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Garreler sind sauer: Goldschmaus will 10 Doppelhaushälften für Mitarbeiter bauen

Sie fühlen sich von der Größe erschlagen, "das Geballte" macht ihnen Angst. Die Anwohner des Pöhlendamms kritisieren das Bauvorhaben der Goldschmaus-Gruppe.

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Erste Maßnahmen: Etwa 50 Eichen wurden schon auf der Fläche am Pöhlendamm gefällt, auf der Goldschmaus sein Bauvorhaben realisieren möchte. Foto: Hoff

Erste Maßnahmen: Etwa 50 Eichen wurden schon auf der Fläche am Pöhlendamm gefällt, auf der Goldschmaus sein Bauvorhaben realisieren möchte. Foto: Hoff

Die Goldschmaus-Gruppe will am Pöhlendamm in Garrel für ihre Mitarbeiter 10 Doppelhaushälften bauen. Bei den Anwohnern stößt das Vorhaben auf Kritik. Die Größe des Projekts stelle einen "Bruch mit der Siedlung" dar, ärgern sie sich. Aber von vorne:

Ende Dezember erhielten die direkten Anwohner einen Brief der Goldschmaus-Gruppe. Eine Einladung zur Anliegerversammlung. In dem Schreiben hieß es, dass die BG Immobilien GmbH, ein Unternehmen der Goldschmaus-Gruppe, die alte Fläche der Familie Wendeln erworben habe. Aktuell würden die baufälligen Gebäude abgerissen. Durch die Außenbereichssatzung, die die Gemeinde Garrel 2021 erlassen habe, werde nun die Bebauung am Pöhlendamm möglich. Goldschmaus habe in den vergangenen Jahren mehrere Ein- und Zweifamilienwohnungen für Singles und Paare geschaffen. Es fehle aber noch Platz für Familien. Dieser solle nun am Pöhlendamm geschaffen werden. Jetzt wolle das Unternehmen die Anlieger darüber informieren, was konkret geplant sei. 

Auf der Informationsveranstaltung war den Anwohnern eine erste Skizze gezeigt worden

"Auf der Sitzung haben wir eine erste Skizze gesehen", berichtet Herold. Demnach sei ein Straßenzug mit 10 Doppelhaushälften geplant, 20 Einheiten á mindestens 100 Quadratmeter und mehr als 40 Parkplätze. "Ein Riesenkomplex, der uns hier direkt vor die Tür gesetzt wird. Wir werden erschlagen von der Größe", kritisiert sie – auch stellvertretend für andere Anwohner. Sie seien bewusst an den Ortsrand Garrels gezogen, um möglichst ländlich zu wohnen. "Wenn einem eine derart große Siedlung vor die Nase gesetzt wird, ist es vorbei mit dem idyllischen Landleben." Richtig sauer sind die Nachbarn über die Aussage, dass Goldschmaus nicht garantieren könne, dass ausschließlich Familien in die Häuser einzögen. "So die Aussage auf der Informationsveranstaltung im Januar", sagt Herold aufgebracht.

Die Garrelerin ärgert sich zudem darüber, dass bereits rund 50 Eichen gefällt worden seien, "ein Eingriff in die Natur". Auch hier sei auf der Info-Veranstaltung davon gesprochen worden, dass lediglich das Totholz entfernt und Bäume ausgedünnt würden. "Stattdessen wird gerade radikal abgeholzt. Wir können aber leider nichts dagegen machen, weil es im Landkreis keine Baumschutzssatzung gibt", berichtet die Garrelerin, die deswegen schon Nachforschungen angestellt hatte.

Die Anwohner machen sich Sorgen wegen eines möglichen Wertverlusts ihres Grundstücks

Zusätzlich fürchten die Nachbarn durch die Bauzeit ein hohes Verkehrsaufkommen durch die zahlreichen Lkw und Baufahrzeuge. "Wir merken jetzt schon, dass deutlich mehr los ist auf der Straße – allein durch die Baumfällarbeiten. Ich lasse meine Kinder hier nicht mehr frei auf der Straße spielen, es ist einfach zu gefährlich geworden", schimpft Herold und zeigt auf einen Lkw, der in diesem Augenblick an ihrem Haus vorbeifährt. Es ist einer von vielen an diesem Morgen. "Hier muss für die Bauzeit eine Lösung her", fordert Anliegerin Anita Lange. Die Anwohner haben zudem Bedenken, dass eine Integration der Mitarbeiter von Goldschmaus gar nicht möglich sei, wenn sie in einer Art "eigenen Siedlung" lebten und so unter sich blieben. "Gefühlt werden die Mitarbeiter außerhalb vom Ortskern untergebracht und dadurch vom alltäglichen Leben isoliert."

