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Hebammenmangel und Corona: Projekt Babylotse hilft Schwangeren

Das Projekt des Sozialdiensts der katholischen Frauen besteht seit 5 Jahren. Vor allem im Nordkreis von Cloppenburg besteht viel Bedarf nach Unterstützung, bemerkt Sozialpädagogin Martina Janhsen.

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Für einen guten Start ins Leben: Flatken-Stiftungsvorsitzender Wilfried Wulfers (von links), SkF-Vorsitzende Julia Wienken und Babylotsin Martina Janhsen unterstützen werdende Eltern. Foto: Hahn

Für einen guten Start ins Leben: Flatken-Stiftungsvorsitzender Wilfried Wulfers (von links), SkF-Vorsitzende Julia Wienken und Babylotsin Martina Janhsen unterstützen werdende Eltern. Foto: Hahn

Mit 5  Jahren ist ein Kind den Babyschuhen längst entwachsen. Auch das Projekt "Babylotse ambulant" des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) entwickelte sich in den letzten 5 Jahren weiter. Es ist groß geworden.

Das Projekt unterstützt werdende Eltern während der Schwangerschaft und danach. Denn kündige sich Nachwuchs an, folgten oft Sorgen. Die Schließung der Geburtshilfe verschärfe diese Situation in Friesoythe noch, meint Sozialpädagogin Martina Janhsen. 

Egal ob es die Hebammen-Suche sei, Fragen zu Anträgen oder andere Sorgen – die Babylotsin vermittle den richtigen Ansprechpartner. Vor allem bei Sprachbarrieren sei Hilfe nötig. "Wir haben ein gutes Netzwerk", erklärt Janhsen, die als Ansprechpartnerin 10 Stunden die Woche für den ganzen Landkreis Cloppenburg da ist. Sie übernehme dann wortwörtlich die Funktion einer Lotsin und leite Fälle beispielsweise an den hauseigenen Familienhebammendienst weiter. 

Vor allem im Nordkreis wird das Angebot gut angenommen

"Es ist wichtig, den Stress während der Schwangerschaft zu reduzieren", erklärt Janhsen. Deswegen stehe sie Schwangeren schon von Anfang an stärkend zur Seite. Um das zu erreichen, werden Fragebögen in drei kooperierenden Frauenarzt-Praxen im Landkreis verteilt. Ein Bogen zum Anfang der Schwangerschaft, einer zum Ende hin und einer nach der Geburt. Alles laufe anonym ab. Sie werte die Bögen aus und nehme, falls gewünscht, Kontakt auf, sagt Janhsen. "Das ist bei einem Drittel bis einem Viertel der Fall."

Das Angebot werde vor allem im Nordkreis gut angenommen, berichtet die Sozialpädagogin. 2021 kamen 279 Fragebögen zurück, 195 davon aus der gynäkologischen Fachpraxis im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Friesoythe. 48 persönliche Gespräche seien die Folge gewesen. Die Rückmeldungen hätten im Vergleich zum Jahr 2020 zugenommen.

Fachkräftemangel ist in der Branche schon lange spürbar

Die Schließung der Friesoyther Geburtshilfe, sie werde ein Thema werden, vermutet Janhsen. Denn: Schon in der Vergangenheit sei die Sorge vor einer langen Anfahrt immer wieder geäußert worden. Das werde mehr werden.

Der Fachkräftemangel sei in der Branche schon lange spürbar. Deswegen habe man auch die Hebammen Zentrale Cloppenburg eingeführt, erklärt Julia Wienken, erste Vorsitzende des SkF. Diese hilft bei der Suche nach Hebammen und Kursen und erfasst Zahlen zur Unterversorgung. Aktuell bereite zudem die Corona-Pandemie Sorgen, weil Partner Vorsorgeuntersuchungen oder den Geburtsprozess nur eingeschränkt begleiten können.

Die Babylotsin bemerke seit dem Projektstart 2016 aber auch, dass die Akzeptanz für Hilfe steige. So würde das Projekt mittlerweile nicht nur sozial schwache Frauen erreichen. Ein Grund dafür sei die gute Zusammenarbeit mit den medizinischen Fachangestellten der Praxen, die pauschal jeder Frau einen Fragebogen aushändigen. Dadurch werden auch die Ärzte entlastet, glaubt Janhsen. "Allgemein wird einfach mehr über Sorgen und Gedanken gesprochen", meint die Sozialpädagogin. 

Arbeit finanziert sich durch Spenden von Stiftungen

Für die Zukunft hoffen die Projektverantwortlichen weitere Praxen dazugewinnen zu können. Zudem werde auf eine Regelfinanzierung aus öffentlichen Töpfen gepocht, denn bisher finanziere sich die Arbeit durch Spenden verschiedener Stiftungen. Das Programm entstand ursprünglich auf Initiative des Hamburger Kinderarztes Sönke Siefert und seiner Stiftung "See You". Nachdem die erste, vom Landes-Caritasverband finanzierte Projektphase 2019 auslief, sprang in Friesoythe die "Elisabeth und Johann Flatken Stiftung" ein. 

Die Gründerin der Stiftung ist die Friesoyther Gynäkologin Angela Flatken. Heute wäre sie 100 Jahre alt geworden, erzählt Wilfried Wulfers. Er sitzt der Stiftung seit Juni 2021 vor. Nach Flatkens Tod 2009 ging ihr Vermögen in die nach ihren Eltern benannte Stiftung. Schon zu Lebzeiten half die Gynäkologin bedürftigen Müttern und Frauen. So fördert die Stiftung vorrangig Schwangere, Kinder und ältere Menschen in Not beziehungsweise stellt karitativen Einrichtungen die Mittel dafür zur Verfügung. Deswegen treffe die Arbeit der Babylotsen genau das Anliegen der Gründerin, meint Wulfers: "Das passt wie Topf und Deckel zusammen."

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