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Haus St. Teresa setzt Pilotprojekt um: Das steckt dahinter

Mit einem Personalbemessungsverfahren sollen nicht nur die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte besser werden – auch Bewohner profitierten.

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Eines der Ziele des bundesweit einheitlichen Personalbemessungsverfahrens PeBeM: die Sicherung der Pflegequalität auf höchstem Niveau. Foto: Timo Lutz

Eines der Ziele des bundesweit einheitlichen Personalbemessungsverfahrens PeBeM: die Sicherung der Pflegequalität auf höchstem Niveau. Foto: Timo Lutz

Attraktivere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte schaffen und gleichzeitig die Pflege der Bewohner auf einem hohen Niveau sichern: Das versucht die St. Hedwig-Stiftung im Haus St. Teresa in Vechta mit einem bundesweiten Pilotprojekt umzusetzen.

„Die Planungen begannen bereits im März 2024“, wird Juliana Edich, Pflegedienstleiterin im Haus St. Teresa, in einer Mitteilung zitiert. „Mit unserem Projektteam haben wir eine genaue Analyse durchgeführt bezüglich der Pflegegrade und individuellen Pflegebedarfe der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Arbeitszeitspitzen, Dienstzeiten und Qualifikationen der Mitarbeitenden.“

Begleitet und unterstützt wurde das Team von Beginn an von Horst Geers, Referent für Pflege und Qualitätsmanagement beim Landes-Caritasverband für Oldenburg. Hintergrund dieses aufwendigen Projektes ist das Personalbemessungsverfahren PeBeM, ein bundesweit einheitliches Verfahren zur Personalplanung in vollstationären Pflegeeinrichtungen. „Das Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte zu verbessern, die Qualität der Versorgung zu sichern und dabei wissenschaftlich fundierte Personalanhaltswerte zu schaffen“, erläutert Cornelia Ostendorf, Geschäftsführerin der St. Hedwig-Stiftung. Mit der Umsetzung nimmt das Haus St. Teresa nach eigenen Angaben eine Vorreiterrolle im Bereich des Landes-Caritasverbandes ein.

Zeitaufwendige Übergaben nicht mehr nötig

„Im Ergebnis haben wir gesehen, dass das frühere System mit festen Schichtdiensten nicht flexibel genug ist und haben deshalb dieses Schichtsystem aufgebrochen“, erläutert Juliana Edich. So wurde die Funktion einer übergeordneten qualifizierten Tages-Pflegefachkraft geschaffen. „Diese Pflegefachkraft ist schichtübergreifend den ganzen Tag im Haus. Hier laufen alle Informationen zusammen und sie ist zentraler Ansprechpartnerin für Mitarbeitende, Bewohner und Angehörige, aber auch für externe Dienste, wie Ärzte und Therapeuten“, erläutert Birgit Bührmann, Quartiersleitung Vechta. Dadurch würden die anderen Pflegekräfte entlastet.

Zeitaufwendige Übergaben mit allen Kolleginnen und Kollegen, wie es früher beim Schichtwechsel üblich war, sind jetzt nicht mehr nötig. Zu den Zeiten mit Arbeitsspitzen wie morgens und abends werden jetzt zusätzliche Mitarbeitende eingesetzt, während es nachmittags weniger sind. Es ist jedoch immer eine ausgebildete Pflegefachkraft anwesend.

„Vollzeitkräfte und Pflegekräfte mit hohen Stundenzahlen profitieren von den neuen Dienstzeiten, indem sie mehr Stunden am Stück arbeiten können“, so Juliana Edich. Hätten sie früher 12 Tage hintereinander gearbeitet, seien es jetzt häufig nur 5 Tage bei gleichzeitig mehr freien Tagen. Auch ließen sich die Dienstzeiten jetzt familienfreundlicher gestalten, wovon besonders junge Mütter profitieren würden.
Trotz der Vorteile für die Mitarbeitenden standen bei der neuen Struktur die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner an erster Stelle.

Positives Fazit aus dem Pilotprojekt

Die neue Einsatzplanung basiert auf dem wöchentlichen Maßnahmenplan und stellt sicher, dass jeder entsprechend seinem Pflege- beziehungsweise Hilfebedarf von einem dafür qualifizierten Mitarbeitenden versorgt wird, es aber auch nicht zu Unter- oder Überforderung der Pflegekräfte kommt. Dabei werden drei Qualifizierungsstufen unterschieden: Hilfskraftpersonal ohne Ausbildung, Hilfskraftpersonal mit landesrechtlich geregelter Helfer- oder Assistenzausbildung in der Pflege mit einer Ausbildungsdauer von mindestens einem Jahr und Fachkraftpersonal wie ausgebildete Pflegefachkräfte.

„Speziell für die Pflegeassistenten sei die Arbeit verantwortungsvoller und dadurch attraktiver geworden“, fügt Juliana Edich hinzu. „Wir können aus dem Pilotprojekt ein positives Fazit ziehen. Mit der neuen Struktur haben wir eine Win-win-Situation für die Pflegebedürftigen, Angehörigen und Mitarbeitenden geschaffen“, fasst Cornelia Ostendorf zusammen. „Zudem geben uns die Analysen Anhaltspunkte für die Ausstattung mit Pflege- und Betreuungskräften und eine gute Verhandlungsbasis für die zukünftige Aufstockung der Personalausstattung“, ergänzt sie.

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