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Heckenkrieg zwischen Nachbarn: Dann vermittelt die Schiedsperson

Andreas Freesemann aus Barßel ist ehrenamtlich als stellvertretender Schiedsmann des Nordkreises im Landkreis Cloppenburg tätig. Seine Nachfolge wird gesucht, doch was macht eigentlich ein Schiedsamt?

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Streit zwischen Nachbarn: Wieder ist der Ball drüben – manch Bürger zieht wegen derartiger Vorfälle irgendwann vor Gericht. Symbolfoto: dpa/Schierenbeck

Streit zwischen Nachbarn: Wieder ist der Ball drüben – manch Bürger zieht wegen derartiger Vorfälle irgendwann vor Gericht. Symbolfoto: dpa/Schierenbeck

Die Äste sind zu hoch, die Bäume werfen zu viel Laub ab, der Zaun ist morsch – das alles können Gründe sein, warum es zu Nachbarschaftsstreiten kommt. Hecken erhitzen jedoch am häufigsten die Gemüter, verrät Andreas Freesemann. Er muss es wissen, denn er agiert bereits seit 8 Jahren als stellvertretender Schiedsmann in den Gemeinden Barßel, Bösel, Saterland sowie der Stadt Friesoythe. 

Die 4 Nordkreiskommunen suchen aktuell per Ausschreibung nach seinem Nachfolger. Die Amtszeit beträgt grundsätzlich 5 Jahre. Doch was macht eigentlich ein Schiedsmann?

Ziel eines Schiedsverfahrens sei es vor allem, die Gerichte zu entlasten, erklärt Freesemann. Privatrechtliche Streitigkeiten sollen geklärt werden, bevor es zu einer Verhandlung kommt. Dabei sei die Schiedsperson schlichtend tätig. In der Ausschreibung sind neben Nachbarschschaftsangelegenheiten auch leichte Körperverletzungen und Beleidigungen als Einsatzbeispiele aufgeführt. In den meisten Fällen vermittelt er aber zwischen Anwohnern, berichtet der Barßeler.

Geduld und psychische Belastbarkeit werden erwartet

Er ist der Stellvertreter von Annegret Brunemund-Rumker. Die Mitarbeiterin der Stadt Friesoythe ist seit 2016 als ehrenamtliche Schiedsfrau für den Nordkreis tätig. Wenn sie krank oder im Urlaub ist, kommt Andreas Freesemann ins Spiel. Der 53-Jährige ist ebenfalls in der Verwaltung tätig und arbeitet im Bauamt der Gemeinde Barßel. 

Doch wer Schiedsperson werden möchte, muss nicht bei einer der Kommunen arbeiten. Im Nordkreis zu wohnen und über 30 Jahre alt zu sein, reiche aus. Ansonsten werden Menschenkenntnis, Lebenserfahrung, Geduld und psychische Belastbarkeit erwartet. Weitere Kompetenzen werden bei Fortbildungen des "Bundes für deutsche Schiedsmänner und -frauen" erworben, berichtet Freesemann. 

"Mir ist vor allem wichtig, vernünftig mit den Menschen zu reden."Andreas Freesemann, Schiedsmann

Es bringe viel, die Streitparteien zu einem Umkehrschluss zu bewegen, weiß der Barßeler aus seinen Erfahrungen. "Ich frage dann gerne: Wie würden Sie das denn finden? Mir ist vor allem wichtig, vernünftig mit den Menschen zu reden." In 70 bis 80 Prozent seiner Fälle könne er damit eine Einigung erzielen. Bis zu 10 Einsätze habe er schätzungsweise im Jahr. Dabei seien die Streitparteien selber oft an einer außergerichtlichen Einigung interessiert. Für ihr Ehrenamt erhält die Schiedsperson eine Aufwandsentschädigung.

Wegen des Geldes mache Freesemann seine Arbeit jedoch nicht. Die Stunden, die der Schiedsmann in sein Ehrenamt investiere, machten ihm schlichtweg Spaß. „Jeder Fall ist speziell und man lernt viele Menschen und viel Neues kennen.“ Gerade wenn durch ihn eine Gerichtsverhandlung verhindert werden könne, freue sich der Schiedsmann.

Ein Protokoll des Vergleichs muss angefertigt werden

Dafür investiert der 53-Jährige dann auch mal mehrere Stunden. "Ich muss mir erst den Sachverhalt ansehen und mich über die Rechtslage informieren." In einigen Fällen schaut er sich den Grund der Auseinandersetzung direkt vor Ort an. Dann komme noch die Fahrtzeit zu Orten im gesamten Nordkreis hinzu. Nach dem Schiedsverfahren muss außerdem ein Protokoll des Vergleichs angefertigt werden. Zum Teil gebe es aber auch kleinere Probleme, die ohne ein offizielles Schreiben aus der Welt geschafft werden könnten. "Da reicht auch mal ein Anruf", verrät Freesemann. 

Wie bald der Schiedsmann in seinem Ehrenamt abgelöst wird, ist noch nicht klar. Jens Gralheer, Erster Gemeinderat im Saterland, kann noch nicht sagen, ob und wie viele Bewerbungen eingegangen sind. Falls niemand gefunden wird, müsse der Schiedsamtsbezirk zuerst gemeinsam das weitere Vorgehen beschließen. Dann könne man die Ausschreibung verlängern oder eine andere Lösung suchen.

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