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Großeltern meinen es manchmal zu gut

Ab und zu eine Süßigkeit oder eine Wurst, obwohl es zu Hause nur Vegetarisches gibt: Das untergräbt die Erziehung der Eltern, sagt die Expertin und Referentin Sandra Strahler.

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Großeltern, Eltern und Kind: Wenn sich Oma und Opa in die Erziehung einmischen, kann es zu Konflikten kommen. Foto: Christin Klose/dpa

Großeltern, Eltern und Kind: Wenn sich Oma und Opa in die Erziehung einmischen, kann es zu Konflikten kommen. Foto: Christin Klose/dpa

Probleme gibt es in jeder Familie. Großes Streitpotenzial bietet die Frage, wie Kinder richtig erzogen werden sollten. Wie es Großeltern gelingt, zu einem gesunden Familienleben beizutragen und ihre Enkelkinder glücklich zu machen, können sie Ende Oktober bei der Erziehungswissenschaftlerin Sandra Strahler im Großelternkursus des Kinderschutzbundes in der Volkshochschule Cloppenburg lernen.

Es kommt nicht selten vor, dass Großeltern heimlich Süßigkeiten zustecken oder Fleisch servieren, obwohl sich die Familie vegetarisch ernährt. Alles, um die Herzen ihrer Enkelkinder zu erobern. „So hintertreiben sie aber die Erziehung der Eltern, und es entsteht ein Loyalitätskonflikt für die Enkelkinder“, sagt Sandra Strahler vom Kinderschutzbund Oldenburg. „Es ist für die Kinder doof, dieses Geheimnis haben zu müssen und immer zu denken: ‚Ich darf Papa das nicht erzählen, dann schimpft er mit Oma und dann darf ich da nicht mehr hin.‘“

Die Kinder werden dann unglücklich, und das ist das Letzte, das sich die meisten Großeltern wünschen. Auch die Beziehung zu den eigenen Kindern und deren Partnern leidet. Dabei meinen Oma und Opa es doch eigentlich nur gut.

Sandra Strahler  Foto: StrahlerSandra Strahler  Foto: Strahler

„Der Grundgedanke ist, dass du den anderen nicht ändern kannst. Es heißt ja häufig, das Kind ist problematisch. Das Kind macht nicht, was ich will“, sagt die Kommunikationsexpertin. Dieses Verhalten habe aber einen Grund: Ein Bedürfnis des Kindes wird nicht erfüllt – das Kind kann es aber nicht ausdrücken. „Alle Experten sind sich einig, dass Kinder grundsätzlich kooperationswillig auf die Welt kommen. Sie wollen dich nicht ärgern oder dir das Leben schwer machen.“

Im Laufe der Zeit passieren trotzdem einfach Dinge, die zunächst unerkannt bleiben und das Familienleben schwieriger machen. Wie kann ich besser kommunizieren und immer gleiche Kommunikationsmuster durchbrechen? Diese Fragen stellen sich die Teilnehmenden im Kursus. Denn ein harmonisches Miteinander über drei Generationen ist wichtig. Vor allem, weil Großeltern ihre erwachsenen Kinder immer öfter bei der Betreuung unterstützen.

Großeltern müssen nicht immer parat stehen

„Es kippt natürlich auch manchmal in die Richtung, dass die Kinder die Großeltern zu sehr ausnutzen“, erklärt die Erziehungswissenschaftlerin. Oma und Opa müssen aber nicht immer parat stehen, um sich um ihre Enkel zu kümmern, wenn Eltern keine Zeit haben oder in den Urlaub wollen. Deshalb üben sie im Kursus, sich selbst zu reflektieren und zu hinterfragen.

Die Dinge aus Sicht der eigenen Kinder, aber auch der Enkelkinder, zu sehen, sei wichtig. Es treffen nämlich drei Generationen aufeinander. Unterschiedliche Wertesysteme und andere Erziehungsmethoden bedeuten aber nicht automatisch, dass Großeltern früher alles falsch gemacht haben oder ihre Erfahrung nichts wert sei. „Sie machen es nur anders“, erklärt Strahler. „Jeder denkt irgendwie, sein Wertekosmos ist ein Maßstab – sonst würden wir es ja so nicht machen.“

Gerade in der Kindererziehung äußere sich das, weil Eltern sich über sie definieren. „Kinder werden auch von außen als das Produkt betrachtet, was du gemacht hast. Wenn es nicht so gut läuft, ist das vielleicht kein so gutes Zeugnis“, weiß Strahler. Wenn dann noch jemand meint, sich einmischen zu können, kann es schnell zu Streit kommen. Unterschiedliche Vorstellungen und Lebensentwürfe seien dabei aber wichtig für die Enkelkinder. Sie lernen, andere Denkweisen zu akzeptieren, und erweitern ihren Horizont.

Kein Rezept oder Nachhilfe erwarten

Der Kursus „Starke Großeltern – starke Kinder“ ist unterteilt in sechs Termine, die jeweils unter einem eigenen Motto stehen. Entwickelt hat ihn der Deutsche Kinderschutzbund mit finanzieller Förderung vom Bundesfamilienministerium. „Die Erwartungshaltung ist meist, dass man ein Rezept an die Hand bekommt, wie mit dem Kind umgegangen werden soll“, sagt Strahler. „Das ist aber keine Nachhilfe.“ Es gehe vielmehr darum, sich selbst zu reflektieren und seine Rolle als Großmutter oder -vater zu finden.

  • Info: Der Großelternkurs beginnt am Mittwoch, 28. Oktober, um 9.30 Uhr, und findet in der Volkshochschule Cloppenburg statt. Interessierte können sich unter 04471/94690 oder www.vhs-cloppenburg.de anmelden.

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