.

Heimatverein will Dauerausstellung verwirklichen

Geplant sei unter unter anderem das Projekt "Dauerausstellung zur Geschichte Garrels" im Erdgeschoss des alten Rathauses. "Unsere Gemeinde hat 1872 ihre politische und kirchliche Selbstständigkeit erlangt und seitdem fast eine unglaubliche Entwicklung genommen", schreibt Buschenlange. Ein hartes und entbehrungsreiches Leben mit teils unüberwindbaren Sand- und Moorwegen präge die Geschichte der Gemeinde, die man in Wechselausstellungen mit verschiedenen Schwerpunkten präsentieren könne. Zudem könnten Vorträge, Lesungen oder künstlerische und kulturelle Darbietungen – auch in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, etwa dem Kunst- und Kulturkreis, das Programm ergänzen.

"Die Gemeinde möchte das geschichtsträchtige Gebäude unbedingt erhalten und wir finden die Idee des Heimatvereins, das alte Rathaus kulturell zu nutzen, sehr sinnvoll", erklärte Erster Gemeinderat Karl-Heinz Focken auf der Sitzung des politischen Gremiums. Allerdings müsse beachtet werden, dass eine schriftliche Kündigung der Kanzlei  noch nicht vorliege, zunächst müssten die neuen Räume der Kanzlei bezugsfertig sein. Hinzu komme, dass der aktuelle bauliche Zustand des Hauses eine sofortige Weiternutzung nicht zulasse, es sei sanierungsbedürftig und müsste auf den neusten Stand der Technik gebracht werden.

Kosten für Sanierung oder Neubau werden erheblich sein

"Um den Umfang der Sanierungsmaßnahmen einschätzen zu können, müssen die Räume erst einmal von einem Techniker oder Architekten begutachtet werden," sagte Focken. In diesem Zusammenhang sei dann auch die Frage zu klären, was wirtschaftlich günstiger sei –  Sanierung oder Neubau. "Wenn das Mauerwerk intakt ist und der Altbau nicht komplett entkernt werden muss, spricht alles für eine Sanierung. Sollte dies nicht der Fall sein, muss entschieden werden, ob das Gebäude mittels Sanierung trotzdem erhalten bleiben soll, etwa weil es aus heimatgeschichtlicher Sicht als erhaltenswert eingestuft wird." Fest stehe so oder so, die Kosten für eine Sanierung oder einen Neubau würden erheblich sein. Für beide Fälle müssten Fördermöglichkeiten geprüft werden.

Wichtig sei der Verwaltung, dass für die zukünftige Nutzung des alten Rathauses ein Konzept aufgestellt werde, sodass auch andere Vereine und Organisationen mitwirken könnten, die Interesse an einer Nutzung hätten.

Barrierefreiheit muss berücksichtigt werden

Das Gebäude werde durch die Nutzung des Heimatvereins nochmal einen ganz anderen Publikumsverkehr erfahren, sagte Tobias Bohmann (SPD) und sprach sich dafür aus. Garrels Behindertenbeauftragter Franz Koddenberg gab zu bedenken, dass sowohl bei einer Sanierung als auch bei einem Neubau an eine Barrierefreiheit gedacht werden müsse. Stefan Meyer (CDU) plädierte dafür, dass der Heimatverein Kontakt mit seinem jetzigen Vermieter aufnehmen solle, um das aktuelle Mietverhältnis gegebenenfalls noch mal verlängern zu können, weil noch nicht feststehe, wann das alte Rathaus bezugsfertig sei.

Letztlich fällte der Ausschuss einstimmig den Beschluss, sich grundsätzlich positiv gegenüber dem Vorhaben des Heimatvereins auszusprechen und die Verwaltung zu beauftragen, zunächst die Bausubstanz und Fördermöglichkeiten prüfen zu lassen.

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