Sorgen machen sich die Anwohner auch wegen eines möglichen Wertverlusts des eigenen Grundstücks und Hauses, der mit einem solchen Bauvorhaben direkt vor der Tür einhergehe. "Es gibt Anlieger, die mit dem Gedanken spielen, hier wegzuziehen", berichtet Herold. 

Goldschmaus macht aktuell noch keine konkreten Angaben zu dem Bauprojekt Pöhlendamm

Auf Nachfrage von OM-Online schreibt Goldschmaus, zu dem Bauprojekt Pöhlendamm könnten noch keine Einzelheiten genannt werden, man befinde sich noch in der Planung und Abstimmung. „Unser Ziel ist es jedoch, Mitarbeiterwohnungen gezielt für Familien zu schaffen.“ Das deckt sich mit den Angaben der Gemeinde Garrel. Ein Bauantrag liegt der Verwaltung demnach noch nicht vor.

Herold ist sich durchaus bewusst, dass die Anwohner das Bauvorhaben nicht mehr stoppen können, aber sie ärgert sich über die wenigen Informationen, die sie im Vorfeld erhalten hätten.  Auch vonseiten der Gemeinde fühlen sich die Anwohner mit ihren Ängsten und Sorgen nicht ernstgenommen.

Außenbereichssatzung war 2018 auf den Weg gebracht worden

Bürgermeister Thomas Höffmann betont, dass die Gemeinde letztlich nicht der richtige Ansprechpartner sei, es handle sich hier nicht um ein Bauvorhaben der Gemeinde Garrel, sondern um einen Privatbau. 2018 sei eine entsprechende Außenbereichssatzung (für Bereiche außerhalb der geschlossenen Ortschaft) auf den Weg gebracht worden, "zu diesem Zeitpunkt war Goldschmaus aber noch nicht Eigentümer der Fläche", erklärt Höffmann. Die Fläche sei erst im Nachhinein verkauft worden. "Diese Entscheidung war damals getroffen worden, um dem Investor zu ermöglichen, Wohnraum zu schaffen".

Im Mai 2021 hatte der Rat, nachdem der Entwurf der Außenbereichssatzung Pöhlendamm mehrere Wochen öffentlich ausgelegen hatte, diese schließlich einstimmig beschlossen. "Eine Stellungnahme von Anwohnern ist in dieser Zeit nicht eingegangen", sagt der Verwaltungschef. Laut Satzung sind nur eingeschossige Gebäude als Einzel- und Doppelhäuser sowie je Doppelhaushälfte höchstens zwei Wohnungen zulässig. Goldschmaus sei auch erst Ende des Jahres an die Gemeinde herangetreten und habe dargestellt, dass sie eine Anliegerversammlung durchführen wollen, "was auch begrüßenswert war", so der Bürgermeister. "Konkrete endgültige Pläne oder einen Bauantrag haben wir bis heute nicht." Die Skizze, die auf der Informationsveranstaltung von Goldschmaus vorgestellt worden sei, sei wohl noch eine reine Grobplanung, vermutet Höffmann. Und er sagt: "Letztlich war Goldschmaus nicht in der Pflicht, überhaupt in so einer Form über das Bauvorhaben zu informieren."

Zudem erklärt er, dass Goldschmaus für entsprechende Kompensationsflächen sorgen müsse. Ausgleichsmaßnahmen können das Anlegen von Hecken, das Pflanzen von Bäumen oder das Umwandeln eines Ackers in eine Wiese sein. "Da wird sich das Unternehmen vor dem Landkreis Cloppenburg erklären müssen. Das liegt nicht in unserer Verantwortung." 

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