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Günter Buschenlange schickt "blaues Wunder" nach Davenport

Um ein Museum in Davenport zu unterstützen, ließ Garrels Heimatvereinschef jetzt Tischdecken und Vorhänge in einer Blaudruckerei anfertigen und verschickte die Stoffe in den mittleren Westen der USA.

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Holt die Blaudrucke in Jever ab: Günter Buschenlange ließ sich von Sabrina Schuhmacher das Handwerk erklären. Foto: Buschenlange

Holt die Blaudrucke in Jever ab: Günter Buschenlange ließ sich von Sabrina Schuhmacher das Handwerk erklären. Foto: Buschenlange

Ob er ihr Original-Blaudruckstoffe besorgen und in die USA schicken könne, fragte Janet Brown-Lowe, als sie vor einiger Zeit mit dem Garreler Heimatvereinsvorsitzenden Günter Buschenlange telefonierte. Hintergrund: Das "German-American Heritage Center" , ein Museum in Davenport, das sich hauptsächlich mit der Einwanderung aus Deutschland beschäftigt, plant eine einjährige Ausstellung über den Blaudruck. Sie soll im Oktober dieses Jahres eröffnet werden. Ziel des Zentrums ist es, die deutsche Kultur zu erhalten und das Wissen um sie an kommende Generationen weiterzugeben.

Doch woher kennen sich Buschenlange und Brown-Lowe? Auf seiner ersten Fahrt zur Plattdeutsch-Konferenz nach Wisconsin hatte der Garreler die pensionierte Deutschlehrerin kennengelernt. Damals hatte er das 1870 erbaute "Germania House", in dem sich jetzt das Kulturzentrum mit Museum befindet und das ursprünglich eines der ersten Gästehäuser für deutsche Migranten war, besucht. Dort war er mit der Amerikanerin ins Gespräch gekommen, die zu diesem Zeitpunkt noch die Direktorin des "German-American Heritage Centers" gewesen war, sich aber nach wie vor stark für das Museum engagiert. Bis heute halten die beiden Kontakt. Vor 3 Jahren war sie mit ihrem Mann sogar in Garrel, auf ihrer Deutschland-Tour machten sie Halt im Nordwesten Deutschlands, "um sich eine Auszeit von Trump zu gönnen", hatte das Ehepaar seinerzeit gewitzelt. 

Buschenlange nahm Kontakt zur Blaudruckerei in Jever auf

Für die Ausstellung bräuchten sie Tischdecken, Vorhänge, Nadelkissen und Ansichtskarten aus Deutschland, zählte die Amerikanerin während ihres Gesprächs mit dem 61-Jährigen auf.  Blaudrucke mit ihrem klaren Stil seien typisch norddeutsch, weswegen ihr wichtig sei, dass sie in Davenport Originale ausstellen könnten. Buschenlange war sofort Feuer und Flamme für die Idee. Das Problem nur, das Handwerk ist nur noch an wenigen Orten zu finden. Nach einer kurzen Recherche nahm er Kontakt zu Sabrina Schuhmacher auf, die jüngst die historische Blaudruckerei in Jever übernommen hatte und gab bei ihr die entsprechenden Wünsche in Auftrag. 

Am 1. August holte Buschenlange die Stoffe persönlich ab und lernte die 25-Jährige kennen, die ihm das Handwerk vorführte und erklärte.  "Wie früher wird alles per Hand gemacht. Der weiße Stoff wird mithilfe von Druckstöcken, den sogenannten Modeln, bedruckt. Die meisten der etwa 700 Modeln sind Originale, das Älteste ist mehr als 300 Jahre alt", weiß der Heimatvereinsvorsitzende zu berichten. Mit ihnen werde eine grünlich-klebrige Masse auf den weißen Stoff aufgedruckt. Diese etwa 350 Jahre alte Rezeptur wirke auf dem weißen Tuch wie eine Art Wachs. Die anschließende Blaufärbung geschehe in der Indigo-Küpe. Der bedruckte Stoff werde auf einen eisernen Kronreifen gespannt und bis zu zehnmal in den Färbebottich getaucht, bis die gewünschte Farbtiefe erreicht sei.

Ein Original: Dieses sogenannte Model ist etwa 350 Jahre alt. Foto: BuschenlangeEin Original: Dieses sogenannte Model ist etwa 350 Jahre alt. Foto: Buschenlange

"Beim Färben mit Indigo erlebt der Zuschauer dann sein 'blaues Wunder'", erklärt Buschenlange. "Denn der Stoff wird innerhalb weniger Minuten erst gelb, dann grün und schließlich blau, weil die Farbe an der Luft oxidiert." Danach werde der anfangs aufgedruckte Papp abgewaschen, und das weiße Muster erscheine auf blauem Grund.

In Jever werden Leinen, Baumwolle, Samt und Seide bedruckt. Die Technik des Blaudrucks ist vor etwa 400 Jahren aus Indien nach Europa gekommen. Die Stoffe waren anfangs recht teuer und schmückten die Häuser des Adels. 

Garreler freut sich über Zusammenarbeit mit "German-American Heritage Center"

3 Vorhänge, 2 Tischdecken, 10 Nadelkissen und 10 Ansichtskarten, die mit Blaudruck bespannt wurden, hat Buschenlange jetzt auf die Reise nach Davenport geschickt. Der Aufwand hierbei sei nicht zu unterschätzen gewesen. Nicht nur die Fahrt nach Jever, auch das Verschicken habe ihn einige Zeit gekostet, "ich habe mehrmals mit dem Zoll telefoniert, um mich über die entsprechenden Bestimmungen zu informieren", sagt Buschenlange. Nichtsdestotrotz freue er sich über die Zusammenarbeit, "es ist toll, dass wir das 'German-American Heritage Center' auf diese Weise unterstützen können, schließlich sind auch einige Garreler vor mehr als 100 Jahren in diese Richtung ausgewandert". 

Zudem hoffe er, die Ausstellung in Davenport nächstes Jahr selber mit einer Reisegruppe besuchen zu können, "denn der Heimatverein plant vom 31. August bis 13. September eine Tour durch den mittleren Westen der USA. Dazu liegen uns schon viele Anmeldungen und Vormerkungen aus dem ganzen Landkreis vor", erzählt Buschenlange, der etwas neidisch auf das "German-American Heritage Center" ist. "Ich wünsche mir für Garrel auch einen Ausstellungsort, an dem wir die Geschichte unserer Gemeinde präsentieren und Konzerte oder Lesungen in kleinerem Rahmen stattfinden lassen können". Eine passende Immobilie hat er dabei auch schon im Kopf, "Ideen gibt es viele",  sagt er, ohne Details zu verraten.


Fakten:

  • Das "German-American Heritage" Center in Davenport ist ein deutsch-amerikanisches Kulturzentrum mit Einwanderungsmuseum und wurde 1994 gegründet. Es zeigt die Geschichte deutscher Einwanderer in den Mittleren Westen.
  • Zahlreiche Immigranten hinterließen ihre Spuren auf dem Weg in den Mittleren Westen, da dort die erste Eisenbahnbrücke über den Mississippi führte. Davenport gilt als eine sehr deutsche Stadt und in den umliegenden Staaten wurde bei der Volkszählung im Jahr 1900 jeder Zweite als deutscher Einwanderer oder Nachfahre eines Deutschen gezählt.
  • Das Museum hat eine große ständige Ausstellung und zusätzlich bietet es jeweils zwei Wechselausstellungen. 
  • Das "Germania House" steht unter Denkmalschutz.

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