Goldenstedter Modellflieger suchen noch immer ein neues Zuhause
Die Zeiten, zu denen die Männer ihrem Hobby nachgehen können, sind auf dem aktuellen Vereinsgelände so eingeschränkt, dass eine neue Fläche her muss. Doch die Suche ist schwierig.
Seit mehr als einem Jahr ist der Modellflugverein Goldenstedt schon auf der Suche nach einem neuen, geeigneten Gelände für sich. Doch bislang ist der Verein nicht fündig geworden, wie die Vereinsmitglieder Volker Holzenkamp und Wilko Aff auf Nachfrage verraten.
Wir erinnern uns: Im März 2020 bestätigte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg das teilweise Flugverbot über dem vereinseigenen Gelände im Naturschutzgebiet Goldenstedter Moor, das seit einer Verordnung des Landkreises Vechta aus dem Jahr 2016 gilt. Eine Bestimmung untersagt den Betrieb von Modellflugzeugen in dem Naturschutzgebiet in der Zeit vom 1. April bis 15. Juli eines jeden Jahres und im Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. März in der Zeit 2 Stunden vor Sonnenuntergang bis 2 Stunden nach Sonnenaufgang. Das Verbot sei rechtmäßig, so das OVG, da der Flugbetrieb in beiden Zeiträumen zu einer nachhaltigen Störung im Naturschutzgebiet führen könne. Das Naturschutzgebiet sei Lebensraum und Brutstätte einer Vielzahl störungsempfindlicher und teilweise gefährdeter Vogelarten.
Wie geht es weiter? Die beiden Vorsitzenden Volker Holzenkamp (von links) und Karsten Mann sowie Wilko Aff treibt die Sorge um die Fortexistenz ihres Vereins um. Archivfoto: Ferber
Nach diesem Urteil hatte der Verein beschlossen, sich nach einem anderen Gelände umzusehen. Unter den gegebenen Umständen ergebe es für die Modellflieger einfach keinen Sinn mehr, so ihr ernüchterndes Fazit im vergangenen Jahr. Gegenüber dieser Redaktion ließen die Mitglieder wissen, dass die neue Fläche auch gar nicht so groß wie die aktuelle – 13.000 Quadratmeter –, sondern es auch 5.000 bis 7.000 Quadratmeter täten.
Doch die Suche nach einem Alternativplatz gestalte sich sehr schwierig, sagen Volker Holzenkamp und Wilko Aff. „Zum einen ist die Pandemie der Grund.“ Die Vereinsmitglieder durften sich auch nur mit maximal 2 Haushalten auf dem Platz treffen. Dadurch sei das Vereinsleben wie in vielen Vereinen zu dieser Zeit nahezu zum Erliegen gekommen.
Auch Gespräche mit der Gemeindeverwaltung „haben uns bei unserer Suche leider nicht weitergebracht“. Es sei natürlich schwer einen entsprechend großen Platz, in der Nähe zu Goldenstedt, für das Hobby zu finden, ohne dort sowohl Mensch als auch Tier zu „stören“, sagen sie. „Wir sind also weiterhin auf der Suche und sollte sich eine Möglichkeit ergeben, sind wir sehr gerne zu Gesprächen mit Eigentümern entsprechender Flächen bereit.“
Pessimistische Zukunftsaussichten
Und wie sieht es aktuell bei dem Modellflugverein Goldenstedt aus? Die Mitglieder befinden sich in der Flugverbotszeit, die noch bis Mitte Juli andauert, „und uns an der Ausübung unseres Hobbys hindert“. Durch die Witterungsbedingungen konnte der Verein „leider auch das Frühjahr bis zum Beginn des Flugverbots nicht wie gewohnt nutzen, um unsere Modelle starten zu lassen“, so Volker Holzenkamp und Wilko Aff.
Die 15 Mitglieder – alles Männer – „fiebern natürlich“ bereits jetzt dem Ende des Flugverbots entgegen und bauen fleißig an neuen Modellen. Im Verein gebe es sowohl Verbrenner wie auch elektrogetriebene Flugzeuge, erklärt Volker Holzenkamp, aber auch Antriebslose (Segler). „Wobei auch hier die Tendenz ganz klar in Richtung Elektro-Antriebe geht.“ Der Reiz am Hobby liege darin, mit eigenen Hände ein Flugzeug aufzubauen, es in Betrieb zu setzen und „sich dann durch das Fliegen davon zu überzeugen, dass man technisch alles bedacht und umgesetzt hat, damit es funktioniert“. Darüber hinaus gehöre das Vereinsleben, mit anderen Mitgliedern technische wie auch private Gespräche zu führen, dazu.
Welche Zukunftsaussichten hat der Modellflugverein Goldenstedt? Volker Holzenkamp ist pessimistisch.„So traurig es auch klingt, sehe ich düster in die Zukunft des Vereins an diesem Standort. Ich werde die Aussage des Richters der OVG Lüneburg nie vergessen. Es muss nicht bewiesen werden, dass der Flugbetrieb die Wildvögel bei der Brutzeit oder auf der Nahrungssuche stört. Die Möglichkeit, dass es sein könnte, reicht aus um den Flugbetrieb vollständig zu verbieten. Und dies, obwohl der Modellflugplatz und Verein in diesem Gebiet bereits länger existieren als das Naturschutzgebiet.“